126 bibliothekar an der Universitätsbibliothek Dr. Mr. S u ch i e r wurde als Bibliothekar an die Universitäts ­ bibliothek Halle und der Bibliothekar Or. R e i n h o l d von dort an die hiesige Universitätsbibliothek versetzt. P e r s o n a l ch r o n i k. Sein 50 jähriges Dienst- jubiläum beging am 19. April Lehrer R i e men ­ sch n e i d e r an der Kasseler Bürgerschule 2, ein Veteran von 1870/71. — Seinen 60. Geburtstag beging am 27. April der hervorragende Bildnis- und Landschafts ­ maler Hans Olde, der frühere langjährige Leiter der Kunstschule zu Weimar, der seit 1911 als Nach ­ folger von Louis Kolitz als Direktor der Kasseler Kunstakademie wirkt. Eine Kriegskomposition des Groß- herzogs von Hessen. In einem Konzert des Darmstädter Hoftheaters zum Besten der Kriegsfürsorge wurde auch eine neue Tonschövfung des Großherzogs von Hessen zum ersten Male aufgeführt, die unter dem Titel „Draußen" sechs Stimmungen (Heimweh, Kinder ­ geplauder, Sehnsucht, Frühlingsnebel, Morgenluft, Hoff ­ nung) wiedergibt, die die seelischen Eindrücke der ersten Kriegswochen widerspiegeln. E i n K a r l E n g e l h a r d - Z i m m e r ist seit kurzen: in der Kasseler Landesbibliothek eingerichtet, das die Bücher, Photographien, Bilder, den Schreibtisch und allerhand Kleinigkeiten aus dem Nachlaß des im Juni vorigen Jahres verstorbenen begabten hessischen Dichters enthält. Erinnerungszeichen. In Kassel soll dem ­ nächst die Nachahmung eines alten hessischen Zaiten- stockes errichtet werden, in den jeder, der einen Betrag für die Kriegsfürsorge beisteuert, einen eisernen Erinne ­ rungsnagel einschlagen darf. — In D a r m st a d t hat man zu gleichem Zweck ein Denkmal in Form eines Eisernen Kreuzes errichtet. Aus der Schwalm. Sämtliche Schwalmdörfer, aus denen Soldaten den Heldentod gefunden, haben die Vereinbarung getroffen, zu Ehren der Gefallenen Landes ­ trauer anzulegen. Auch solche, die zu den Verstorbenen keinerlei Beziehungen hatten, sollen ihre Trauer durch schwarze Tracht kundgeben. 300 Jahre sind am 1. Mai verslosse», seitdem auf dem Marställer Platz zu Kassel der Hofjunker Rudolf von Eckardsberg vor den Augen des von einem Fenster des gegenüberliegenden Schlosses zuschauenden Landgrafen hingerichtet wurde. Dieser hatte den Hof ­ marschall von Hertingshausen, der ihn unziemlicher Be ­ ziehungen zu der Landgräfin beschuldigt haben sollte, am selben Tage auf dem Marställer Platz mit seiner Büchse niedergeschossen. Moritz lehnte die von dem Mörder und dem ganzen Hofadel erbetene Strafe des Schwertes ab, und Eckardsberg wurde auf derselben Stelle, wo die Bluttat geschehen, dreimal auf der Folter gemartert, um zu bekennen; sodann wurde dem Ent ­ kleideten die rechte Hand abgehauen, der Leib auf ­ geschnitten und das Herz herausgerissen, worauf er gevierteilt und unter dem Galgen auf dem Forste ver ­ scharrt wurde — wohl das grausamste Urteil, das sich in der hessischen Justiz vollzogen hat und den Wahn ­ sinn der Mutter und Braut des Gerichteten zur Folge hatte. EL Marburger Burschenschaft Germania: Beim Heere sind bis jetzt eingetreten 251 Mitglieder. 52 erhielten das Eiserne Kreuz, 10 sind gefallen, 4 werden vermißt. — r. N a t u r d e n k m a l s ch u tz. Der Verein für Natur ­ denkmal- und Heimatschutz in Kurhessen hat, wenn auch seine Tätigkeit nach mancher Richtung stark beeinträchtigt worden ist, trotzdem im abgelaufenen Vereinsjahr manchen schönen Erfolg aufzuweisen. Durch Ankauf ztveier Gebiete im Kreise Frankenberg hat er vor allem Naturdenkmal- schutz betrieben. Eine größere Heidefläche mit Erica tetralix ist vor landwirtschaftlicher Ausnutzung, der Goßberg bei Frankenberg vor Zerstörung durch den Steinbruchbetrieb gesichert worden. Mehrfach hat der Verein kleineren Gemeinden bei Aufstellung von Denkmälern oder Neu ­ bauten mit Rat und Tat zur Seite stehen können. An der Erhaltung der Reste der Ruine Falkenstein bei Hoof hat er sich mit einem größeren Geldbeträge be ­ teiligt. Der Verein hat ferner drei Künstlerpostkarten herausgegeben, die den Goßberg, den Falkenstein und einen Neubau in Treysa darstellen. Die letztgenannte Karte veranschaulicht die Bestrebungen des Vereins, den Bau von Fachwerkhäusern zu fördern, wie sie uns z. B. in schöner Anpassung an die alte, heimatliche Bauweise auf dem Markte zu Spangenberg entgegentreten. Wer sich über das Arbeitsgebiet des Vereins näher unter ­ richten will, dem sei das Studium eines im Druck er ­ schienenen Vortrages: „Pflege des Heimatschutzes der Stadtverwaltungen" empfohlen, den Herr Professor 0r. Gaebel auf der Jahresversammlung des Hessisch-Wal- deckischen Städtetages zu Arolsen im vorigen Jahre gehalten hat. Der Vortrag beschäftigt sich zwar in erster Linie mit der Heimatpflege in städtischen Gemeinwesen, streift aber doch das ganze Gebiet des Natur- und Naturdenkmalschutzes. Hessische Bücherschau. Karl Esselborn, Darmstadt und sein Hof zur Zopfzeit in zeitgenössischen Schilderungen. 236 S. 8". Darmstadt (Hofbuchhandlung von H. L. Schlapp) 1915. Geb. 2 M. Vorstehendes Buch füllt eine empfindliche Lücke in der Geschichtsliteratur unseres engeren Vaterlandes in ver ­ dienstvoller Weise aus. Unsere Kenntnis des ausgehenden 18. Jahrhunderts wird bedeutend erweitert. Im ersten Abschnitt tritt das anmutige Bild des Hofes des L a n d- grafen Georg Wilhelm und des Erbprinzen Ludwig (Ludwig I.) uns entgegen. Es folgen inter ­ essante Briefe der unglücklichen Königin Maria Antoinette an die Erbprinzessin. Hieran schließt sich ein interessantes Erlebnis Fried r. Schillers während seines Aufenthaltes 1784 in Darmstadt, woher dessen Beziehungen zum Herzog Karl A u g u st datieren. Im vierten Abschnitt werden uns wertvolle kulturhistorische Mitteilungen aus der Feder des be ­ rühmten Pädagogen I. H. Campe geboten, der 1785 die Landgrafschaft bereiste. Hieran reiht sich eine