Wege am Schloß und dem Neuen Haus auf dem Cyriakusberg zu sehen ist. Über eine zweiläufige Freitreppe gelangte man vor ein Renaissanceportal mit dem hessischen und dem Eschweger Wappen unter dem Giebel und der Jahreszahl 1588. Der Tuchboden ging im Inneren durch 2 Stock ­ werke mit Emporen. Der reich ausgestattete Schnörkelgiebel erinnerte an die Rathäuser zu Mün ­ den und Hersfeld, während man die schreitenden wappenhaltenden Löwen in gleicher Ausführung an dem landgräflich hessischen Marstallgebäude in Kassel auf den Ziergiebeln sieht. Auch hier bildete eine Rolandsfigur die freie Endigung. Eine im Jahre 1760 an dem Kaufhaus an ­ gebrachte Uhr war für ihre Zeit ein kostspieliges Kunstwerk, da sie die Stunden nach Westen, Norden und Süden anzeigte. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Gebäude durch einen Anbau sehr entstellt; denn im Jahre 1802 erhielt der Hofkammerrat von Falkenhofen den Auftrag, für eine an Stelle der Freitreppe anzulegende Hauptwache einen Grund ­ riß anzufertigen und bekam für die Zeichnung und Kostenanschlag, Reisekosten und Aufnahme eines Teils des Tuchhauses die Kleinigkeit von 40 Talern und 16 Albus. Vor dieser Zeit hatte die Wache im Rathaus bestanden, wo sie 1799 an Stelle der alten Apo ­ theke eingerichtet worden war. Die neue Haupt ­ wache bestand aus dem Wachtlokal, einem Offiziers ­ und einem Arrestantengelaß. Auf. einem alten Steindruck von Röbling vom Jahre 1826 in Hochhuths Chronik, auch abgebildet in den Hess. Rathäusern von Dr. Holtmeyer und wie dort auch hier irrtümlich als Rathaus be ­ zeichnet, sieht man das höchst unschön wirkende Wachthaus auf einem aufgehöhten Vorplatz mit Gewehrstützen. Über der Hauptwache waren 2 Eisenplatten an ­ gebracht, mit einem vom Rektor Rhabanus Lukas Ende des 16. Jahrhunderts verfaßten Distichon: 1. Consulibus binis Scheffero floretis arte, Daedalus et Scheiben Curia fixa stetit Luminibus faustis Heroldo Iudice Taurus Et Stango aedili moenia prima locat 2. Distichon ut noscas, lector, prius occulit annum Signatur mensis posteriore tibi. Rabanus Lucas, Rector scholae fecit Debetur soli gloria cuncta Deo. Der Tuchboden, dessen Stuckdecke im Anfang des 19. Jahrhunderts bereits eingestürzt war, wurde vorübergehend von Schauspielertruppen zu Vorstellungen benutzt. Da nun durch das Wacht ­ lokal der Treppenzugang gesperrt war, so mußte man einen neuen Zugang schaffen. Dies geschah durch Anbringen einer Brücke am Rathaus über das Ratsgäßchen hinweg. In dem Weinkeller wurde schon lang^, kein Wein mehr verschenkt. Noch im 17. Jahrhundert führen Kämmereirechnungen Posten für Wein aufs Rat ­ haus an, nebenbei aber auch schon für Branntwein, der' im 18. Jahrhundert die Regel bildet. An Markttagen wurde der Weinkeller stark be ­ sucht. Die Metzger hielten in der Nähe Fleisch, an Spießen gebraten, feil, das die Marktbesucher bei einem Glas Branntwein im Weinkeller ver ­ zehren konnten. Im Jahre 1845 wurde das Tuchhaus mit dem Weinkeller vollständig abgebrochen und der Stadt ­ bau an seiner Stelle von Grund auf neu erbaut. Er nimmt den ganzen Raum des alten Tuchhanses und des vor ihm gelegenen Podestes ein, ist in allen Teilen sehr geräumig, doch ohne besonderen Kunstwert. Südlich des Rathauses steht noch ein interessanter Werkbau, dessen Freilegung wohl nun auch nichlt mehr auf sich warten lassen dürfte. Bemerkenswert an ihm sind die Balkenköpfe, Konsolen und Ober- lichttraillen. Es ist die laut Inschrift auf mehreren Türen im Jahre 1711 erbaute städtische Fleisch- schirne. Diesen Bau etwa abreißen zu wollen, wäre ein schwerer Fehler, der dem wiederhergestellten Rathaus sehr von Nachteil wäre. Der Frankreicher. Von Heinrich Bertelmann. Das Mittagsmahl war gehalten. Die Männer klappten ihre Messer zu und wischten die Fetthände an den Hosen ab. Karl Witt warf seine Speckschwarte ins Kohlen ­ feuer. Ein blaues Flämmchen züngelte empor. Das lockte den Frieder, noch ein Bündel Reisig aufzu ­ legen. Gierig fiel das Feuer über seinen Raub. Mit Wohlbehagen schaute das Dutzend Männer, ringsum auf den gefällten Baumstämmen sitzend, in das Glutgeflacker, das sich gar merkwürdig in der Schneelandfchast des Buchenhochwalds aus ­ nahm. Jetzt erhob sich der Vorarbeiter, spuckte aus, strich seinen mächtigen Schnauzbart, warf spielend die Axt in den nächsten Baum und rief seine Genossen zur Arbeit.