V geschlafen. Prinz Solms u. viele Gratulations Au ­ dienzen angenommen, doch die mehrsten nicht zu ­ gelassen. — Viel Geschäfte. Kammerspeiße. Herz. v. Cambridge Visite nicht aeeegtiren können, doch noch Besuch von m. Bruder u. 2 Neffen. Für gewöhnlich Pflegte der Kurfürst den Neu ­ jahrsgratulationen ganz aus dem Weg zu gehen. Prinz Solms war der Chef des nach ihm benannten Infanterieregimentes. Der erwähnte Bruder, dev zu Kassel in der Oberen Königsstraße (jetzt Nr. 2) wohnende Landgraf Friedrich, war der Schwieger ­ vater des Herzogs v. Cambridge. Dieser kam öf ­ ters von seiner Residenz Hannover nach Kassel und konnte am 3. dem Kurfürst seinen Abschiedsbesuch machen. . 4. Jan. 6 Gr. Kälte. Zuerst wieder ausgefahren, nach Zrvebren. — In der Cabinetscassen Session. Abends Besuch von der Kurprinzessin. Auch die nächsten Tage berichten von regel ­ mäßigen Ausfahrten bei jedem Wetter trotz Frost und „sehr starkem Nebel". Am Sonntag den 7. fühlte Wilhelm sich wieder so wohl, daß er „sämt ­ lichen Familien des Kurhauses", d. h. der kurprinz- lichen Familie und denen des Landgrafen Friedrich und seines ältesten Sohnes Prinzen Wilhelm, eine große Tafel geben und der Prinzessin Wilhelm, die vor 14 Tagen ihren ältesten Sohn, den späteren sog. Thronfolger, hatte taufen lassen, eine Visite machen konnte. 10. Jan. Ziemlich gute Nachtruhe. Zu Wlhls- höhe einige Stunden gearbeitet. Kammerspeiße. Vor ­ trag von den Geh. Cab. Räthen. Abends wie gewöhn ­ lich. 11.. Nicht gut geschlafen. Ausgefahren. Labinets Lassen Session. Tafel mit der Kurprinzl. u. Land- gräfl. Familie. Abends wie gewöhnlich. 12. Recht guk° geruht. Auf die Löwenburg gefahren. Geh. Ministerium in Bellevue. Tafel mit den Mini ­ stern, einigen Fremden u. Suite. Abends wie sonst. 13. Keine gute Nachtruhe. Zu Wlhlshöhe ein paac Stunden gearbeitet. Kammerspeiße. Vortrag über die hessische Geschichte. Abends Visite von der Prinzessin. Wilhelm. Diese noch mehrmals erwähnten Vorträge hielt ihm Christoph v. Rommel, der Verfasser der von dem Kurfürsten angeregten und mit lebhaftem Interesse verfolgten hessischen Geschichte, deren ersten Band er noch erlebte. Der nächste Tag war der Jahrestag des Todes der Kurfürstin. 14. Nicht gut geschlafen. Trauervoller Jahres ­ und Erinnerungstag eines großen, schmerzt. Verlusts! Ausgefahren. Vortrag von den Cabinetsräthen. Al ­ lein gespeiset. Besuch von meinem Sohn. Abends allein. Die Abende verbrachte der Kurfürst, der früh zu Bett ging, meist allein, wobei er sich vorlesen ließ, da sein Augenlicht in der letzten Zeit stark ab ­ genommen hatte. Mit lebhaftestem Interesse ver ­ folgte er die Tagesereignisse nach den auswärtigen Zeitungen, besonders die Nachrichten von den revo ­ lutionären Bewegungen in Spanien und Neapel, die ihn sehr aufregten. An den Sonntagen, an denen ihm der Kirchenbesuch unmöglich war, ließ er sich eine Predigt vorlesen. Am 21. Januar war er zum letzten Male in der Garnisonskirche. 21. . . . Abends gab ich großen Bai int Schloß Bellevue, wo sämtl. Herrschaften, auch die Herzogt. Cambridgeschen zugegen, u. sonst 230 Personen ein ­ geladen waren. Ich tanzte 3 Polonaisen, reterirte mich aber nach 8 Uhr. Sein Befinden war in diesen Tagen wieder aus- -gezeichnet. Er schlief gut, arbeitete fleißig, war oft auf Wilhelmshöhe und auf der Löwenburg; sah fast täglich seine Verwandten bei sich, nahm an den Hofgesellschaften teil und besuchte am 2. Februar auch noch einen Ball von 200 Personen, den die Gräfin Hessenstein,- die Gefährtin seiner letzten Jahrzehnte, gab. Er fing .auch wieder an, seine Tage ­ bucheintragungen eigenhändig, wenn auch mit zitte ­ riger Schrift, zu machen. Rheumatische Schmerzen, die ihn anfangs des Monats plagten, gingen bald wieder vorüber, und er benutzte das ungewöhnlich heitere und schöne Wetter dieser Tage zu fleißigen Spazierfahrten und Ausflügen. Am 9. war er zum letzten Male aus der Parade und freute sich, daß sein Enkel Prinz Friedrich (der letzte Kurfürst) „gut commandirte". Drei Tage später meldeten sich die ersten Vorboten eines neuen Podagraansalles. . 12. Febr. Ziemlich geschlafen. Einige leidende Empfindung im rechten Fuß, die sich aber doch heute noch stillste. Er kümmerte sich aber wenig darum und fuhr in seiner gewohnten Lebensweise fort. Die Tage ­ bucheintragungen der letzten Tage lauten: 18. Febr. Nach ZWeern gefahren. Mittags Kur ­ prinzeß, Kurprinz ete. mein Bruder, seine Söhne, fremde Ministers zur Tafel. Abends wie sonst. 19. Ausgefahren. Lab. Session. Kammerspeiße. Gar nichts neues. ''Abends wie gewöhnt. Morgens 6 Uhr Umsetzung der irdischen Reste meiner seel. Gemahlin aus der ersten Begräbnißstätte in das für sie neuerbaute Mausoleum. 20. Ausgefahren. Mittagstafel 8 mit Minister und Suite. Morgens 12 Uhr Geh. Raths Sitzung bei mir. Abends allein. 21. Gut geschlafen, aber catharalisch. Zu Wlhs- höhe auf der Bibliothek. Vortrag von den Cabi ­ netsräthen. Kammerspeiße. Abends Visite von der Kurprzssin. 22. Noch etwas Catarrh aber doch besser. Aus- gefahren. Tafel von 20 6ouv. mit der Familie und zwar Landgraf Frdrehs. 23. Schmerzt. Empfindung im linken Fuß, nicht ausgefahren aber doch Geh. Raths Sitzung bei mir gehalten. Kammerspeiße. Abends wie sonst. Sonnabend [24.]. Eine schlimme Nacht, fast gar kein Schlaf, der Schmerz im Fuß nahm immer zu u. raubte alle Ruhe, ich brachte den ganzen Tag im Bette zu. Von hier an nicht mehr eigenhändig.