smiL, 30 SML. Sie machte „Ksch, ksch" und wiegte es zärtlich in den Armen. Langsam fing ich an zu frieren, fror, daß mir die Zähne klapperten, denn das Feuer hatte den Kampf mit der Kälte aufgegeben und war mutlos in sich zusammen gefunken. Von draußen fuhr der Nordwind gegen die Fenster und klemmte sich durch die Nitzen. „Hier ist es aber kalt " sagte ich. Ein Blick der Verachtung traf mich. Wie oft ist mir später dieser Blick begegnet. Der ganze Stolz der Armut ist darin. „Mir frieren noch nit - “ sagte Binchen. Und das Manschen lachte hell' auf. „Ja! Kalt is es, da derfen mer nachher ins Bett, wann mer's nit mehr aushalten. Das derfschst Du nit. Ihr hadd au nit so scheene Eisblumen an den Fenschlern." Nesn, das halten wir nicht. Und bei Tag ins Bett kriechen durfte ich auch nur, wenn ich krank war, und dann machte es mir keinen Spatz. Wie schön mußte es fein, fo ganz gesund im Bett liegen, wenn der Wind von draußen gegen die Fenster fauchte und all die silbernen Eisblumen blühen ließ. Ganz aufgeregt kam ich heim. Meine Abend- milch trank ich mit aufgestützten Ellbogen und schmatzenden Lippen. Mutter sah mich streng an und Vater fragte, ob ich das von den Schweinchen gelernt hätte. „Nein -" sagte ich stolz „von Müllers? „Überhaupt ist es da viel schöner, sie gehen schon bei Tag zu Bett, wenn sie frieren, und am Fenster ist alles voll Eisblumen. " Verächtlich maß ich unsre leeren Fensterscheiben. Mutter sah plötzlich ganz traurig aus, vielleicht beneidete sie Müllers auch. Aber das schien nicht der Fall zu sein, denn sie sagte mit tiefem Seufzen: „Die Armen." Vater meinte, sie solle es nicht gleich so zu Herzen nehmen, solche Leute feien stumpf und daran gewöhnt. Da wurde sie sehr aufgeregt: „G Fritz, gerade diese Stumpfheit, das ist das Fürchterliche." (Schluß folgt.) Aus Heimat und fremde. Hessischer Ge sch ichts verein. Auf dem wissen ­ schaftlichen Unterhaltnngsabend des K a s s e l e r Vereins sprach am 5. Januar Rechnungsdirektor Woringer über den Generalleutnant v. H a y n a u. Wilhelm Karl, Freiherr von Haynau war der natürliche Sohn Land ­ graf Wilhelms IX. und der im Jahre 1764 zu Biel in der Schweiz geborenen Rose Wilhelmine Dorothea Ritter, die nach Ankauf des freiadligen Gutes Lindental bei Wiesbaden durch den Landgrafen durch Diplom Kaiser Josefs II. vom 17. März 1766 in den Reichsadelstand unter gleichzeitiger Verleihung von 6 Ahnen erhoben worden war. An ihre Person hat die Sage die Räuber ­ geschichte geknüpft, wonach sie wegen Untreue im Turme der künstlichen Ruine von Wilhelmsbad hingerichtet sei, und diese Schauergeschichte ist auch in einen von I. T. H. Temme versagten Roman übergegangen, der sogar den Ort nach Wilhelmsthal verlegt. Sie heiratete später den Artillerieleutnant und Kriegsbanverwalter Johann Georg Kleinhans, den der Kurfürst 1606 zum Rentmeister in der damals kurhessischen Festung Babenhausen an der Gersprenz machte. Der Name Haynau kam durch Ein ­ schiebung eines n in den Namen Hanau zustande. Zum Unterhalt der drei Familien v. Hahn au. v. Hessenstein und v. Heimrod ivurden die sogenannten Salzkrenzer aus der Saline Nauheim angewiesen, eine Erfindung des später als Buderus von Carlshausen geadelten Schreib ­ lehrers der Haynauschen Kinder. Die Erträge, über die der Vortragende genauere Angaben machte, betrugen für die Familie Haynau 634 Taler. Wilhelm von Haynau, der eine gute Erziehung genossen hatte, trat nach einer kurzen Dienstzeit als Sekondleutnant in hessischen Diensten in das bayerische Heer ein, während sein Bruder Julius in österreichische Dienste ging. 1605, im Alter von 25 Jahren, hatte er Gelegenheit, bei den Kämpfen um Tirol am Passe Strub sich durch eine geschickt durchgeführte Umgehung auszuzeichnen. In seine Vaterstadt Hanau zurückgekehrt, trat er in Großherzoglich Frankfnrtische Dienste, und auch hier bot der 28. Oktober 1813 ihm Gelegenheit, als Major der Nationalgarde nicht ohne Erfolg die Wache an der Kinzigbrücke gegen marodierende Franzosen zu verteidigen. 1813 trat W. v. Haynau wieder in kurhessischc Dienste, als Oberst des Regiments Landgraf Karl und Kommandeur der ersten Brigade. Am 2. März 1814 setzte sich die dritte hessische Kolonne, bei der er sich, wie auch sein Halbbruder, Kurprinz Wilhelm, befand, in Marsch, um an der Einschließung der französischen Ostfeslungen teil »nehmen. Haynau blieb zuerst vor Luxemburg, übernahm dann am 22. März 1614 das Kommando des Blockadekorps vor Diedenhofen, das von dem General Hugo, Vater des Dichters Victor Hugo, verteidigt ward. Nach einigen Zwischenfällen hielt Hay ­ nau die Einschließung von Diedenhofen aufrecht, bis am 17. April 1814 der Waffenstillstand eintrat. An dem Feldznge von 1815 nahm Haynau als Kommandeur der ersten Brigade teil. 1817 ward ihm die schwierige Auf ­ gabe, die Bewohner des neu geworbenen Fulda für Hessen zu gewinnen, eine recht undankbare Aufgabe, die ein großes Geschick erforderte. 1818 zum Generalmajor befördert, blühte ihm schon 1826 wieder eine unange ­ nehme Tätigkeit, er sollte den mit seinem Vater ent ­ zweiten Kurprinzen znr Rückkehr nach Kassel bewegen. Bei dem 1830 drohenden Kriege mit Frankreich erhielt er das Kommando der hessischen, bei Kassel zusammen ­ gezogenen Streitkräfte, doch kam es nicht zum Kriege; 1831 wurde er Generalleutnant, 1832 Kommandeur der Infanteriedivision und ging 1847 in Pension. Auf seinem, an der Stelle des heutigen Schlachthofes ge ­ legenen Besitztum „Friedenruhe" beschäftigte er sich mit theologischen Grübeleien, — am 28. September aus dem Ruhestand zurückgerufen, mußte er den Oberbefehl nach verhängtem Kriegszustand übernehmen, bis die ein ­ rückende Bundesexekution seiner wenig angenehmen Tätig ­ keit ein Ende machte. 1854 gab er noch eine Schrift: „Der Tod, das Totenreich und der Zustand der von hier abgeschiedenen Seelen, dargestellt aus dem Worte Gottes, von Val. Ulrich Maywahlen" heraus. Am 21. Januar starb er. Sodann erinnerte Bibliothekar Dr. Hopf an den Jahrestag der kurhessischen Verfassung, den 5. Ja-