voll Unruhe auf ihrem Lager zu Battenberg. Und umgekehrt, bei ihrer Heimkehr erzählt ihr die Pflegerin ihres Kindes, ohne dazu aufgefordert zu sein, sofort und als erstes, daß sie in der be ­ wußten Nacht aufgewacht sei und vor der Wiege ihre Schwägerin habe stehen sehen, daß diese den frommen Spruch „Das Blut Jesu Christi usw." über das Kind gesprochen habe, dann aber aus ihren erschreckten Anruf hin verschwunden fei. 6 7 ) 3. An die Stelle der selbstwilligen zeitweiligen Befreiung der Seele von der Fessel des Leibes kann — und damit entwickelt sich die Glaubens ­ anschauung wieder uni einen Schritt weiter — auch der ein gleiches bewirkende übermächtige Wille eines Zweiten treten. Dieser weiter entwickelten Anschauung begegnen wir in zwei hessischen Sagen. Die eine?) läßt einen in Lothringen stationierten Jäger auf Zitation eines Kanzlei- Direktors vor seinem Herrn, dem regierenden Grafen, in Erbach erscheinen und in der anderen, im sächsischen Niederhessen (Niedermeiser an der Warme) lokalisierten Sage 8 ) wird ein in Kassel garnisonierender Soldat durch seine Braut zum Erscheinen genötigt. In beiden Fällen wird aus ­ drücklich betont, daß der Zitierte von seinem Auf ­ treten nichts weiß. Die Odenwälder Sage im besonderen bleibt dabei ganz im Rahmen der alt- germanischen Anschauung, denn der Jäger, später von seinem Herrn, dem Grafen, gelegentlich be ­ fragt, habe ausgesagt, er sei, seitdem er den gnädigen Herrn zuletzt gesehen, stets sehr wohl gewesen. Nur an einem bestimmten Tage und zu einer bestimmten Stunde — es war, wie der Graf feststellen mußte, genau Tag und Stunde der Zitation — sei er von einer ihm unerklärlichen und so übermächtigen Schlafsucht befallen worden, daß er im Walde eine Stunde in todähnlichem Schlaf unter einem Baum gelegen habe. Da nun — so fügt der naive Berichterstatter des Auf ­ 6 ) Zwei weitere Belege s. bei Philipp Hofsmeister, Hess. Volksdichtung in Sagen usw. S. 155 Nr. 26 und S. 167 Nr. 48. (Wilhelmshöhe bzw. Krumbach; Wald ­ kappel bzw. Kirchhosbach.) 7 ) Wolf Nr. 122. 8 ) Hess. Landes- u. Volkskunde II., 535 zeichners der Sage hinzu — die Anwesenheit bei dem Grafen nur zehn Minuten gedauert habe, so könne man sich hiernach leicht ausrechnen, wieviel Zeit ein zitierter Geist brauche, um einen Weg von zweihundert Stunden zweimal zurückzulegen. 4. Wenn ich zum Schluß itod) einmal auf die er ­ wähnte Thüringer sowie die HersfeMr Sage zurück ­ komme, so liegt der Grund darin, daß beide uns einen Ausblick auf neue Vorstellungs ­ reihen des germanisch-hessischen Volksglaubens eröffnen. Der Thüringer Sage, sie kommt logisch zunächst in Frage, ist eine höchst bedeutsame Be ­ merkung angefügt: „Im übrigen war auf dem ­ selben Hof ein Knecht Vorhermals oft von der Trud gedrückt worden und konnte keinen Frieden haben, dies hörte mit dem Tod der Magd auf." Schon die unwillkürlich austretende Traumseele also — um eine solche handelt es sich in der be- regten Thüringer Sage — wird beargwöhnt, daß sie Neigung habe, die Rolle des Druckgeistes — Alb, Mar, Trud oder wie das Nachtgespenst sonst ge ­ nannt werden mag — zu spielen. Weiter als die thüringische geht, wie wir fanden, die hessisch- hersfeldische Sage. Sie redet von willkürlichem Seelenaustritt, ja noch mehr: sie läßt die beiden in Frage kommenden Mägde ausdrücklich die Ab ­ sicht aussprechen, den Druckgeist spielen zu wollen. Wenn wir somit in dem Glauben an den unwill ­ kürlichen und willkürlichen Austritt der Seele die Wurzel des Albglaubens erkennen, so fügen wir alsbald hinzu, daß aus derselben Grundvorstellung auch noch zwei andere Nacht- und Grauengestalten des germanisch-hessischen Volksglaubens, die Hexe und der Werwolf, hervorgegangen sind. Alb-, Hexen- und Werwolfglaube aber bilden, wie der Kundige weiß, ein so weitschichtiges Gebiet, daß sie, selbst wenn wir uns der denkbar größten Kürze befleißigen wollten, hier nicht mehr behandelt, sondern nur in bezug auf ihre Wurzelung fest ­ gelegt werden können?) 9 ) Sollte einer bet Leser in der Lage sein, das vor ­ stehend Mitgeteilte durch neue hessische Belege zu er ­ weitern, so bitte ich freundlichst um Mitteilung (Kassel-W., Geysostraße 18, I.). Ein Juldaer Konflikt Dingelstedts. Mitgeteilt von Professor vr. WernerDeetjen. Seit längerer Zeit mit Studien und Forschungen über den jungen Dingelstedt beschäftigt, fand ich ein längeres Schreiben von der Hand des Dichters, das uns über eilten aus seinem Beruf als Gym ­ nasiallehrer einerseits und seiner Beteiligung an einer Liebhaberaufführung andererseits entstandenen Konflikt Kunde gibt und die Leser dieser Zeitschrift, besonders die Bewohner von Fulda, interessieren