vmiL 289 tßnnL Roman der Diana von Pappenheim einiger höchst notwendigen Stützen und Berichtigungen, die der mangelnde historische Sinn, die allzu mächtig ar ­ beitende Phantasie der Enkelin ihren Lesern leider völlig schuldig geblieben ist. Wie erinnerlich, stammte Jennys Mutter, Diana von Pappenheim, aus einer alten Familie des Oberelsaß. Sie wurde am 25. Januar 1788 in Ollweiler geboren. Ihr Vater, der Graf Gottfried Waldner von Freundstem, war ein Bruder der durch ihre Denkwürdigkeiten bekannten Baronin Oberkirch. Ihre älteste Schwester Isabelle sollte einer Familientradition zufolge Napoleons Adju ­ tanten, den General Rapp heiraten, siedelte aber, als der Plan scheiterte, als Hoffräulein an den Hof der Herzogin Luise von Sachsen nach Weimar über und ließ sich auf dieser Reise von Diana begleiten. 6 7 8 9 ) Diese gefiel an der Ilm, trat in die Dienste der jungen Erbprinzessin Maria Paulowna und reichte am 6. September 1806 einem un ­ bedeutenden Landedelmann, Wilhelm Rabe von Pappenheim, Herrn auf Stammen, Liebenau und Griemelsheim, die Hand. Pappenheim war weimar ­ scher Major a. D. und nicht „Major der kur ­ hessischen Leibgarde"; am 8. Oktober 1764 geboren, stand er damals im 42. Lebensjahr und war mit ­ hin durchaus nicht der „alternde Mann", als der er zur Entlastung seiner Gemahlin hingestellt wird. Der Ehe entsprangen zunächst zwei Söhne: der eine, Gottfried, wurde zu Weimar am 6. Juli 1807 geboren; der zweite, Alfred, kam am 2. September 1808 zur Welt. Seine Wiege stand bereits in Kassel, wohin Pappenheims im Sommer desselben Jahres übergesiedelt zu sein scheinen. Weshalb ist unbekannt; wer die spätere Entwicklung der Dinge in Rechnung zieht, wird annehmen, daß sich Diana als Elsässerin zu dem französischen Westfalenhof hingezogen fühlte und von gesellschaft ­ lichen und sonstigen Erfolgen träumte, die ihr in der stillen, sich gegenseitig scharf beobachtenden Weimarer Gesellschaft kaum in Aussicht standen, während ihr Gemahl Karriere zu machen hoffte. Jedenfalls tauchten die Pappenheims zum ersten Mal im Februar 1809 in der Chronik des Kasseler Hofes auf. Am 5. des genannten Monats berichtete nämlich Graf Reinhard, der französische Gesandte, daß Frau de Launay, die Tochter des Justiz ­ ministers Siméon, auf einem in der letzten Woche stattgehabten Maskenball Herrn von Pappenheim „quelques plaisanteries" gesagt habe, die, miß ­ günstig aufgebauscht, zu heftigen Szenen zwischen dem König und Siméon und schließlich zur Ent ­ lassung der Oberhofmeisterin Gräfin Truchseß, von Waldburg-Eapustigall geführt hätten?) Worin diese „plaisanteries“ bestanden haben, ist aus Reinhards Bericht — der zuerst in „Les rois frères de Napoléon“ vom Baron A. du Casse und noch im Mai 1912 in der Revue des études napoléoniennes veröffentlicht worden ist — nicht ersichtlich; daß Frau de Launay Pappenheim „am 5. Februar" „mit seiner so viel jüngeren Frau geneckt" hätte, ist nicht gesagt; ganz aus der Luft gegriffen ist der Zusatz, daß Pappenheim gewissermaßen zum Trost „zum Grasen und zum ersten Hofmarschall ernannt" worden sei, „während Diana als Palast ­ dame in den Hofstaat der Königin eintrat". Dafür notiert Reinhard am 3. Mai 1809, daß in Dörn ­ bergs Papieren ein versiegeltes Paket mit Liebes ­ briefen gelegen habe, unter denen sich auch Billetts von Frau von P. . . . befunden hätten?) Lily Braun geht über diese merkwürdige Angabe ein ­ fach hinweg; ebensowenig kümmert sie sich um die im Bulletin vom 10. August 1809 enthaltene Ver ­ sicherung, daß Graf Fürstenstein, Jérômes Günst ­ ling und Minister des.Äußern, zur Zeit seiner Verheiratung mit der Gräfin Hardenberg Frau von Pappenheim den Laufpaß gegeben habe si ) — Andeutungen, die unbefangenen Köpfen doch zu denken geben und die von Lily Braun ent ­ wickelten -Ansichten über Dianas von innen heraus großen, über jeden Zweifel erhabenen Charakter stark erschüttern. Trotzdem scheint es glaubhaft, daß die schöne Frau damals Jérôme noch nicht ihre Gunst ge ­ schenkt hat; nicht weil sie sich dafür zu schade war, davon kann wohl nach den eben gestreiften Aben ­ teuern keine Rede sein; wohl aber, um die Leiden ­ schaft des an allzu leichte Siege gewöhnten Königs durch wohlberechnete Sprödigkeit noch mehr zu entfachen und ihn dadurch zur Erfüllung der Be ­ dingungen zu drängen, von denen sie die Gewährung: ihrer Huld und nicht in letzter Linie das Schweigen ihres schwachen, ehrgeizigen Gemahls abhängig machte. Gestützt wird diese Anschauung durch Rein ­ hards Bulletin vom 10. August 1809. Der Ge ­ sandte berichtet darin, Fürstenstein habe, nachdem er sich von Frau von Pappenheim getrennt, seinem jungen Herrn von ihrer „Tugend" vorgeschwärmt, und Jérôme habe daraufhin sofort Feuer gefangen. „Seitdem wurde sie mit Auszeichnungen über ­ schüttet. Es heißt, daß Verhandlungen angeknüpft worden seien. Als der König (Ende Juni) nach Sachsen abreiste, versprach er, in zehn Tagen heim ­ zukehren. Nach seiner Rückkunft verlautete schou, 7 ) Du Casse, Les Rois frères de Napoléon, Paris 1883, S. 225. 8 ) ibid. S. 269. 9 ) ibid. S. 305. 6 ) Deutsche Rundschau, Band 146, S. 38.