NRttL. 305 PWL, für das Wohl seiner Untergebenen besorgt toar, ehe er an sich selbst dachte. In einem Briefe, den der Großherzog von Hessen aus dem Felde an seine Gemahlin richtete, heißt es: „Die Hauptsache ist, daß wir den Sieg haben. Bei uns fing die Schlacht im dichten Wald ­ gestrüpp an. Es war ein furchtbarer Kampf. Ich erinnere mich, daß mein Vater sagte, das Schlimmste sei ein Waldgefecht, wobei keiner den andern sieht. Die folgende Nacht schliefen wir alle in einem Haus auf Stroh, hoffend auf den nächsten Tag. Dieser brachte uns eine siegreiche Verfol ­ gung. Gestern stand der Feind uns mit neuen Kräften gegenüber. Unsre Leute mußten nach der am vorherigen Tag ge ­ schlagenen Schlacht Tag und Nacht laufen um zur Stelle zu kommen. Unsre Regimenter haben sich so großartig ge ­ schlagen, daß alles davon sprach. Friedrich (ge ­ meint ist Prinz Friedrich Karl von Hessen) i st e i n Held, seine Leute begeisternd, immer voran. Man erlebt zu viel. Der Tod wird Nebensache. Man sitzt zwischen Toten, Verwun ­ deten, Pferden usw. Es ist, als ob es so sein müßte. Aber dann über ­ kommt einen doch das Gefühl, wie das alles so unnatürlich ist." .Das selbstlose Wirken des Prinzen im Felde findet eine prächtige Schilderung in dem Feldpost ­ brief eines 81ers, der der „Kl. Pr." schreibt: „Jetzt, wo nach Wochen heißen Kämpfers und Ringens die Ruhe sich um mich legt wie ein kühles Tuch um die fieberheiße Stirn,- wo so manche Erlebnisse aus jener Zeit sich zu klaren, scharf umrissenen Bildern gestalten, da ist es wohl verständlich, wenn eine Kunde, wie ich sie heute morgen las, wenn die Nachricht von der Verwun ­ dung unsres Regimentskommandeurs, des Prinzen Friedrich Karl, manche Erinnerung auslöst, die sonst vielleicht erst später sich geklärt hätte. Gerade in der letzten Zeit vor meiner Verwundung, am 6. September, kam ich als Befehls ­ empfänger oft genug mit ihm in Berührung, um einen tiefen Eindruck mitzunehmen von der Per ­ sönlichkeit dieses Mannes. Es hat ja in allen Zeitungen gestanden von dem Mut, den er am Tag von Bertrix bewies, und so wie er es dort gehalten, so hat er's in der ganzen späteren Zeit getan, so hat er's gehalten, bis die Kugel auch ihn traf: in der Stunde der Gefahr stand er an der Spitze des Regiments. Meine letzte Erinnerung an die Kämpfe an der Marne, sie gilt ihm, wie er mitten im Gefecht mit vollkommener Ruhe mich belehrte über einen Fehler, den ich gemacht, und wie er dann vorn an der zerstörten Brücke stand im feindlichen Gra ­ natfeuer und den Über ­ gang seines Regiments beobachtete und leitete. Worte machte er nicht viel, aber schon sein Er ­ scheinen wirkt auf die Truppen: „unser Prinz ist der Erste, wenn's gilt, und unser Prinz sorgt für uns", das wuß ­ ten wir und deshalb hängt das Regiment an seinem Führer in einem Grad, wie ich es noch nie zu beobachten Ge ­ legenheit hatte. Dann kommt bei ihm noch etwas hinzu, was der Soldat so schnell merkt und was mehr auf ihn wirkt als lange Reden: der Prinz behauptet nicht nur der Kamerad seiner Soldaten zu sein, er ist es auch, ist es auch da, wo diese Kameradschaftlichkeit oft aufhört: er ist es in seiner Lebensweise. Ich habe Gelegenheit gehabt, ihn zu beobachten, und noch jetzt packt es mich, wenn ich daran denke; ein Bild mag reden: am Abend war's, ich weiß den Namen des Ortes nicht mehr, da rief mich der Hauptmann im Biwak und teilte mir mit, daß ich zum Befehlsempfänger bestimmt sei, d. h. daß ich die Befehle des Divisions ­ kommandeurs für das Regiment in der Nacht zu holen und dem Regiment zu überbringen habe. Nachdem ich also aus unserer herrlich bewährten Feldküche kräftig gegessen hatte, machte ich mich auf den Weg, um mich beim Prinzen zu melden. Pri«r Friedrich Wilhelm Mn Hefte«. Phot. Borgt. Frankfurt a. M.