Destentan- Hessisches Heimatsblatt Zeitschrift für hessische Geschichte. Volks- und Heimatkunde» Lileraiur und Kunst Nr. 21. 28. Jahrgang. Erstes November-Heft 1914. Hessens Stellung und Ausgaben int Verlause seiner Geschichte. Von Bruno Jacob. Durch die Geschichte Hessens geht ein arger Riß, es liegt eine Tragik in ihr, die um so härter be ­ rührt, als es seiner Lage und seiner ursprünglichen Entwicklung nach zu mehr berufen schien. Die un-- glückselige Teilung des Landes hat viele Keime zerstört, und der jetzt noch selbständige kleinere Teil des Landes ist zu einer rein passiven Politik ver ­ urteilt, die nur durch die derzeitige außerordentliche Höhe seiner kulturellen Bedeutung für Deutschland einigermaßen ausgeglichen wird. Das heutige Groß ­ herzogtum Hessen hat aber niemals auch den Ver ­ such gemacht, eine weltgeschichtliche Rolle zu spielen, seine Politik war stets mehr nach innen gekehrt, hervor trat eigentlich nur das Land Hessen-Kassel und führte so mit den bedeutend geringeren Mitteln noch die Politik durch, die das ganze Hessen ur ­ sprünglich übernommen hatte, bzw. übernehmen mußte. Me sehr aber diese so aktive Rolle bei allem Glanze, der davon ausstrahlte, eine Ur ­ sache des endlichen Zerfalls war, und wie das Ende des Kurstaates Hessen somit nur eine Folge der Teilung von 1567 und der damit übernommenen Lasten wurde, soll in Nachfolgendem dargestellt werden. Recht übersichtlich ist ja das Wachsen der hessischen Lande dargestellt in den Hattemerschen Karten *), *) Karten zur Entwickelungsgeschichte Hessens von Prof. vr. K. H. Hattemer. Darmstadt 1912. und nicht ohne Weh betrachtet man den Umfang des Gesamtlandes, das nicht nur eine in jeder Hinsicht achtbare Macht darstellte, sondern nament ­ lich in seinem ganzen Fortschreiten nichts weniger bedeutete, als die Wieder-Zusammenfassung aller chattischen Gebiete in einer Hand, kurz gesagt eben den Stammstaat. Ein Übergreifen auf ihm wesensfremde Gebiete finden wir fast nirgends, ab ­ gesehen von der erst sehr spät erfolgten Angliede ­ rung der Grafschaft Schaumburg, die im übrigen auch niemals mit dem übrigen Lande innerlich verschmelzen konnte und heute wie stets einen deut ­ lichen Zug zu dem stammverwandten benachbarten übrigen Niedersachsen aufzeigt, während die chattistch- alemannischen Mischgebiete im Starkenburgischen getrost als stammverwandt angesprochen werden können. Das Hennebergische Erbe Schmalkalden ist in seiner Art doch schon zu fränkisch, um nicht dem eigentlichen Hessen nahe zu stehen, die drei Male aber, da das Herzogtum Westfalen hessisch wurde, sind eben vorübergehende Erscheinungen ge ­ blieben, zum ersten Male, als Heinrich III., der Reiche, das Land für seinen Bruder Hermann als Landeshauptmann verwaltete, das zweite Mal, als es während des dreißigjährigen Krieges fast völlig in hessen-kasselschen Händen sich befand, und das dritte Mal, als Hessen-Darmstadt es von Napoleon empfangen. Ein Zug zu fester Angliederung ist