daß wir der Welt das Beispiel der,eigenen Tei ­ lung geben und noch die Schmach hinzufügen, die Anträge auf Teilung Anträge auf Einheit zu nennen!" Und dem fügte er die Mahnung hinzu, die ja später buchstäblich eintraf, das Parlament möge nicht sich der Ablehnung der Krone durch den preußischen König aussetzen. Auf die längere Entgegnung Sybels, die alle Gründe der Kleindeutschen, meist doch nur ver ­ fassungsrechtlicher Natur, nochmals zusammen ­ stellte, entgegnete Winkelblech ganz kurz, aber in einem Sinne, den wir erst heute wieder in seiner ganzen Schwere erfassen lernten: „Die Deutschen (nämlich Österreichs) sollen von Deutschen zurück ­ gestoßen werden, wenn sie in unsern Verband ein ­ treten wollen. So tief können die Deutschen nicht sinken, es wäre Hochverrat an der Nation, ihnen das Recht des Eintritts 'zu verwehren. Aber kom ­ men wir auch nur auf die gewöhnlichsten Regeln der Staatsklugheit zurück, so wird man einsehen, Deutschland kann das Adriatische ,Meer nicht missen, Deutschland verliert seine soziale Selbständigkeit mit dem österreichischen Bundesstaate; Deutsch ­ land kaun diese aus politischen und sozialen Gründen nicht aufopfern!" Es kann hier nicht auf alle die Einzelheiten der Winkelblechschen Tätigkeit eingegangen werden, wer sich darüber unterrichten will, muß schon zu der genannten Biermannschen Biographie greifen; aber wie grimmig feind ihm die liberal-konstitutionelle Partei war, der er nicht allein durch seine demo ­ kratische und großdeutsche Parteistellung unsym ­ pathisch war, sondern mehr noch durch seine ver ­ nichtende Kritik der liberalen Wirt ­ schaftsideale, das möge eine kleine Stil ­ übung zeigen, mit der Oetkers „Neue Hessische Zeitung" ihn in ihrer Nummer 35 des Jahres 1849 bedachte. Man könnte nicht behaupten, daß sie von Sachlichkeit überflösse, veranlaßt war sie durch Winkelblechs Bemerkung: er werde sich von einer Kritik der Petitionen zum Wahlgesetz 1849 nicht abhalten lassen, auch wenn sie durch ein noch schlechteres Organ als die Neue hessische Zeitung veranlaßt seien. Diese Petitionen waren nämlich, unter dem Vorgeben, das Ministerium Eberhard sei mit dem plutokratischen Klassen-Wahlgesetz zu ­ gleich in Gefahr, von der Mehrzahl der Orte erschwindelt, wie bald darauf festgestellt werdeu konnte. — Das Blatt Oetkers schrieb: „In der Tat hätte Herr Winkelblech der „Neuen Hessischen Zeitung" kein größeres Kompliment machen können. Denjenigen unserer geehrten Leser, welche mit der eigentümlichen Denk- und Ausdrucks ­ weise des gelehrten Herrn nicht vertraut sein soll ­ ten, mag dies auffallend erscheinendes ist aber doch so. Herr Winkelblech hat sich zur Ausübung seiner weltökonomischen Kunst einen eigenen Be ­ griffs- und Wortapparat erfunden. Er nennt z. B. konservativ, was andere revolutionär nennen, und revolutionär, was andere konservativ heißen, wenn er von einem Kaisertume spricht, so meint er eine Republik, oder umgekehrt, und wenn er jemanden falsche Angaben usw. vortmrft, so sagt er eigent ­ lich damit nur, es sei durchaus das Richtige ge ­ troffen worden. Mit einem Wort, Herr W. ist gewissermaßen ein umgekehrter Politiker, ein auf den Kopf gestellter Patriot. So liegen denn auch in seinen gestrigen parlamentarischen Ergüssen, die ein Neuling leicht für schimpfende Angriffe halten könnte, nur die schmeichelhaftesten Lob ­ sprüche, Lobsprüche, die so unverdient sind, daß wir sie gar nicht einmal annehmen können." Winkelblech sagte bald dem ihn anwidernden Treiben in der Kammer Valet, und so auch ent ­ ging er der Rache der Reaktion, er kehrte wieder in sein Arbeitszimmer zurück, um die Ausarbeitung seines sozialwissenschaftlichen Systems durchzuführen. Härter, als einst ein unverständiger Bureau^ kratismus ihn im Jahre 1839 von der ihm damals liebgewordenen Lehrtätigkeit an der Marburger Hochschule riß — wir dürfen heute sagen „Gott ­ lob", sonst wäre er vielleicht in seinem Berufe, der. Chemie, allein tätig geblieben und hätte sich nicht auf das Gebiet der Sozialpolitik gewagt —, so riß ihn die Krankheit im Jahre 1860 von der Vollendung seiner Lebensarbeit weg, und wenn er auch wiederkehrte, war doch die Arbeitskraft gebrochen. Noch die Neujahrsnacht 1864/65 hatte er fröhlich im Kreise seiner Familie gefeiert, aber schon ani folgenden Tage veranlaßte ihn ein leichter Schlag ­ anfall, das Bett aufzusuchen, von dem er sich nicht mehr erhob. Einem neuen Anfalle erlag er am 10. Januar, und am 12. ward seine sterbliche Hülle auf dem Kasseler Friedhofe hinabgesenkt. Die Kasseler Gewerbeschule, an der er seit 1839 gewirkt, hatte mit ihm — „trotz" der „Neben ­ dinge", die ihm sein Direktor Hehl ankreidete — einen ihrer Besten verloren; die Sozialwissenschaft aber, die unter dem Einflüsse der liberalen Schule stehend, den Mann bei Lebzeiten unbeachtet hat kämpfen und leiden lassen — er litt sehr unter dem Mißerfolge seiner Lebensaufgabe, der noch verstärkt ward durch den finanziellen Zusammen ­ bruch seines ersten Verlegers Appel in Kassel —, nennt heute mit vollem Bewußtsein des Wertes dieses eigenartigen Denkers unter den Funda ­ mentalschriften der modernen Sozialpolitik: „Die Organisation der Arbeit" von Karl M a r l o! Kassel. B. Jacob.