120 indien und Kanada tauchten seine Berichterstatter auf, ließen sich an Ort und Stelle nieder und schufen, wo die vorhandenen Beförderungsmittel, wie z. B. zwischen Peking und Kiachta, dem End ­ punkt der russischen Telegraphenlinien in Zentral ­ asien, den Ansprüchen der „R. T. 0." nicht genügten, eigene Kurierdienste. Und damit Hand in Hand gingen hundert andere Unternehmungen: Reklame- und Auskunftswesen, Annoncenannahme, Kommis ­ sion, Export, Kolonisation, Übersetzungsbureaus, Berlagsbuchhaudel und vor allem riesige Finanz ­ operationen, die das Vermögen des genialen Kasse- laners ins Rothschildhafte steigerten; der 1872 abgeschlossene Vertrag nüt dem Schah von Persien, der Reuter die wirtschaftliche Erschließung und Ausbeutung seines gesamten Reiches abtrat — Gerechtsame, die kürzlich an die ad hoc geschaffene Imperial Bank of Persia übergegangen sind —, j ist ein Schulbeispiel für die Großzügigkeit, mit,' der Reuter auch auf diesem Gebiet spekulierte. Die äußeren Ehrungen blieben unter diesen Umstünden nicht aus: Dutzende von nicht nur exotischen Orden schmückten seinen Frack. Und auch die Sehnsucht nach dem Titel, die dem bei aller Bedeutung peinlich eitlen Mann keine Ruhe ließ, wurde nach diskreten Vorverhandlungen zwischen London und Koburg von Ernst II. gestillt. Der geldbedürftige Schützenherzog fand sich bereit, den kleinen Israel Beer Josaphat ans Kassel am 7. September .1871 gleichzeitig in den Adels- und in den erblichen Freiherrnstand zu erheben und ließ ihm, um.ihm eine besondere Freude zu machen, ein Wappen ausfertigen, das in überaus sinniger Weise die Verdienste des Baronisierten für ewige Zeiten festhielt: es zeigte nämlich einen von vier elektrischen Blitzen umzuckten Erdball auf blauem Grunde, dessen Helmzier ein galoppierender De ­ peschenreiter mit Flaggenstange bildete, während das Wappenband die stolze Devise trug: Per mare per terras. Durch einen besonderen Zusatzerlaß der Königin Viktoria, die sich bereits in Koburg zu seinen Gunsten verwandt hatte, wurde ihm die Erlaubnis erteilt, den Freiherrntitel auch in Eng ­ land zu führen und die damit verbundenen Vor ­ rechte zu genießen. Und nun sah sich Reuter am Ziel seiner Wünsche. Er übergab die Leitung seines Hauses an seinen Sohn Herbert, baute sich ein prachtvolles Palais in der Nähe der Kensington Palace Gardens und verlebte die letzten Jahre seines buntbewegten, erfolggekrönten Lebens auf Reisen. Am 25. Februar 1899 ist er in Nizza verschieden. Unter Herbert von Reuter ist die Aktiengesell ­ schaft noch gewachsen; welche Rolle sie gegenwärtig im internationalen Zeitungsgetriebe spielt, das hat sich in diesen Tagen gewissenloser, beständiger Brunnenvergiftung mit unauslöschlicher Eindring ­ lichkeit in unser Gedächtnis hineingehämmert. — Der Tote vom 18. April war im Jahre 1852 ge ­ boren worden, 1876 hatte er sich mit Miß Edith Campbell vermählt. Aus seiner Ehe waren zwei Kinder hervorgegangen, eine Tochter und ein Sohn, der siebenunddreißigjährige Baron .Hubert Julius von Reuter, der nunmehr an die Spitze der R. T. C. tritt. In welchem Sinne er sie leiten wird, ist vorauszusehen: er wird die Überliefe ­ rungen seiner Renegatenfamilie fortsetzen und in edlem Wettstreit mit den Sir John Oppenheim, den Sir Francis Trippel für die bedenklich rampo ­ nierte Sache des Dreiverbandes eintreten. Uns kann das immerhin gleich sein. Lügen-Renters gehören zu den Leuten, die wir unsern Feinden von Herzen gönnen — und wäre es nur, um ihnen zu beweisen, daß selbst ihre Telegraphen ­ könige — macke in Germany sind! -4»«- Professor Dr. Heinrich Nöinheld f. Einen sehr schweren und unersetzlichen Verlust hat der Hessische Geschichtsverein, insbesondere der Eschweger Zweigverein durch den frühen Tod des Professors Dr. Römheld, Oberlehrers an der Eschweger Friedrich-Wilhelmsschule, erlitten. Er ist ein Opfer treuer Pflichterfüllung im Dienste des Vaterlandes geworden. Als Vizefeldwebel in dem Gefangenenlager zu Niederzwehren tätig, kam er fieberkrank auf Urlaub nach Hause. Da er typhus ­ verdächtig war, brachte man ihn ins Landkranken ­ haus. Leider entwickelte sich bald der gefürchtete Flecktyphus, und weder die Kunst des Arztes, noch die aufopfernde Pflege seiner treuen Gattin vermochten den Todesengel zu verscheuchen. Am 19. April starb er. Professor Dr. Römheld wurde 1875 in der alten Luilusstadt Hersfeld geboren; sein Vater, der Oberlehrer am dortigen Gymnasium war, starb schon, ehe der Knabe das Licht der Welt erblickte. Nach Beendigung seiner philologischen Studien in Marburg und Greifswald war er Mitglied des pädagogischen Seminars in Wiesbaden. Das Probe ­ jahr legte er am Gymnasium in Weilburg und am Progymnasium zu Hofgeismar ab. In Hof ­ geismar wirkte er auch als wissenschaftlicher Hilfs ­ lehrer. Am 1. Oktober 1903 kam er als Oberlehrer an die Friedrich-Wilhelmsschule in Eschwege, an der er eine segensreiche Tätigkeit entfaltete. Seine Schüler hingen an ihm mit großer Liebe und Ver ­ ehrung. Auch außerhalb der Schule ließ er sich