140 kann aus einer Kurzform Ecko, Ecke (zu Voll ­ namen wie Ekkehard, Eckhard) entstanden sein mit doppelter Verkleinerungsform -120 und -icho: Ecko -f- izicho > Ekkizicho oder Eggizicho zu Eizicho. Dann würde Hauptschwenda die Ro ­ dung eines Ekkehart oder Eckebert auf einem ehemaligen Weidefeld bedeuten. Dieser Name ist besonders in seiner Kurzform Ecks und Eksä noch heute in der Schwalmgegend gebräuchlich. Neben dieser Namensform, die sich nur im 14. Jahrhundert nachweisen läßt, finden sich vom 15. Jahrhundert ab urkundliche Belege, die an ­ scheinend keine Berührungspunkte mit dem eben angeführten aufzuweisen haben. Es liegt also die Vermutung nahe, daß dieser Name später wieder aufgegeben und durch andere ersetzt wurde: Heidt- schwenge, Hettschwenda, Heintzsch wende, Heisch wedt, Heiweswenge, Hauptschwende, endlich noch Hengswende bzw. Hengeschwenge und Hietz- bzw. Hirtz-Schwenda. Die beiden letztgenannten Namensformen zeigen eine innere Verwandtschaft. Es scheint in ihnen der volkstümliche Name für „Ziege": Hietze 58 ), Hietz 59 ), Hetz 59 ), nassauisch Hetzet 60 ) eingedeutet zu sein, der oben bereits erwähnt worden ist. Zur Umdeutung Hirtz Schwenda aus Hietzschwenda vgl. die Flurnamen Hirtsgraben, Hirtsrain u. ä. Zum Übergang von tz bzw. ts zu tsch vgl. hessisch Hitschgrund, thür Hetschburg u. ä. Es kann Hettschwenda aus älterem Hetz-winde entstanden sein, während Hettschwenda unter volkstümlicher Anlehnung an dial. häd — „Haupt" zu Haupt ­ schwende wurde. Heidtschwenge (wende > wenge wie Wendeberg > Wengeberg, Winde ­ rode > Wingerode und Wincherode) ist auch eine mundartlich gefärbte Bildung (vgl. dial. heid „Haupt" neben häd), woraus mit totaler As ­ similation Heischwedt und infolge von regressiver Dissimilation Heiweswenge 61 * * * * ) werden konnte, während Heintzschwende eine pseudopersonale Nebenform. vielleicht unter Anlehnung an den Personennamen Heintz (Heinrich) darstellt. So weift dieser Ortsname eine interessante Mischung von volkstümlicher und amtlicher Umdeutung (Hauptschwenda) auf. Aus Eizichiswinden hat sich infolge der veränderten Kultur des Bodens allmählich der Begriff „Hauptrodung, große Ro ­ dung" entwickelt. 68 ) Vilmar-Pfister, Nachtr. S. 104 59 ) Vilmar. Idiot. S. 171. 8 °) Vilmar-Pfister S. 104, Kehrein a. a O. S. 450. *') Wie mir von einem früheren Lehrer des Dorfes mitgeteilt wird, weist die Volksauffassung auf heiw (Heu) hin. Heiweswenge bedeutet nach dem volkstümlichen Be ­ griff s. v a. den Ort. wo das Heu umgewendet wird. Ungeklärt bleibt noch die Frage, warum der Ort mehrere Namen besessen haben soll. Dieser Fall steht zwar nicht vereinzelt in der Geschichte der Ortsnamenkunde da, wte z. B. Dörnhagen bei Kassel im 15. Jahrhundert Gravenwerners- hagen oder wie z. B. die französische Kolonie Luisendorf früher Hammonshausen hieß, aber immerhin sind solche Fälle selten und müssen auf ­ fallen. Es hat daher auf den ersten Blick der Lösungsversuch Kellners 69 ) etwas Bestechendes für sich, der Eizicheswynden für Siegwinden hält und den Beleg Landaus „Hessengau" S. 132 aus dem Jahre 1223: capella in Eizicheswynden parochie nostre in Owilahe (Kuchenbecker, An. hass. IX p. 153) dahin auslegt, daß er unter parochie nostre das Stift Fulda versteht und Owilah für Niederaula, nicht für Oberaula hält, weil Siegwinden der Lage nach (!) zu Niederaula gehöre, „während es dem Amt Eiterfeld noch heute zugeteilt ist und im besonderen zum Ort Hermannspiegel gehört." Die Beweisführung vermag jedoch leider nicht, zu überzeugen, ganz abgesehen von der sprachlichen Begründung, auf die Kellner nicht weiter eingeht. Denn, wenn auch die Tatsache richtig ist, daß Siegwinden nicht, wie Vilmar annimmt, zur ehemaligen freien Neichsritterschaft gehörte, sondern zum fuldischen Stistsgebiet, so gehörte anderer ­ seits, wie die Stiftskarten des Klosters Hersfeld und auch Hafner a a. O. S. 127 bezeugen, Nieder ­ aula nicht zum Stift Fulda, sondern nach Hers- seld. Ferner kann mit Owilah nur Oberaula gemeint sein. In der Nähe von Hauptschwenda befand sich z. B. eine Kapelle zu 8 t. Annen, die öfters in Urkunden erwähnt wird, so in einer Originalurkunde des Klosters Kappel von 1223: ,die kapelle in Eizicheswinden ist in der ter- minei der fuldischen pfarrei in Owilahe erbaut worden 4 , wo mit Owilah nur Oberaula gemeint sein kann. Und weiter heißt es in einer Urkunde vom 26. Mai 1419 (Ziegenhainer Re ­ pertorium), daß die Wüstung Heintz Schwende zum Gericht Oberaula gehört, und in einem Weistum von 1647 wird ,Heiweswenge im Gericht Oberaula 4 gleichfalls als Wüstung aufgeführt (Kopp, Ger.-Verf. I, Beilage. Nr. 73). Was die sprachliche Seite Eizicheswinden — Siegwinden angeht, so kann zwar durch Aphärese aus Eizicheswinden Zicheswinden werden. Ob Zicheswinden zu Sieg(es)winden werden konnte, ist zwar nicht als unmöglich (vgl. Zikkenwinden — Siegwinden), aber immerhin als wenig wahr ­ scheinlich anzusehen. ") Etymologische Spaziergänge durch Hessen. Zisch f. Hess. Gesch 12, S. 73 ff