««KL 110 ««KL Nachtrag zu dem Aufsah: Der Hexenglaube in Hessen. IV. Hexenverfolgung. Bon Heinrich Franz. 1654 Hexenprozeß zu Rinteln (s. Mitt. des Ver. für Hess. Gesch. und Landeskunde 1885, XCIII). Im Sommer 1654 wurde eine „Bürgerin von Rinteln" der Hexerei angeklagt, durch Folterung zum Geständnis gezwungen und zum Tode ver ­ urteilt. (Über die Art ihrer Hinrichtung bietet der Bericht der „Mitteilungen" nichts, auch der Name der Angeklagten wird nicht genannt). 1654 Hexenprozeß in Rinteln (Vortrag von Metropolitan Braunhof auf dem Hess. Städtetag zu Rinteln, s. „Kasseler Allg. Ztg." 1904, Nr.213). !Am 3. Juli 1654 begann die Untersuchung gegen die Witwe des Daniel Hoormann. Schon von einer 1635, dann von zwei 1654 hingerich ­ teten Hexen als Genossin angegeben, wurde sie neuerdings von weiteren Zeugen der üblichen Fre ­ vel beschuldigt. Am 15. August entriß man ihr durch die Folter stückweise ihre „Schuld" sowie die Namen von Mitschuldigen. Am 25. August erfolgte das Schlußverhör und die Verurteilung. Ob die Verurteilte durch Feuer oder Schwert gerichtet oder etwa erst geköpft und dann ver ­ brannt wurde, geht aus meiner Quelle nicht her ­ vor. (Daß der Prozeß Hoormann nicht mit dem unmittelbar vorher erwähnten Rintelner Prozeß identisch ist, schließe ich daraus, daß hier der Hexentanz „auf dem Steinanger", dort „an der Katharinenklause auf dem Luhdener Berge" statt ­ findet). 1654 Hexenprozeß in Rinteln (s. Braunhof in „Kass. Allg. Ztg." 1904, Nr. 213, 214 und 216). IAn demselben Tage wie gegen die Hoormann begann ein Prozeß gegen die Ehefrau Marie Schrökel, geb. Biesenmeier, auch sie war von einer verbrannten Zauberin aus Angst oder Haß als Mitschuldige angegeben, dann des weiteren durch eidlich vernommene Zeugen belastet. Nach am 31. Juli erlittener Folterung und anschließendem halbstündigen Zureden des Stadtpsarrers bekannte sie sich zu einet ganzen Reihe von Hexenfreveln. Am 3. August widerrief sie zwar, kehrte aber schon am 5. zu ihrem Geständnis zurück und wurde in Anerkenntnis dessen am 25. August „zu schleuniger milder Hinrichtung begnadigt". 1655 Hexenprozeß in Rinteln (s. Braunhof in „Kass. Allg., Ztg." 1904, Nr. 213). Am 22. August 1655 wurde Johann Ernsting, gen. Cronenscheiter, als Zauberer angezeigt. Schon seine im Jahr vorher als Hexe verbrannte Frau hatte auf der Folter bekannt, ihr Mann.habe sich am Hexentanz beteiligt. (Da sie als Tanzplatz die „Katharinenklause an der Weser" bezeichnete, darf diese Frau Ernsting bzw. Cronenscheiter viel ­ leicht als die oben erwähnte 1654 gerichtete „Bür ­ gerin von Rinteln" angesprochen werden!) Auch eine andere gleichfalls 1654 verbrannte Hexe hatte unter der Folter Ernsting als Zauberer bezeichnet. Jetzt nun wurden gegen den Unglücklichen noch weitere z. T. 8—20 Jahre zurückliegende Dinge vorgebracht. Am 5. Mai verhaftet, bekannte er sich am 15. Mai auf der Folter zu den verschie ­ densten Schandtaten, nannte Mitschuldige und-bat um den Tod durchs Schwert. Er wurde dann ver ­ urteilt, doch geht aus dem hier mangelhaften Aktenmaterial nicht hervor, ob er den erbetenen Schwerttod erlangte. 1657 Hexenprozeß in Eschwege (s. „Mitt. des Vereins f. Hess. Gesch. u. Landesk." 1884, LX). Auf eine am 14. April 1657 bei Landgraf Her ­ mann von Rotenburg erfolgte Anzeige hin wurde die Ehefrau des Eschweger Bürgers Jakob Holz- npfel wegen Hexerei belangt. Mehrmals scharf gefoltert, bekannte sie sich zu ihren „Freveln" Da sie außerdem angab, das Hexen von ihrer Mutter erlernt zu haben, wurde auch diese gefol ­ tert, selbstredend mit dem Ergebnis, paß die arme Alte gestand, ihre Tochter schon als Schulmädchen in die schwarze Kunst eingeführt zu haben. Die Juristenfakultät zu Gießen erkannte nach Prüfung der eingereichten Akten für beide Angeklagte auf Tod durch Feuer. Am 30. Oktober 1657 erfolgte zu Eschwege ihre Hinrichtung, und zwar wurde Frau Holzapfel stranguliert, ihre Mutter geköpft, dann beide Leichen verbrannt. 1659 Hexenverbrennung bei der Arensburg (s. Braunhof in „Kass. Allg. Ztg." 1904, Nr. 209). Am 11. November 1659 wurden laut einer Notiz im Oberkirchener Kirchenbuch 20 Hexen aus dem kleinen Obernkirchen bei der Arensburg nahe Rinteln verbrannt. B. bemerkt dabei, in der zwei ­ ten Hälfte des 16 (oder 17 ?) Jahrhunderts sei das Abtun der Hexen in Rinteln dermaßen eifrig betrieben worden, daß sogar Beschwerden über die Holzfuhren zum Hexenverbrennen eingereicht wor ­ den seien. 1668/69 Hexenprozeß in Rinteln (s. Braunhof in „Kass. Allg. Ztg." 1904, Nr. 216).