$«K£b 353 9<*Sb 2 siebenpfündigen Haubitzen bestand. Dazu traten noch die Regimentsgeschütze der hessischen Infanterie, 6 Dreipfünder, so daß das gesamte Artillerie ­ material aus 15 Geschützen bestand, die sich aber zum Teil in schlechter Beschaffenheit befanden. Munition war nur für einen Tag vorhanden. Ar ­ tilleristen fehlten , bis auf die zu den 6 Regiments- geschützen gehörigen wenigen Mannschaften gänz ­ lich. Artillerie- und Ingenienroffiziere waren über ­ haupt nicht in der Festung vorhanden, bis aus dev kranken österreichischen Artillerieleutnant Schabitz, der zufällig in Nieuport zurückgeblieben war. Die Vorräte an Lebensmitteln waren unbedeutend. v. Wurmb scheint unter diesen Umständen eine nachhaltige Verteidigung des Platzes nicht beab ­ sichtigt zu haben, obwohl eine solche bei der Wich ­ tigkeit der Festung als Stützpunkt des rechten Flügels der Verbündeten sehr notwendig war. Er hätte sonst wohl in den vier Wochen, die ihm bis zum Angriff der Franzosen verblieben, versucht, die Festungswerke in einen besseren Stand zu setzen. Allerdings wird es ihm auch an Mitteln dazu gefehlt haben und die Engländer hätten sich in ihrem Dünkel auch zu derartigen Arbeiten wohl nicht verwenden lassen, denn im übrigen tat er nach der Einnahme von Furnes durch die Fran ­ zosen, die ihm einen baldigen Angriff der letzteren in Aussicht stellte, alles, was sich mit seinen be ­ scheidenen Mitteln tun ließ. Er besetzte die Schleusen ­ schanze mit 1 Kapitän und 100 Mann, sowie mit 2 Sechs- und 2 Dreipfündern und stellte vor dem Dünkircher Tore (Südseite der Stadt) in einer schnell aufgeworfenen Feldbefestigung 3 Dreipfünder unter einer Bedeckung von 1 Offizier und 40 Mann auf. Die übrige Garnison verteilte er auf dem Walle. Den Befehl über die Artillerie über ­ nahm der Leutnant Schabitz, der sich trotz seines kranken Zustandes dem Kommandanten zur Ver ­ fügung stellte. Zur Bedienung der Geschütze mel ­ deten sich die ja damit vertrauten Seeleute und Fischer der Stadt. Die Schleusen wurden so gut wie möglich verdämmt. In der Nacht vom 22. zum 23. Oktober trafen die Vortruppen des Feindes vor der Festung ein und begannen alsbald an der Landstraße und dem Kanal nach Furnes, die nebeneinander herliefen, südlich der Stadt beim Wirtshause „zum Pelikan" zwei Batterien zu bauen, in deren eine 2 zwölf- pfündige Kanonen und 2 zehnpfündige Haubitzen eingefahren wurden, während die andere mit 2 vier- undzwanzigpfündigen Kanonen und einem zwölf ­ zölligen Mörser besetzt wurde. Sobald diese Batte ­ rien von den Verteidigern entdeckt waren, wurden sie unter lebhaftes, aber, soweit sich erkennen ließ, erfolgloses Artilleriefeuer genommen. Am nächsten Tage, morgens 10 Uhr, überbrachte ein fran ­ zösischer Trompeter eine an den Magistrat der Stadt gerichtete Aufforderung des Generals Hoche^), augenblicklich zu kapitulieren, sonst „werde ec die Stadt zerstören und über die rauchenden Trümmer der Häuser und die zuckenden Glieder der Körper der Bürger seinen Einzug halten". Der Magistrat antwortete, daß nicht er, sondern der Kommandant über derartige Fragen zu entscheiden habe. Darauf begann um 1 Uhr mittags das Feuer der fran ­ zösischen Batterien auf die Stadt, das sich haupt ­ sächlich auf die Wohnhäuser der Bürger richtete, welche letztere dadurch veranlaßt werden sollten, den Kommandanten zur Übergabe zu veranlassen. Wenn auch mehrere Häuser in Flammen auf ­ gingen, so wurde doch diese Absicht der Belagerer nicht erreicht. Die Belagerten setzten das Feuer ihrer Geschütze gegen die französischen Batterien fort, wohl nur, um den Franzosen ein Zeichen ihres Widerstandes zu geben. Denn von irgend einem Erfolg konnte bei der geringen Tragweite der vorhandenen Geschütze gar keine Rede sein. Vielmehr wurde dadurch unnötigerweise eine solche Menge Munition verbraucht, daß gegen 4 Uhr nachmittags der vorhandene Vorrat aufgebraucht war. Der Kommandant von Ostende, der um Zu ­ sendung weiterer Munition gebeten worden war, hatte diesem Wunsche, der sich erfüllen ließ, weil die Festung Nieuport im Norden nicht eingeschlossen war, nicht entsprochen. Oberst v. Wurmb beschloß deshalb, den Platz zu räumen, da er sich einen Er ­ folg von einer weiteren Verteidigung nicht ver ­ sprechen konnte. Er ließ sich aber durch die Vor ­ stellungen der Kapitäne von Bardeleben«) und v. Zoppe vom Regiment v. Kospoth bewegen, vor ­ läufig noch auszuharren. Im Laufe des Nach ­ mittags stieg nun auch die Überschwemmung so hoch, daß die Franzosen ihre Batterien räumen mußten und nach Furnes zurückgingen. Am Abend rückte das hessische Grenadierbätaillon v. Esch- wege?) in Stärke von 13 Offizieren, 354 Mann zur Verstärkung der Besatzung in die Festung ein. Ein erneuter, kräftiger Angriff der Franzosen ließ nicht lange auf sich warten. In der Nacht 6 7 6 ) Lazare Hache, geb. 25. 6. 1768 zu Montreuil bei Versailles, gest. 18. 9. 1797 in Wetzlar, einer der vor ­ züglichsten Generale der französischen Revolutionsarmee. «) Johann Henrich von Bardeleben, machte als Leutnant im Rgt. v. Donop die Feldzüge in Amerika mit, war 1806 Major im Rgt. Landgraf Karl, west ­ fälischer Pensionär, wurde 1814 Oberstleutnant h la suite, 1831 pensioniert, starb am 26. 3. 1835 auf seinem Gute Kattenbruch im Schaumburgischen. 7 ) Dieses Bataillon bestand aus den 2 Grenadier ­ kompagnien des Regiments Erbprinz und den 2 Grenadier ­ kompagnien des Regiments v. Kospoth.