Das hessische Kriegergrabmal. Von Ernst Zöllner, Kassel. Unter den Pflichten, die der Krieg uns auferlegt, ist es diese, die die deutsche Volksseele an: tiefsten berührt: die Grabstätten unserer toten Kämpfer in einer der großen Zeit würdigen, schlichten und echten Weise zu zieren. Für unseren Heimatbczirk hat in dieser Frage die Kasseler Gewcrbehalle nach klar erkannten Gesichtspunkten die Führung über ­ nommen. Ende Oktober v. Js. stellte sie den Künstlern der Provinz Hessen- Nassau und des Fürstentums Waldeck - Pyrmont in einem Preisausschreiben die Aufgabe, für die Grabstätten derjenigen Mitkämpfer im Weltkriege, die ihren Verletzungen in unserer Heimat erliegen und hier be ­ erdigt lverden, ein Ehrenmal zu schaffen, das g l e i ch s e i n soll für alle. Für die Aus ­ führung wurde die Wahl zwischen einheimischem Stein und Gußeisen freigestellt. Um dem Denkzeichen die allgemeine Einführung zu sichern, wurden seine Herstellungskosten so nie ­ drig wie möglich bemessen; die beteiligten Künstler hatten sich damit abzufinden, daß der Verkaufspreis sechzig Mark — ohne die Aufstellungskosten — nicht überschreiten dürfe. Als Ergebnis des Wett ­ bewerbs konnten jetzt im Hes ­ sischen Landesmuscum 87 Mo ­ delle ausgestellt werden. Etwa dreiviertel der Einlieferungen mußten wohl für oie Preis ­ richter sofort nach dem ersten Rundgang ausscheiden, Es wäre unerfreulich, von diesen Dingen eingehender zu reden; die verlogene romantisch-sentimentale Phrase war ebenso ver ­ treten wie jene Geschmack- und Gesinnungslosigkeit, die fortfährt, unsere Augen mit dem berüchtigten Hurra-Kitsch zu beleidigen. Davon abgesehen aber muß das Ergebnis der Ausschreibung als ein gutes bezeichnet werden: es will doch viel be ­ deuten, wenn von 87 Entwürfen immerhin ein Viertel Eigenschaften zeigt, an denen man nicht vorübergehen kann. Unter mehreren Arbeiten, die hinsichtlich ihres künstlerischen Wertes sehr nahe beieinander stehen, wählte das Preisgericht im Sinne des Ausschreibens zur alleinigen Ausfüh ­ rung d e» Entwurf, der unzweifelhaft die meiste Aussicht hat, sich auch wirklich als Typus des hessischen Kriegergrabmals durchzusetzen. Dieser erste Preis, ein Werk der hiesigen Bildhauerin Minnie Schulz, einer früheren Schülerin der Kasseler Kunstgewerbeschule, ist, wie unsere Ab ­ bildung zeigt, eine schlanke Stele aus hellem Stein mit leichter Anschwellung des oberen Randes und mit dünner Deckplatte, auf der eine sehr reich und fein durchge ­ bildete schwarze eiserne Krone ruht. Der besondere Vorzug der Schulzschcn Arbeit ist die Bereinigung einer guten Form mit einem in seiner Symbolik echt volkstümlichen Schmuck. Etivas Stolzes und Tröst ­ liches zugleich liegt ja im Sinnbild der Krone; unge ­ sucht ergibt sich ihre Deutung als Krone des Siegs, als Krone des Lebens. Und es kann wohl erlvartet werden, daß mit diesem Denkstein in seiner oftmaligen Wieder ­ holung auf unseren Friedhöfen wahre Ehrenstraßen für die toten Kämpfer entstehen wer ­ den. Denn aus der Reihung gleicher Elemente — man braucht nur an die wiedcr- holten Architekturteile monu ­ mentaler Fassaden oder an die Pfeiler- und Säulenreihen unserer Tome zu denken — können stärkste künstlerische. Wirkungen erwachsen. Stein neben Stein — und alle von dieser gleichen Gestalt, das muß einen großen und ergreifenden Eindruck Hervorrufen. Die Gemein ­ schaft über den Tod hinaus, das ewige Verbundeu- sein derer, die für das gleiche hohe Ziel ihr Leben dahingaben, kann kaun: inniger zu Bewußtsein ge ­ bracht werden. Im Gegensatz zn dem an erster Stelle ausgezeichneten Werk, bei dem die Ver ­ wendung eines symbolischen Zeichens Ivescntlich mitspricht, sucht der mit dem zweiten Preise be ­ dachte Entwurf des Bildhauers Hans Sautter, Lehrers der Kasseler Kunstgewerbeschule, lediglich durch die Formengebung zu wirken. Ein Pfeiler von mäßiger Höhe und fein empfundenen Verhält ­ nissen ist oben ringsum in wenigen schmalen Käuten Entwurf von Minnie Schulz.