25 Acht junge Burschen hoben den kahlen Sarg auf ihre Schultern. Auch das Bahrtuch war nicht zugestanden worden. Als das Trauerhaus die verwaiste Kinderschar hinter dem Sarge her ausschüttete, bekam jedes Herz einen Riß. Die Mutter blieb daheim, weil das so Sitte im Grte war. Aber auch der Hankurt fehlte. Aller Augen spähten nach ihm, keiner wußte, was ihn fernhielt. Abseits von den ehrlich Gestorbenen, nahe der dichten Taxushecke hatte man das Grab bereitet. Der Pfarrer rührte nicht an seinen Tod. Er sprach nur von Geheimnissen, die ein Menschen ­ herz hütet, die nur Gott kennt. Und vom Leben des Verblichenen sprach er, vom Leben. Von seinem Dienste, den er dem Vaterlande geleistet, von seinem Fleiß und seiner Arbeitskraft, damit er den Seinen gedient. Das war für viele, die auf eine Verdammung gewartet, eine große Enttäuschung. Dann hob der Pfarrer die Hände zum Gebet. Die Bretter unter dem Sarge schwanden, der Schoß der Erde nahm ihn hin. Da — in den heiligen Augenblick knallte aus unmittelbarer Nähe ein Schuß, der die Menge erbeben ließ. Und noch einer. Und ein dritter. Ehe man sich Rechenschaft geben konnte, woher das gekommen, schwebte über der Hecke wie von unsichtbarer Hand gehalten eine Fahne, die Krieger- fahne. Dreimal schwang sie sich über der Gruft hin und her und schwand. Der ungeahnten feierlichen Handlung folgte lautes Schluchzen, das auch den Härtesten mitriß. „Der Hankurt, der Hankurt", ging's flüsternd von Mund zu Mund, obwohl ihn keiner gesehn. Als Karl Witts Kleinen heimkamen, erzählten sie der Mutter mit leuchtenden Augen von dem lauten Knall, der sie am Grabe ihres Vaters durchbebt, und von der Fahne, die über die Hecke gekommen, und lächelten dabei. — 45=-«' Kriegsminister Wild von Hohenborn. Generalleutnant Adolf Wild von Hohenborn. Die durch die Jahrhunderte bewährte militärische Tüchtigkeit der Hessen, die auch im gegenwärtigen Kriege wieder unvergleichbare Lorbeeren an die Fahnen der einstigen kurhessischen Stammregimenter hefteten, bekundet sich auch darin, daß immer wieder geborene Hessen in bevorzugte militärische Stellungen gelangen. Wie der vorletzte preußische Kriegsminister Josias v. Heeringen, entstammt auch der neue Kriegsminister W i l d v o n H o h c n- b o r n einer Kasseler Familie. Adolf Wild von Hohenborn wurde in Kassel als Sohn des Obermedizinalassessors vr. Wild, des Besitzers der damals noch in der Marktgasse 21 (zweites Haus unter der Schützenhalle) gelegenen Sonnenapotheke, geboren. 1883 trat er als Fahnen ­ junker in das Infanterieregiment Nr. 83 ein, be ­ suchte die Kriegsakademie und wurde 1898 als Generalstabsoffizier der ersten Garde-Jnfanterie- Division dem Generalstab der Armee überwiesen, war auch Gouverneur des Prinzen Eitel Friedrich von Preußen während dessen Bonner Studienzeit. Er war dann Abteilungschef im Großen General ­ stab und später Chef des Generalstabs des 13. Armeekorps. Sodann wurde er Kommandeur des badischen Grenadierregiments Kaiser Wilhelm I. und 1910 des 3. Garde - Grenadier - Regiments Königin Elisabeth. 1912 erhielt er als General ­ major die dritte Garde-Jnfanterie-Brigade. Im gegenwärtigen Krieg führte er eine Zeitlang eine in Flandern kämpfende Division. Seit dem 27. No ­ vember 1914 stand er als Generalquartiermeister im Felde und wurde am 21. Januar 1915, nach ­ dem Kriegsminister und Chef des Generalstabes des Feldheeres von Falkenhayn auf sein Ansuchen von der Stellung als Kriegsminister enthoben war,