9^6 21 von etwa 1 m Länge, vielleicht der Rest einer Treppe, die hier zu einem kryptenähnlichen Raum hinabgeführt hatte. Die Herausschaffung des Steinsarges gestaltete sich trotz seines erheblichen Gewichts ziemlich ein ­ fach: nachdem vermittelst einer starken Winde das Fußende des Sarges etwas gehoben und durch Hebebäume von der Nordmauer abgerückt war, wurde eine eiserne Kette unter ihm durchgezogen und um die Breitseite herumgelegt, sodann mit nebeneinandergelegten Rundhölzern eine schiefe Ebene aus der Grube bis zu ihrem Südrand her ­ gestellt und der Sarg durch zwei vorgespannte starke Pferde in einem Zug heraus- und auf den benachbarten Acker gezogen. Dank der Geschick ­ lichkeit der Dörnberger Landleute war die ganze Arbeit in Zeit von einer Viertelstunde erledigt.*) Während die einen mit dem Steinsarg beschäftigt waren, hatten 2 Mann auf unsere Weisung etwa 15 m nordwestlich von der Sargstelle einen Ver ­ suchsgraben gezogen, da der Boden an dieser Stelle eine kleine Schwellung zeigte und wir hier den Standort der Kirche des Dorfes vermuten durften. Nach wenigen Minuten stieß man auch auf Mauerwerk, das sich genau von West nach Ost zog und auf etwa 5 m Länge verfolgt wurde; seiner Beschaffenheit nach kann es sehr gut zu den Fundamenten der Kirche gehört haben. Leider erlaubte es weder die Zeit noch das Wetter, die Mauer weiter, etwa bis zu einer Ecke zu ver ­ folgen, indessen scheint der bisherige Befund doch darauf hin zu deuten, daß der Steinsarg nicht innerhalb der Kirchenmauer gestanden hat, weil ein Bauwerk von etwa 15 m Breite — von Lang ­ seite zu^Langseite gerechnet — doch für eine Dorf ­ kirche sehr reichlich sein würde. Zu gelegener Zeit soll übrigens die Untersuchung der Fundamente fortgesetzt werden. Es ist nicht viel, was ohne eingehendere For ­ schung sich über das zu jener Kirche gehörige Dorf Leutzewarten (Lutwardessen) sagen läßt: es *) Nachstehend geben wir die Maße des Sarges: größte Länge 2,17, größte Breite 0,70, Höhe 0,54, Länge der Höhlung 1,88, Breite in der Halsgegend 0,39, Breite in der Hüftgegend 0,43, Breite in der Fuß ­ gegend 0,36, Tiefe der Höhlung 0,33, Tiefe der Höhlung am Kopf 0,25 Meter. erscheint, wie Landau angibt-, zuerst 1074 als Luitwardeshusen und war ein Pfarrdorf, dessen Patronat den v. Blumenstein gehörte; im Jahre 1380 findet sich aus dieser Familie ein Hildebrand „ksrnsr to Lutwardessen“ und 1436 nennt sich Konrad v. Blumensteiu „Usotor ssslsmas pnro- chialis in Lutwerszen“. Schon Tileman v. Blumen ­ stein hatte das Patronatrecht auf seinem Todbett an die Landgrafen von Hessen übertragen und dasselbe erklärte damals auch jener Konrad aus den Fall seines Todes. Die Kirche war noch im Jahre 1462 vorhanden. Zu welcher Zeit und unter welchen Uinständen das Dorf verlassen wurde, wissen wir von dieser Wüstung ebensowenig wie von den zahlreichen anderen des Warmetales, es ist jedoch wahrschein ­ lich, daß einmal die Gründung der Stadt Zieren ­ berg am Ende des 13. Jahrhunderts hier mit ­ spricht und zweitens, daß die Übersiedelung nicht plötzlich stattfand, sondern sich auf einen langen Zeitraum ausdehnte. Ein Teil der Bevölkerung ist nach Zierenberg gezogen, denn hier gibt es noch heute eine sogenannte Leutzewärter „Bruder ­ schaft", die bestimmte Gebräuche bei ihren Ver ­ sammlungen beobachtet und sich bis vor kurzem auch noch im Genuß von Einkünften des alten Gemeindevermögens befunden hat. Eine Frage bliebe schließlich noch zu erörtern, nämlich die nach dem Toten, der einst in unserem Steinsarg zur letzten Ruhe gebettet wurde: stumm und trotzig verweigert der Sarg mit seinen rauhen kahlen Wänden — ohne Inschrift und ohne Schmuck — jede Antwort, aber dort drüben in einem Seitental des Dörnbergs, von hier gut sichtbar, ragt ein malerischer Felsenturm empor, auf dem einst ein reisig Geschlecht das erste feste Haus gebaut, nach dem es sich genannt — sollte die Vermutung allzu gewagt sein, daß ein Glied der Familie v. Blumenstein hier vor Jahrhunderten beigesetzt ist, im Schatten jener Kirche, deren Patronat den Herren von Blumenstein gehörte! Über die Zeit der Bestattung läßt sich aber auch uicht einmal eine Vermutung wagen, denn weder der Erhaltungszustand der Skelettknochen noch unsere bisherige Kenntnis der Sargform gestatten einen sicheren Schluß auf das Jahrhundert der Bei ­ setzung. Das Kasseler Grisstalul gegen Verunstaltung. Bon Paul Heidelbach. In dem furchtbaren Krieg, den wir jetzt zu führen gezwungen sind, geht es weniger um mate ­ rielle Dinge denn um die Gesamtkultur des deut ­ schen Volkes. Das ist der Sinn der in Ost und West krachenden Kanonen. Mit unserer ganzen modernen Kultur hängen aber Denkmalpflege und Heimatschutz eng zusammen. Waren wir doch glücklich so weit gekommen, daß man die Heimat schützen mußte