H.A\6 Vff R-KASJCL Hessisches Heimaisblatt Zeitschrift sür hessische Geschichte, Volks- und Heimatkunde. Literatur und Kunst Nr. 19. 30. Jahrgang. Erstes Gktober-Hefi 1916. Malwida v. Meysenbug. Geboren am 28. Oktober 1816. Ein Gedenkblatt von M. P l o ch - Darmstadt. Malwida v. Meysenbug, der am 28. Oktober 1816 zu Kassel geborenen Tochter des kurfürstlich ­ hessischen Kabinettsrats und späteren Hausministers Georg Philipp Rivalier v. Meysenbug, warm wahrlich die Schicksale, die für sie im Zeitenschoße schlummerten, nicht an der Wiege gesungen worden. Die Erfahrungen, die sie nachmals als Vor ­ kämpferin für Ideale politischer und sozialer Art gemacht und deren freilich nur teilweise Erfüllung einer späteren Zeit vorbehalten blieb, hat sie der Nachwelt aufs dankenswerteste in ihrem Haupt ­ werke, dm „Memoiren einer Jdealistin", über ­ liefert. Seltsam genug mutet es uns an, aus ihnen zu erfahren, daß der Begriff Revolution, von der Schreiberin in reiferem Alter zum Ziel- und Angel ­ punkt ihres ganzen Daseins erhoben, sich zunächst gegen sie wenden und dm Abschluß ihrer sorglos heiteren Kindertage herbeiführm sollte. In den an völkischm Aufständen überreichen Jahren 1830 und 1831 hatte auch das kurhessische Volk, der Mai ­ tressenherrschast im Lande längst überdrüssig, sich erhoben und dieser gegmüber Partei für die recht ­ mäßige Gemahlin seines Fürsten genommen. Wil ­ helm II. hatte daraufhin ohne Besinnen zu Gunsten seines Sohnes auf dm Thron verzichtet, um dem bisher von ihm beherrschten Lande endgültig den Rücken zu wenden. Zugleich war aber auch sein verantwortlicher Ratgeber, Malwidas Vater, der Entrüstung des Volkes zum Opfer gefallen, obwohl er nach den Versicherungen der Tochter seine bis dahin leidlichen Beziehungen zu der fürstlichen Geliebten nur um des alleinigen Zweckes willen aufrecht erhalten hatte, mit ihrer Beihilfe den Landesherm in einem seinm Untertanen günstigen Sinne beeinflussen zu können. Nun sah auch er sich, nachdem es vor seiner Behausung mehrfach zu stürmischen Kundgebungen gekommen war, ver ­ anlaßt, mit den Seinm Stadt und Land bei Nacht und Nebel zu verlassen, und von da ab das unstete Reiseleben seines Fürsten, mit dem ihn auch eine warme Jugendfreundschaft verband, zu teilen. Daß seinen Kindern hierdurch ein folge ­ richtiger Unterricht versagt blieb, hat Malwida, deren hervorstechendste Eigenschaft unstillbarer Wissensdurst war, ihr ganzes Leben über bedauert. Um so eifriger zeigte sie sich in dm ersten Jahren, nachdem sich die Familie, mit Ausnahme des Vaters, das liebliche Detmold zu dauerndem Auf-