9^6 26 NStL- Herzliche zu ihrem Geburtstage zu sagen; sie wird aber über ihre Nähterinnen und ein Stück ­ chen Grippe, das ihr zugefallen ist, heut nicht dazu kommen, und länger möchte ich einen ungeduldigen Bräutigam nicht warten lassen mit der Belehrung über seine Heimat. Noch Eins! Cübieres sind geschieden; wohin Bella gehen wird, weiß man noch nicht, Bischof ­ hausen soll bei der Nachricht erblaßt sein. Ich weiß nicht, wie empfänglich sein Herz für diese Bella-Donna ist. — Wie immer der Alte H. König. N. S. Bei meiner ehrlichen Gesinnung für Sie und Theilnahme an Ihrem Geschick darf ich es doch nicht sich von selbst verstehen lassen, daß ich und meine Frau Ihnen zu Ihrer doppelten Fixierung — der bürgerlichen und häuslichen, herzlichst Glück wünschen und uns zu der einen wie zur andern innig freuen. Könnten wir Ihnen, lieber Franz und Freund, aus unserer eignen Zu ­ friedenheit eine Aussteuer heraus schneiden und wie einen weichen warmen Teppich zwischen Tisch und Pult ausbreiten. — Sie sagen. Sie hätten es aufgegeben Zufriedenheit zu finden. Wahrlich! Sie sind eben auf dem Wege zu diesem Fund; indem Sie anfangen einzusehen, daß Ihre Un ­ zufriedenheit in Ihnen selbst, nicht am Wohnort und an den Nebenmenschen liegt. Lassen Sie, wie man es auf alten einfachen Bauernhäusern sieht, die Hauswurz Zufriedenheit zwischen den Ziegeln Ihres Daches unter Sonne und Regen ivachsen, und brechen Sie ein Blatt, so oft es Ihnen un ­ wohl werden will! Minchen Thomas heirathet den Landrath v. Sp** Der lose Vogel hat an manchen jungen Stamm gepickt: ob er jetzt auf einen grünen Zweig kömmt, weiß ich nicht. Thomas ist immer ein Namen, der an einen Zweifler erinnert mit Fingern, die Alles — begreifen wollen! H. K. Bezeichnend für Koenig sind in diesem Briefe die eingeflochtenen Mitteilungen aus der Stadt ­ chronik; die Freude am Wortwitz verleitet ihn, selbst gegen eine von ihm hochverehrte Familie wie die des Marquis de Cübieres sich kleiner Bos ­ heiten nicht zu enthalten. Das Pultsche Lokal ist dasselbe, in dem am 21. 2. 1840 Dingelstedts verunglückter erster dramatischer Versuch „Das Ge ­ spenst der Ehre" zur Aufführung gelangte. Der neue Roman, dessen Sendung Koenig ankündigt, führt die Aufschrift „Eine Fahrt nach Ostende" (Ein Stillleben II, 250). Frei von allen Mißklängen ist der dritte Brief Koenigs, den Dingelstedt laut seiner eigenhändigen Bemerkung am 15. 6 . 1855 dankend beantwortete; er lautet: Hanau im Mai 1855. Sie erhalten hierbei, mein verehrter Freund, vorbehaltlich zweier nachfolgenden Bände, den ersten meines neuen Romans mit herzlichem Gruß. Ich bilde mir ein. Sie hätten ein dreifaches Interesse bei diesem neuen Versuche. Einmal inter- essirt Sie derStoff, mit dem Sie sich iu früheren kurhessischen Jahren beschäftigt haben, und können sehen, wieviel weniger ich vielleicht, als Sie, davon weiß. Zlveitens interessirt Sie die Fassung im Vergleich mit der Idee die Sie damals für Ihre Arbeit genommen hatten. Aus der Probe die Oetker in 1848 von dem Anfang Ihrer Arbeit gegeben, erinnere ich mich, daß Sie schon die Genesis Ihres Projects anders genommen hatten. Und drittens nehmen. Sie gewiß noch an dem Autor, dem alten Fuldaer Mitgenossen stiller Stunden, soviel Antheil, um zu sehen, was er in seiner Einsiedelei treibt und zu Stande bringt. Vielleicht spielt ihm die Abstinenz von allem flotten 'Leben wozu ihn die Rücksichten auf sein körper ­ liches Befinden verurtheilen, den Possen, sich auch in seinem poetischen Schaffen zu verrathen. Sie haben, seit wir uns in München gesehen, glänzende, rühmliche Tage gelebt. Ihrem öffent ­ lichen Erscheinen bin ich aus der Ferne mit Freuden gefolgt und hoffe, daß Sie sich an jedem Abend und Morgen gleich beglückt in ihrem häuslichen Kreise empfunden haben. Ihre Jugend wächst wohl fröhlich heran, und hat sich seit Caustadt, wo wir sie zuerst und zuletzt gesehen, rechtschaffen gestreckt. Der Vater flügelmannt ihnen ja prächtig vor. Käme ich dazu, nächsten Sommer, wie mein Arzt wünscht, noch einmal Gastein zu besuchen: so würde es mich glücklich machen, etwas von meinen Ver ­ muthungen in blühender Bestätigung zu finden. Seien Sie für diesmal auf's herzlichste gegrüßt, und bringen mich Ihrer verehrten Dame in freund ­ liche Erinnerung! Meine Wohlwollenden in Mün ­ chen kennen Sie. Ich rechne besonders auch Geibel, Carriere und sogar den hochverehrten Scheide- künstler dazu, der so viel Treffliche und Treff ­ liches vereinigt. Meine allerbesten Grüße an alle. Und zum Schluß will meine Frau, die Ihnen noch von Fulda her gut und für das Gedicht beim Tod ihres Knaben unendlich dankbar ist, noch in Ihr altes Wohlwollen zurückgerufen sein. Mit alter treuer Gesinnung H. Koenig. Zur Erklärung des Inhaltes sei folgendes be ­ merkt: Dingelstedt trug sich, wie uns Rodenberg in den „Heimatherinnerungen an Franz Dingel ­ stedt und Friedrich Oetker", Seite 137, erzählt, bis an sein Lebensende mit derp Plane eines in der westfälischen Zeit spielenden Hessen-Romanes,