SAiL. 152 Kalk- oder Mergelzufuhr überzeugt hatte, ließ er das Gutsgelände und die Nachbarschaft durch Ab ­ bohren untersuchen, ob aus dem Untergründe die nötigen kalkhaltigen Stoffe beschafft werden könn ­ ten. Die weitere Untersuchung ergab, daß auf einem benachbarten Basaltberge bei Schöneberg ein Rest von Muschelkalk vorhanden war, der sodann nach Beberbeck gefahren und mit Holz ­ feuerung zu gebranntem Kalk verarbeitet wurde. Der gebrannte Stückkalk wurde in kleine Haufen an bestimmt abgemessene Stellen auf das Feld gebracht, mit Erde bedeckt und nach dem Zer ­ fallen mit dieser vermengt und ausgebreitet, ein ­ geeggt und untergepflügt, eine Methode, die mit Bezug auf das Verstauben mit zu den bequemsten gehört. Erst dadurch ist es möglich geworden, Klee und Hülsenfrüchte zu bauen und die Tätigkeit des Bodens entsprechend zu fördern, so daß auch anspruchsvolle Pflanzen wie Raps und Weizen gebaut werden konnten. Als der um das kurfürstliche Gestüt hochverdiente Gestütsinspektor Renner im Jahre 1851 nach Beberbeck berufen wurde, stellte er die Bedingung, daß die Huten gekalkt würden, weil ohne Kalken auf dem kalkarmen Boden keine gedeihliche Pferde ­ zucht möglich sei, andernfalls würde er die Stelle überhaupt nicht annehmen können. ^Fortsetzung folgt.) Frühere Namen in Niederzwehren. Bon C. llsbeck. In jedem Orte besteht die Eigentümlichkeit, daß eine ganze Reihe von Eigennamen wiederkehren. So gibt es in Niederzwehren nach den Angaben des Kasseler Adreßbuches vom Jahre 1913 10 Familien Günther, 10 Rudolph, 10 Schröder, 10 Jordan, 11 Lipphardt, 12 Schaumburg, 12 Viehmann, 12 Müller, 13 Langmann, 13 Schau ­ mann, 13 Vollgraf, 13 Ziegler, 14 Gerland, 17 Hose, 17 Spangenberg, 17 Koch, 57 Siebert, Die Familien Hose, Spangenberg, Koch und Siebert sind demnach am meisten vertreten. Interessant ist es jedoch auch, den Namen der Familien nachzu ­ gehen, die in früheren Zeiten in hiesigem Orte ansässig waren. Sie sind entweder gestorben, ver ­ zogen oder ausgewandert und deshalb in Vergessen ­ heit geraten. Die Auswanderungen geschahen in den 40 er und 50 er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Das ehemalige Kurhessen zeichnete sich besonders stark darin aus. Während im Jahre 1843 nur 270 Personen ihr Vaterland verließen, um jenseits des Ozeans ihr Glück zu suchen, stieg die Zahl der Auswanderer im Jahre 1847 auf 2226, im Jahre 1854 sogar auf 9130, um in den folgenden Jahren allmählich bis auf etwa 2000 wieder abzuflauen. Die Ursachen dieser Land ­ flucht sind teils in den allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnissen der 50 er Jahre, teils in speziellen Zuständen des Landes zu suchen. Besonders waren es die Teuerungsjahre von 1852 bis 1857, die die geringen, unbemittelten Klassen der ackerbau ­ treibenden Bevölkerung in eine mißliche wirtschaft ­ liche Lage versetzten. Weiter machten die damals so geringen Tagelöhne vielen Personen den Er ­ werb ihres Lebensunterhaltes unmöglich. Dazu kamen die äußerst verlockenden Nachrichten über den auf leichte und schnelle Weise errungenen Wohlstand früher nach Amerika ausgewanderter Angehöriger und deren Freunde. Auch in Nieder ­ zwehren haben in jener Zeit zahlreiche Auswande ­ rungen aus diesem Grunde stattgefunden. Ich er ­ innere nur an den früheren Bürgermeister Johs. Appel, der im Jahre 1854 sein Hab und Gut verkaufte, um mit seiner Familie so schnell wie Möglich dem Lande der unbegrenzten Möglich ­ keiten zuzusteuern. Andere Familien sind seinem Beispiele gefolgt. Auf diese Weise haben eine nicht geringe Zahl Niederzwehren den Rücken gekehrt. Diesen und anderen Familien sollen einige Zeilen gewidmet sein. Die Angaben stützen sich entweder auf das älteste Steuerkataster vom Jahre 1772 oder auf die Einträge des ältesten Kirchenbuches vom Jahre 1788. In ganz früheren Zeiten wohnte hier das Adelsgeschlecht der Herren von Twern oder auch Twerne. Es gehört nach den Angaben aus Kopps Gerichtsverfassung dem niederen Adel an. über die Dauer und den Umfang ihres Besitztums, so ­ wie über ihre Herkunft und die verwandtschaft ­ lichen Beziehungen zu benachbarten Adelsfamilien erfahren wir nichts. Ihr Wappen, das uns über manches Aufschluß geben könnte, ist ebenfalls un ­ bekannt. Sicherlich hat unser Ort seinen Namen von diesem Geschlechte erhalten. Im 13. und 14. Jahrhundert finden wir die Herren von Twerne hier, in Kassel und später in Wolfhagen wohn ­ haft. Bürgerliche Familien, die sich von Twern nannten, lebten im 14. Jahrhundert in Kassel und Hersfeld. Von da aus verpflanzten sie sich nach Alsfeld und Marburg. Unter den Herren des Adelsgeschlechtes sind die Ritter Ludwig, Volk- nand, Volkhard, Gerlach, Heinrich und Konrad zu nennen. Ein Albert von Twern wandte sich