27 -42"«- ich nur einige Stunden Ihnen meine fata er ­ zählen könnte! Es hat jedoch manche Kugel um mich herum gepfiffen, wo ich dachte, an die Fulda kommst du nicht wieder. Aus einer Entfernung von 300 Stunden wünsche ich Ihnen herzlich wohl zu leben und alle meine Freunde und Verwandten zu grüßen, denen ich diesen Brief (besonders dem -4» Aus Heimat Marburger H o ch f ch u l n a ch r i ch t e n. Als Nachfolger des von seinem Lehramt zurückgetretenen Archäologen Geh. Rats Prof. Dr. v. Sybel wurde der seitherige a. o. Professor der Archäologie Dr. Paul Jacobsthal bestimmt. — Der bisherige Privat ­ dozent Dr. K. A n d r e e wurde zum a. o. Professor in der philosophischen Fakultät der Universität Königs ­ berg ernannt. Personalchronik. Am 8. Januar beging der frühere Kurator der Marburger Universität, Wirkt. Geheime Rat Steinmetz, seinen 80. Geburtstag. Jubiläum. Die von unserem Mitarbeiter, dem früheren Redakteur unserer Zeitschrift Lpzealdirektor Dr. W. Schoof geleitete Luisenschule in Hersfeld beging am 6. Januar mit einer schlichten Feier ihr 75 jähriges Bestehen. Aus Hanau. Angeregt durch einen in Berliner Blättern erschienenen Artikel des Geh. Regierungsrats Dr. Breger „Errichtet Kriegsmuseen", hat der Hanauer Geschichtsverein beschlossen, seinem Museum eine Ab ­ teilung zuzufügen, die die Erinnerung an die gegen ­ wärtige Kriegszeit wach halten soll, also als Kriegs- museum gedacht ist. Die blinden Hessen. Die von der Zivil- verwaltung des General-Gouverneurs in Belgien heraus ­ gegebene „Deutsche Soldatenpost" bringt in ihrer Num ­ mer vom 16. Januar folgendes Gedicht: Die „blinde Hesse"! (In Darmstädter Mundart.) Die Hesse, seegt mer, die wern „blind"! Kaum aaner waaß, woher des kimmt; Biel glaawe, — mir wern Dumme! Döch — 's war mol in 'rer große.Schlacht, Bees hott's gedunnert un' gekracht. Zu Hilf' sin' mer do kumme! — Als mer sich schonn zur Flucht gewendt, Sin' noch die Hesse Storm gerennt. Sich mit dem Feind zu messe! — „Blind" sin' se druff, — dorch Pulverdamb, Dorch Bajonett un' Husgestamb; Daher: „Die blinde Hesse"! Wie selwigmol, — geht's heit noch los, Des waaß besuners de Franzos, Der kann devo' was sage! Bei uns, do werd sich nett gefärcht, Beim Stärme sin' mer als die Erscht', Net schlecht werd drnffgehaage! — Alten und Ihrer Schwester Maria) mitzuteilen bitte. In der Erwartung baldigster Antwort, weil sonst vielleicht die Gelegenheit aufhört Ihr stets ergebener Freund F. Miller Lieutenant au 1er Regt. des Chasseurs noirs de la Prusse.“ F. P. und Fremde. Un erscht de Rufs' — den Sakrament, Dem hawe mer waas uffgebrennt, Dort, in dem dreck'ge Pole! Erscht haw' mer in die Händ' gespeizt . Un dem dann orndlich ei'geheizt; De Deiwel soll den hole? Der hott geheria kriggt sei' Fett, Mer sin' mit Lanz' und Bajonett Nett iwwel umgesprunge! „Blind" sin' mer druff, uff's Russcpack, Besuners haw' mer mi'm Kosak, Manch' scheenes Liedche g'sunge! Un aach dem annern Russezeig Haw' mer geherig haamgeleicht', Mongole un Tscherkesse! Nor in de Flucht war noch ihr Heil, Mit „dreimal-derke-dunnerkeil" „Blind" hinnerdrein, — mer Hesse! Zwar in dem wilde Schlachtgewihl Js vun de brave Hesse viel, Gar viel, viel Blut geflosse! Un mancher lieive Hessebub, Der still jetzt liggt in seiner Grub', Sei' Lewe hott gelosse! — Js unser Ländche aach nor klaa', Steh'n mer doch fescht, — wie Erz un Staa' Des soll mer nett vergesse! — Was vor uns kimmt — „blind" gehn mer ufs. Bum Feind steht kaaner dann mehr druff, Drum Hoch! die „blinde Hesse"! F. L. D i e kurhessischen Judengesetze. Wie das Kreisblatt für Gelnhausen mitteilt, wird zum ersten Male für die Steuer-Periode 1915 bis 1917 die israelitische Kultussteuer auf Grundlage der staatlichen Einkommen- und Ergänzungssteuer aufgebaut werden. Damit wird also das alte unzulängliche Einschätzungs-System, das lediglich auf Schätzung der Einkommen beruhte, unter Beachtung der dagegen erhobenen Beschwerden durch eine zeitgemäße Veranlagung ersetzt. Zugleich erfahren auch die gemeinschaftlichen Lasten eine gleichmäßige, einheitliche Regelung und die unverhältnismäßig hohe Heranziehung einzelner Gemeinden wird beseitigt. Bei der späteren landesgesetzlichen Sanktionierung werden wohl auch die weiteren Wünsche der jüdischen Gemeinden Kurhessens, die die Wahl der Synagogenältesten be ­ treffen, berücksichtigt werden. S t a t i st i s ch e s. Die Landgemeinden des Regierungs ­ bezirks Kassel erzielten im Jahre 1914 aus dem Verkauf des Gemeindeobstes insgesamt 227 170 Mark gegen 161 372 Mark im Jahre 1913. An der Spitze steht wieder der Kreis Hofgeismar mit 40 971 Mark.