301 Heinrich Giebel. Am 1. November feiert unser bekannter hessischer Künstler .Heinrich Giebel seinen 50. Geburtstag. Wie er persönlich ein echter Hesse vom Scheitel bis zur Sohle ist, so wurzelt auch seine Kunst durchaus im Heimatboden und Heimatvolk. Die Aus ­ stellung, die er vor wenigen Monaten gemeinsam mit seinem Willingshäuser Freunde und Kunstgenossen Her ­ mann Kätelhön in Kassel veranstaltete, hat uns Gelegen ­ heit gegeben, uns davon zu überzeugen. Heinrich Giebel ist am 1. November 1865 in Kassel geboren. Er studierte an der dortigen Akademie unter Kolitz, Knack ­ fuß und Wünnenberg. Bon 1808 ab lebte er behufs weiterer Ausbildung in München, seit 1904 ist er in Marburg tätig, schaffend und lehrend. Im Nebenamt macht er sich als Konservator der Sammlung des Mar- burger Geschichtsvereins höchst verdient und seit einigen Jahren wirkt er auch als Lehrer für Zeichnen und Malen an der Universität. — Bon seinen Bildern, in denen er unser Hessenland — Landschaft wie Menschen — so gemütvoll darstellt, haben mehrere Galerien, z. B. Essen, Kassel bereits Stücke erworben. Besonders hervor ­ zuheben ist, daß sich Giebel auch als Porträtmaler großer Wertschätzung erfreut. — Möge es dem tüchtigen Künst ­ ler und biederen Landsmann, auf den unser Heimatland mit Recht stolz ist, noch lange Jahre vergönnt sein, in frischer Kraft zu wirken und zu schaffen! Todesfälle. Am. 3. Oktober starb zu Eschwege an den Folgen eines Schlaganfalls im 60. Lebensjahre der in weiteren Kreisen bekannte und geschätzte Leder ­ fabrikant und Stadtrat Rudolf Döhle. Lange Jahre Mitinhaber der Firma Carl Döhle, gründete er vor Jahren eine eigene Lederfabrik. Durch das Vertrauen seiner Mitbürger wurde er in die Stadtverordneten ­ versammlung und später in den Magistrat, dem er jetzt noch angehörte, gewählt. Seine reiche Erfahrung und seine große Arbeitskraft stellte er nicht allein in den Dienst der Stadtverwaltung, sondern auch für die Ge ­ schichte der Stadt Eschwege und des Hessenlandes hatte er das lebhafteste Interesse. Um die Errichtung und die Erweiterung des hiesigen Heimatmuseums machte er sich sehr verdient. Auf den Jahresversammlungen des „Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde" war er eine gern gesehene und wohlbekannte Persönlich ­ keit. Für alle gemeinnützigen Bestrebungen hatte er stets eine offene Hand. Sein früher Tod wird darum in der ganzen Bürgerschaft aufs lebhafteste bedauert. B i e r w i r t h. Am 12. Oktober verschied zu Kassel der Großkaufmann Wilhelm Schoppach im Alter von. 67 Jahren. Er gehörte den städtischen Körperschaften seit 1889 an und ivar seit 11 Jahren Mitglied des Magistrats. Für das Wohl der Stadt hat er seine beste Kraft eingesetzt und sich namentlich als langjähriges Mitglied der Ver ­ waltungskommission der städtischen Schulen dauernde Verdienste erworben. Friedrich Wilhelm Strieder. Vor hundert Jahren, am 13. Ocktober 1815, starb in Kassel der Bibliothekar Friedrich Wilhelm Strieder. 1739 als Sohn eines Buchhändlers zu R i n t e l ge ­ boren, schlug er erst die militärische Laufbahn ein, nahm aber 1765 seinen Abschied und erhielt die Stelle eines Registrators an der Bibliothek in Kassel; 1786 wurde er zum Rat und ersten Bibliothekar ernannt, 1788 zum Hofrat und Hofbibliothekar und 1790 zum Geh. Kabinetts-Archivar, als er diese Institute auf dem Schlosse Weißenstein (seit 1798 Wilhelmshöhe genannt) einrichtete. Die Entlassung aus seinen Ämtern erhielt er 1808. Sein Hauptwerk ist die „Grundlage zu einer Hessischen Gelehrten- und Schriftsteller-Geschichte" von der Reformationszeit bis 1806; 1776 redigierte er die „Casselsche Staats- und Gelehrten-Zeitung", 1766 bis 1788 die „Casselsche Polizei- und Kommerzien-Zeitnng" und seit 1783 den „Staats- und Adreßkalender". <Kass. Tagebl) Aus' Gießen. In schlichter, ernster Weise feierte die Stadt Gießen ihre 650 jährige Zugehörigkeit zu Hessen durch eine besondere Festsitzung der Stadtverord ­ neten im Stadtverordneten-Sitzungssaal. Im Mittel ­ punkte des Festaktes stand nach einer kurzen Ansprache des Oberbürgermeisters ein Vortrag des Stadtarchivars Dr. Ebel über: „Die Erwerbung Gießens durch Land ­ graf Heinrich I. von Hessen". Den Tag, da Gießen hessisch wurde, kann die Chronik mit Sicherheit nicht mehr feststellen; er hat zwischen dem August 1264 und dem September 1265 gelegen. Das erstemal wird Gießen als hessische Stadt am 29. Sept. 1265 erwähnt. Was der Stadtverordnetensitzung das bedeutsame Gepräge gab, war ein außerordentlich herzlicher Telegrammwcchsel zwischen dem Oberbürgermeister, dem Großherzog, dem Staats ­ minister, dem Minister des Innern und dem Ehrenbürger der Stadt Gießen Exzellenz Dr. Gnauth, vor allem aber die Verleihung einer Ehrenkette an den Oberbürgermeister der Stadt durch den Großherzog. Gießen ist die erste hessische Stadt, der diese Ehrung zuteil Ivird. Aus Hersfeld. Infolge des Kriegszustandes wurde auch in diesem Jahre das Lullusfest nicht ge ­ feiert. Nur das Lullusfeuer wurde in üblicher Weise angezündet. Aus Kassel. Professor E b e r l e i n hat der Stadt Kassel eine Büste ihres Ehrenbürgers, des General ­ obersten von Heeringen, zum Geschenk gemacht. Von der Aschrottschen Nachlaßverwaltung sind der Stadt Kassel acht Gemälde hessischer Meister und zwar 5 Bilder von Nahl, 2 von Katzenstein und 1 von Müller-Kassel überwiesen worden. Die städtischen Körperschaften haben beide Schenkungen mit Dank angenommen. Aus Spangenberg. Der 69 Jahre alte Land ­ wirt Albert Schonert ist als Freiwilliger des 11. Feldartillcrieregiments, in dessen Reihen er schon bei Sedan gekämpft hatte, mit ins Feld gezogen. An der Seite seiner Söhne hat er alle Strapazen seither mit großer Ausdauer ertragen und sich in mehreren Ge ­ fechten ausgezeichnet. (31. d Kaff. Stadia»;) Aus Marburg. Am Frauenberg wurden eine Wohnstätte und Gräber aus der Hallstatt-Zeit bloß- stelegt. (N. b Kap. Tagebl.) Griechische Einakter. Am Düsseldorfer Schau ­ spielhaus wurden zwei der von unserm hessischen Lands ­ mann Ghmnasialdirektor Professor Dr. Gustav E s k u ch e zu Stettin übersetzten griechischen Einakter, die „Spür ­ hunde" des Sophokles und „Die lustigen Weiber von Ephesos" des Plautus, aufgeführt und fanden sehr freundliche Aufnahme. Ein Erlaß des preußischen Kultus- ministers über den Unterricht in der Ge ­ schichte auf den höheren L e h r a n st a l t e n. Der Sommer des zweiten Kriegsjahres hat eine be ­ merkenswerte Verfügung der obersten Schulbehörde in