stand der andern, von ihren Bewohnern ver ­ lassenen Häuser sieht! Das ist ja überhaupt der Fehler der Franzosen gewesen, daß sie vor den Deutschen so weggelaufen sind. Überall sind die Häuser, in denen die Einwohner bleiben, in bester Ordnung und die Einquartierung verträgt sich brillant mit den Leuten. Am schlimmsten haben aber überall die eigenen (französischen) Sol ­ daten gehaust, das betonen alle Franzosen. Ihre Leute hätten nicht nur alles Eß- und Trinkbare, sondern auch Geld, Silbersachen, Uhren usw. mit ­ genommen. Und wie sie alles beschmutzt haben, schauerlich! Wenn man sich denkt, bei uns wäre der Feind und mit unsern Sachen so umgegangen! Du kannst Dir keinen Begriff machen, wie es in einem solchen Haus aussieht! Alle Türen, Schränke, Kommoden zerschlagen, der gesamte Inhalt heraus ­ gerissen und auf dem Boden zerstreut, zertrampelt, zerrissen, beschmutzt. Alles Zerbrechliche zerschlagen! Die Küche demoliert, die Spiegel in Trümmer, die Betten ausgeschnitten usw. Mir blutete oft das» Herz, wenn ich wertvolle Sachen, alte Ölbilder, Sammlungen, unersetzbare Akten auf der Straße liegen oder verwüstet fand. Zum Schluß endet alles als Brennmaterial oder wird zwecks Aus ­ räumung verbrannt. So waren in einem Hause eines Notars in Monthois alle seine Akten und seine ganzen Sammlungen, Bücher usw., nament- lich viele Autographen, samiliengeschichtliche Akten tlstv. ztl eitlem wüsten Haufen in Zimmer und Bureau zertrampelt. Als nun vor einigen Tagen ein Stab dort Quartier machte, wurde das ganze Haus von oben bis unten gesäubert, alles ans einen Wagen verladen und auf einen großen Platz vor dem Ort zum Verbrennen geschafft. Wäre der Mann zu Haus geblieben, wäre ihm auch kein Stück beschädigt. Gerade hieran sieht man, wie die Leute in gänzlich irreführender Weise ver ­ hetzt sind, sie halten uns mindestens für Menschen ­ fresser. ünd jetzt, wenn sie sehen, wie harmlos im Grunde genommen ein deutscher Soldat ist, sind sie voller Wut auf ihre Behörden, die sie so irre ­ geleitet. Hier ist ausnahtnsweise der Maire zurück ­ geblieben, während sonst überall gerade die Be ­ hörden geflohen sind, und schasst durch sein ver ­ ständiges Auftreten der Gemeinde eine ganze Menge Erleichterungen. Wir werden sehr gut mit ihm fertig. Eben kommt die Meldung, daß die hier mit am Ort liegende Kolonne um 4 Uhr in Vou- ziers verladet: wird mit unbekanntem Ziel, Fuß ­ artillerie! 16. 10. Ballay. Gestern nachmittag ritt ich un: 3 Uhr nach Vouziers und brachte den Brief selbst zur Feldpost, die dort in der französischen Post eingerichtet ist. Vouziers ist eine größere Stadt, Garnison französischer Kürassiere, deren Kasernen hoch ober: über der Stadt eine schöne beherrschende Lage haben. Gleich am Eingang liegt der Bahn ­ hof, den eine mächtige deutsche Flagge ziert. Hier herrschte ein enormer Betrieb, es wurden gerade die Munitionskolonnen der schweren Artillerie ver ­ laden. Bemerkenswert ist die Kirche in V., mit einem wundervollen romanischen, dreitürigem Por ­ tal. Die Bildhauerarbeiten in Sandstein, zun: Teil noch sehr gut erhalten; ihr gegenüber ein nwdernes Denkmal für den Dichter Taine. In: übrigen zeigt die Stadt den gewöhnlichen Charakter der französischen Kleinstädte, wie er uns ja ans D. . . . bekannt ist. Als Besatzung liegt eine Kompagnie Leipziger Landsturn: dort, die auch die Dir schon gesandte Zeitung „Der Landsturm" her ­ ausgibt. Ich holte mir noch ein paar Nummern und erhielt als Zugabe einen modernen dicken französischen Roman. Die Zeitung erscheint in dem Lokal, in dem früher der „Impsria.1 äs VouÄsrs" gedruckt und verlegt wurde. Man konnte sich dort in eine lothringische Garnison versetzt fühlen, nur fehlten die Einwohner. Gestern abend haben wir übrigens Statuten für eine Weihnachtskasse beraten, mit Strafgeldern für die verschiedensten Delikte, allmählich wird's Zeit, an dieses Fest zu denken und vorzusorgen. Das erste Geld brachten die Nummern des „Land ­ sturm", die amerikanisch versteigert wurden. Der Bürgermeister schickte uns wieder zwei große Körbe voll Äpfel, und von einem Bauern, dessen Frau K. behandelt, erhielten wir 2 Pfund Butter. Eben wurde K., dem das besonders Spaß macht, zu einer Wöchnerin geholt, deren Mam: im Feld steht. Das sind die „barba-rss", die die Frauen der Feinde behandeln und ihnen Arzneien und Verbandmittel noch obendrein umsonst geben. Die dsüs sosur unserer alten Dame hier im Haus wäscht und bügelt heute für uns, die Wäsche wird sogar gebleicht. 18. 10. Mittags kam eine Kompagnie sächsischer Landsturn: vorbei, auf dem Marsch nach Vouziers, die eine eigene Kapelle besaß. Das machte sich sehr gut, diese alten Herren! Auch ein Auto mit 5 sehr gut angezogenen wirklichen Damen (an ­ scheinend deutsche) kam durch. Abends gab's ein Faß Bier (helles aus Trier), das wir den Mann ­ schaften spendeten, jeder bekam einen Liter. Nach ­ mittags un: 6 Uhr hatte ich noch feierlichen Appell abgehalten, um zwei weitere Eiserne Kreuze aus ­ zuteilen, für Militärkrankenwürter O. und H. 19. 10. M., den ich beurlaubt habe, um sein Automobil von Hause zu holen, fuhr heute früh nach Vouziers, um von dort nach Rethel zu fahren. Er erreichte auch ein Auto, das ihn nach