fmsb 354 mtt> vom 24. zum 25. Oktober rückte General Van- damme mit seinem ganzen Korps gegen die Festung vor und nahm in den Dünen, nach Ostdünkirchen zu, Aufstellung, wohin die Überschwemmung nicht steigen konnte. Weiter vorwärts, aber immer noch außerhalb des Überschwemmungsgebietes, errichtete er 3 Batterien, die etwa 1200 Schritt vom west ­ lichen Hauptwalle der Stadt entfernt waren. Von dieser Seite her war der Angriff für die Belagerten am bedrohlichsten, weil die Möglichkeit vorlag, daß der Feind die schwer zu verteidigende Schleusen ­ schanze nehmen und von da aus in die Stadt ein ­ dringen würde. Ein solcher Versuch wurde denn auch alsbald von den Franzosen unternommen. Am Morgen des 25. Oktober rückte eine starke Abteilung gegen das nur von 20 Mann.besetzte Fort Wirwuth vor und besetzte es nach kurzem Kampfe. Von dort drang sie gegen die Stadt vor, wurde aber von einem ihr von dem Kommandanten entgegengeschickten Bataillon aufgehalten. Es kam nun hier zu einem mehrere Stunden andauernden Feuergefecht, in dem auf Seiten der Belagerten alle zwei Stunden ein Bataillon aps der Stadt das im Feuer stehende Bataillon ablöste. Als aber schließlich Oberst v. Afmmb den Leutnant Küster Mit 30 Mann und einem Geschütz auf dem rechten Wrufer vorschickte, die über den Fluß hinweg die linke Flanke des Feindes beschossen, räumte dieser das Fort Wir- wuth wieder und ging in seine Hauptstellüng zu ­ rück. Die Franzosen hatten einen Verlust von 30 bis 40 Toten. Während dieses Kampfes hatten auch ■ bije, französischen Batterien wieder begonnen, die Stadt, zu beschießen, und setzten dies bis in die Nacht hinein fort. In der' Nacht vom 25. zum 26. Oktober ging der Feind aus seinen; Batterien mit Laufgräben vor und begann den Bau einer weiter vorwärts ­ gelegenen vierten Batterie. Sobald man dies von der Stadt aus bemerkte, begann man den Bau durch heftiges Artillerieseuer zu stören und wirk ­ lich unausführbar zu machen. Dagegen gelang es den Franzosen, in ihren bisherigen 3 Batterien 4 Vierundzwanzigpfünher» 4 Zwölfpfünder, 4 acht ­ und zwölfzöllige Mörser und 4 Haubitzen zur Auf ­ stellung zu bringen, deren Feuer im Laufe des 26. den ganzen westlichen Teil der, Stadt Nieuport in einen Trümmerhaufen verwandelte. Diese Be ­ schießung wurde bis zum 28. unterhalten und auch von den Belagerten, so gut als möglich, erwidert. Der Mangel an Munition war für die Belagerten sehr empfindlich. Und doch hätte diesem Mangel sehr leicht abgeholfen werden können, tvenn der Kommandant von Ostende dazu zu bewegen ge ­ wesen wäre, genügende Munition nach Nieuport abzugeben. Da die Nord- und die Ostseite der Festung von den Franzosen freigelassen war, hätte sichres leicht ausführen lassen. Aber der Komman ­ dant von Ostende bestand darauf, stets nur Ar ­ tilleriemunition für einen Tag nach Nieuport zu senden, weil seiner Ansicht nach die Festung doch nicht zu halten war und er seine Munition nicht unnötig aufs Spiel setzen wollte. Unter diesen Umständen war es ein großes Glück, daß die Fran ­ zosen eine völlige Umschließung der Festung unter ­ ließen. Hätten sie eine solche durchgeführt, so wäre wegen Mangel an Artilleriemunition eine weitere Verteidigung sofort unmöglich gewesen. Die unvollständige Einschließung ließ auch eine weitere Verstärkung der Besatzung zu. Am Abend des 27. Oktober rückte das 1. Bataillon des hes ­ sischen Regiments Prinz Karl 8 ) in Stärke von 17 Offizieren und etwa 450 Mann in die Stadt ein, sowie 2 Kapitäns und 30 Mann englischer und 2 Unteroffiziere, 18 Mann hannöverscher Ar ­ tillerie. Auch stellte sich der hessische General ­ leutnant v. Wurmb 9 ) mit stärkeren Streitkräften am 27. bei St. Gisthel auf, um die Verbindung zwischen Meuport und Ostende zu sichern. Am 28. Oktober mittags brachte ein französischer Trompeter abermals ein Schreiben Bandammes, in dem dieser den Kommandanten aufforderte, die Festung zu übergeben. Wenn nicht binnen einer Stunde die Tore geöffnet seien, werde er Bresche schießen und stürmen lassen. Nach Ablauf der Frist lasse er sich auf keine Kapitulationsbedingungen mehr ein. v. Wurmb hafte ihm mit seinem Kopfe für den unnützen Widerstand, den er leiste, v. Wurmb antwortete kurz und bündig: Nieuport, den 28. Oktober 1793. Herr General! Auf die erlassene Aufforderung zur Übergabe der Stadt gebe ich zur Antwort-, daß ich selbe bis auf das Äußerste verteidigen werde. Hochfürstlich hessen ­ kasselscher Oberst und Kommandant Karl v. Wurmb. Die Franzosen nahmen nun ihr Artilleriefeuer mit großer Heftigkeit wieder auf und feuerten bis abends 9 Uhr. Dann erschien abermals ein Trom ­ peter und forderte zur Übergäbe der Stadt binnen einer Viertelstunde auf. Aber Bandamme war schon nachgiebiger geworden; er bot der Besatzung 8 ) Jetzt im Infanterie-Regiment v. Wittich (3. kur ­ hessischen) Nr. 83 enthalten. b) Friedrich Wilhelm v. Wurmb, nahm 1794 seinen Abschied und starb im Dezember 1806 auf seinem Gute Crimmderode.