fme* 358 smiL> Kanals ^b), tzer, großartig genug, mit Schaffung des Weserplatzes Karlshafen begonnen ward. Daß die Technik jener Tage die Durchführung nicht möglich werden ließ, ist kein Argument gegen die Bedeutung der Idee, die erst heute und unter bei weitem günstigeren Terrainverhältnissen — von der Entwicklung und den Erfahrungen der Technik ganz zu schweigen — durchgeführt wird. Eine völlig neue Note klang an in den Be ­ ziehungen zu England. Den ersten Anstoß dazu mögen wohl die Feldzüge des spanischen Erbfolgekrieges gegeben haben, als, im Anschluß an die Verträge von 1694, 1701—1702 zwischen Hessen-Kassel und den Generalstaaten, durch Ver ­ mittlung der letzteren mit dem Vertrag vom 31. März 1703 England in die Reihe der Sub ­ sidien zahlenden Mächte trat. Von da an, bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, blieben dann diese Beziehungen in der denkbar regsten Form bestehen und ergänzten, ohne sie grundlegend zu verändern, die bisherige Politik Hessen - Kassels. Wohl hatten schon früher, in Hinblick auf die Ver ­ teidigung der evangelischen Freiheit, Beziehungen zu England bestanden, so eng indessen, wie seit der Verlobung und Vermählung des Prinzen Friedrich, des nachmaligen Landgrafen Friedrich II. mit Maria von England, Tochter Georgs II., waren sie vor ­ her nie gewesen, und das gehört mit zu den großen Witzen der. Weltgeschichte, daß gerade Friedrich katholisch wurde. Allerdings haben die dazu trei ­ benden Kräfte der kaiserlichen und der französischen Politik ihr Ziel nicht erreicht, einen Bruch mit den seitherigen Traditionen des Landes herbei ­ zuführen. Mag die Assekurationsakte noch so viel zu diesem Resultate beigetragen haben, ein traditio ­ nelles Schwergewicht hat auch wohl überdies noch mitgewirkt, namentlich jenes mit Karl. einsetzende Moment der Verteidigung der deutschen Westfront durch Hessen-Kassel, das im siebenjährigen Kriege a u s g e l ö st ward durch den Kaunitzischen Fehlgriff, Frankreich in die inneren Angelegenheiten des Reiches hineinzuziehen. Nur so ward es möglich, daß Hessen-Kassel wie Eng ­ land-Hannover sich mit einem zeitweilig 160000 Mann starken Heere wie ein Windschirm aufstellten zur Deckung König Friedrichs II., während ohne dies Dazwischentreten Frankreichs diese Masse nicht nur neutral, sondern feindlich gegen Friedrich von Preußen, als den Reichsfriedensbrecher, gestanden haben würde. Ehe wir über die im allgemeinen ruhige Zeit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ausführ- ^^eitschr. d. B. f. h. G. u. S., Bd. 19 (N. F. Bd. 9), licher hinausgreifen,- sei ein Blick auf das parallel laufende Entwicklungsschema Hessen - Darmstadts gestattet. Was Moritz einst durch seinen Bruch der Be ­ stimmungen bes Marburger Testaments verschuldet, unbedingt im Unrecht durch die Hartnäckigkeit, mit der er sich durchzusetzen strebte, und doch damit unbewußt einer wichtigen Idee dienend, wenn ­ schon unfähig sie zu erkennen und durchzufechten, das renkte nach besten Kräften der friedlich-fromme Sinn Ludwigs VI. von Hessen-Darmstadt wieder ein, der noch als Erbprinz im Aufträge seines Vaters den Einigkeitsvertrag vom 14. April 1648 ermöglichte. Bedenklich wurde die Passivität, die sich ja auch schon in dem Verhalten zum Kaiser ausgedrückt, als Ludwig VI. in dem mit Frankreich 1672 ausbrechenden Kriege sich neutral stellte. Daß das Land dabei von beiden Parteien ver ­ wüstet ward, wäre noch weniger zu bedauern, wenn nicht damit auch eine Hinneigung zu Frankreich, eigentlich nur aus dem Gefühl der Schwäche her ­ aus, sich entwickelt hätte. Ludwigs VI. Witwe als Vormünderin ihres Sohnes z. B. weigerte den französischen Hugenotten den Aufenthalt, wohl nicht unbeeinflußt durch des „Sonnenkönigs" Drohen, doch darf auch nicht vergessen werden, daß sowohl in dem Kriege von 1688 wie in dem spanischen Erbfolgekriege hessen-darmstädtische Truppen tapfer auf Seite des Reiches fochten, ohne indessen weder der Zahl noch dem Umfange der Beteiligung nach neben die hessen-kasselschen Truppen sich stellen zu können. Nicht genutzt ward die Hanau - lichtenbergische Erbschaft, die durch seine Mutter Ludwig IX. zufiel, der sie aber eigentlich nur benutzte, um in Pir ­ masens seiner Soldatenspielerei zu fröhnen. Seine persönliche Neigung zog ihn zu Friedrich II. von Preußen hin, aber der traditionellen Politik seines Hauses folgend, mußte er, um Wien und Paris nicht zu mißfallen, 1757 in die Heimat, in sein Soldatenidyll Pirmasens, zurückkehren^ Bon größerer Bedeutung als dieser Fürst, der selbst nach späterer Übernahme der Regierung in Pirmasens verblieb, war seine Gemahlin Karo ­ line, „die große Landgräftn", die auch die Er ­ ziehung der Kinder leitete. Ludwig X. bedeutet insofern eine Unterbrechung der passiven Politik des Landes, als er an dem im Jahre 1793 aus ­ brechenden Reichskriege mit stärkerer Macht sich be ­ teiligte, und doch hatte auch hier erst der Zwang desReichskrieges anfeuernd gewirkt, Hessen- Kassel hatte ja, wovon noch zu sprechen sein wird, nicht erst dies Moment abgewartet, sondern schon 1793 mit vollster Kraft sich, an dem Kampfe gegen die -französische Revolution beteiligt.