HeffenlanH H.A\8yffR-WAS38L Hessisches Heimatsblatt Zeitschrift für hessische Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst Nr. 5. 30. Jahrgang. Erstes März-Heft 1916. Hessenberge. Ihr stillen Berge meines Heimatgaues. Ihr Wächter glückbehütet trauter Täler, Drin Fleiß und Frommheit, von der Treu gesegnet, Ihr heilig Bündnis schlossen, nimmer hat Ehrfürchtiger das Auge euch erschaut Als in den Tagen, da das Kriegshorn rief In Gst und West Deutschland vor Schwert und Wage, Da glsich gebognem Stahl es aufgeschnellt. Die grimmen Hasser in den Grund zu schmettern. Ihr Zeitgenossen aller großen Stunden, Die über Deutschland schlugen, lauschtet stolz Dem Schritt der Heere wie dem Ruhmgerausche Der heil'gen Fahnen in dem Wind der Welten. Da wart ihr Trost dem freudelosen Lande Mit eurem Schutzwall, drauf der Friede wachte, Mit eurer stummen Predigt, die umwandelte Den großen Augenblick in Ewigkeit. Die ihr den grünen Schlummerort der Götter Dem Wanderer noch zeigt, als hätten gestern Die Hohen erst des Gpfers Duft genossen, — Ich weiß, ihr freut euch unseres Gpferlags. In unsre Tränen hör' ich euren Ruf: „Das Vaterland hat recht, euch zu verschwenden!" Ihr Kaiserkammern, drin die hehren Helden, Die nie uns starben, stille Schwertwacht hielten; Nun stehen wieder eure Tore offen. Erfüllte Tage treten aus dem Dunkel: Der Kaiser reitet. Mit dem Feuerstahl Schreibt er den deutschen Namen in die Welt. Und euer Gold, von Zwergen bang bewacht, Liegt offen da, erreichbar jeder Hand: Zu nehmen nicht, zu geben ist hier Wille. Und wo die Reih'n der Mannen klaffen, treten Raffet- Die Frauen an den Pflug zu bünd'ger Tat, Wie ihr's in Armins Tagen einst erschautet. Ihr stillen Hüter meines Heimatlandes, Ihr Wächter glückbehütet trauter Täler, Ich weih viel wackre Wanderfüße — ach — Die nie mehr eure stolzen Stiege steigen! Ich weiß viel frohe Jauchzer, die verhallten In fremder Erde, weiß viel helle Augen, Die euer grünes Glück nie mehr erquickt. Doch manches Streiters Blick, bevor er brach, Hing sich an eure Stirn mit letztem Gruß. Auf eurem Antlitz brennen Sterbeküsse, Die wäscht kein Wetter ab, ihr seid geweiht Und heiliger uns Lebenden geworden. In eure Hallen, drin die Gottheit weilt, Vom ew'gen Grün der Fichten froh gefeiert, Bau'n wir den Helden, die nicht wiederkamen Zur teuren Hessenheimat, Dankaltäre. — So ost der Frühling Freundesgrüße dann In eure Wölbung schreibt und seiner Laute Des Lebens schönsten Lustakkord entlockt, So oft Gebüsch und Bäume nach euch fragen, Wird die Gemeinde auf geschmückten Höh'n, An euch gedenkend, betend stille steh'n. Wenn eure Taten flüstert jedes Blatt, Die Fink wie Blume ihm gesungen hat. Wenn jeder Lufihauch euer Gpfcr preist, Umweht uns segnend Geist von eurem Geist. Ihr Friedebringer, Himmelsbrückenbauer, Gleich Bergen ragt ihr auf, gleich wald'ger Mauer, Die schirmend sich wie grüne Ewigkeit Hineingebaut ins Tal der deutschen Zeit. Wenn Glocken schweigen, Fackeln nicht mehr brennen, Die Berge werden eure Namen nennen. Heinrich Bertelmann.