imtb 22 SWL. königin, die rührende Zeichnung des göttlichen Dulders mit dem schmerzlich gesenkten Haupt, die auch durch Modellierung betont ist, sprechen für die Beobachtungs ­ gabe und das Gefühl des Malers. Als originell kann die Umrahmung des Tabernakels m't der Riesenmonstranz gelten. Die mit sehr beschränkter Palette hergestellten Bilder heben sich durch frische Töne warm und freund ­ lich vom weißen Hintergründe ab. Durch geschickte Mischungen und überlegte Gegensätze hat der Künstler große Wirkungen erzielt. Ihrem Stil nach muß die Malerei gleich nach Fertig ­ stellung des Rohbaues aufgebracht sein. Anscheinend im 17. und 18. Jahrhundert wurden die Bilder überstrichen, wogegen die farbig behandelten Skulpturen am Taber ­ nakel und Getvölbeschlußstein unberührt blieben. Die in mattrotem Tone gehaltene, mit schwarzen und gelben Krabben besetzte Quadereinfassung des Triumphbogens scheint späteren Datums zu sein. Im Jahre 1890 legte man die Wandmalereien, die von einer Überarbeitung freigeblieben sind, zum größten Teile wieder bloß, während das Gewölbe noch heute unter der Tünche liegt. Die Zusetzung des Triumphbogens erfolgte bei einem Neubau des Schiffes, bei welcher Gelegenheit der ehe ­ malige Chorraum in eine Art Treppenhaus verwandelt wurde, das einerseits zu der an der Triumphbogenwand angebrachten Kanzel, andererseits durch eine in das Gewölbe eingeschlagene Öffnung in die Turmoberge ­ schosse führt. è«- 5elix Blangini, König Ièromes Generalmusikdirektor. Bott vr. Philipp Losch. (Fortsetzung.) Die Musiker des Königs, denen sich Blangini als Generalmusikdirektor vorstellte, bildeten eine stattliche Zahl von ettva 80 (?) Köpfen. Die meisten von ihnen verstanden fein Wort französisch, und Blangini verstand kein Wort deutsch. Die iuter- trationale Sprache der Musik mußte zur Verständi ­ gung ausreichen. Die Orchestermitglieder waren, tvie erwähnt, aus ben verschiedensten Kapellen, namentlich der Kasseler und Braunschweiger ge ­ kommen und es waren ausgezeichnete Künstler dar ­ unter. Blangini erwähnt besonders K e l l e r G ), den Cellisten Fency und die berühinten Wald ­ hornisten Gebr. S ch u n k e 6 7 ). Einen guten Ruf besaßen auch die Soloviolinisten M a r k m a n n , Fesca 8 ), Wiele 10 ), Georgis, der Oboist T h u r n e r 9 ) und der Fagottist G r a s b a u m. Als Direktor des Opernorchesters wirkte Legaye, früher in Braunschweig. 6 ) Karl Keller, vortrefflicher Flötist', * 1784 zu Dessau, t 1855 zu Schaffhausen, war zuletzt Theaterkapellmeister in Donaueschingen. 7 ) Michael (1780—1821) und Gottfried (1777—1840), Söhne eines Bäckermeisters in Schkortleben bei Weißen- sels. Auf gemeinsamen Konzertreisen errangen sie Welt ­ ruf. Gottfrieds Sohn Ludwig * 1810 zu Kassel 's 1834 zu Leipzig war der intimste Freund Rob. Schumanns und ein hochbegabter Pianist. 8 ) Friedr. Ernst Fesca, * 1789 zu Magdeburg, f 1826 zu Karlsruhe als Konzertmeister. Kam aus Oldenburg nach Kassel. Komponist von Kammermusik ­ werken. 9 ) Friedr. Eugen Thurner, * 1785 zu Mömpelgard, f 1827 zu Amsterdam im Irrenhause. Kam aus Braun ­ schweig nach Kassel. Machte zahlreiche Kunstreisen. Er war ein Better und Jugendfreund G. Dörings, der sein Leben und unglückliches Ende in der Leipz. Musikal. Zeitg. erzählt hat. 10 ) I. Wiele, * 1759, f 1819 zu Kassel. Kam aus Oldenburg. Vater des späteren Kasseler Konzertmeisters Adolph W. (1793—1845). Auch die Oper verfügte über ein tüchtiges Per ­ sonal, das aber zum Teil auch dem Schauspiel angehörte, so daß die kleinen Operetten und Vaude ­ villes besser besetzt waren und gegeben wurden, als die eigentlichen großen Opern. Als erste Sängerin glänzte Madame D e l y s mit einer auch in der Höhe klaren und lieblichen Stimme. Auch die Kammersängerin Madame Schüler trat zu ­ weilen im Theater auf, neben ihr Blanginis Schwester Felicità und Signora Taglioni, die Frau des 1. Tänzers, die auch eine gute Harfen ­ spielerin war. Von den übrigen weiblichen Kräften seien noch Madame V i g n y, Madame A st r u c, Madame Theodore und Mademoiselle Klara genannt. Die ersten Liebhaber der Oper wechselten häufig. Der Tenorist Der ub elle war vorher einer der Sterne der Pariser Oper gewesen. Auch C o u s i e r und C o r b e t waren gute Tenoristen und bezogen wie der Baritonist C h o d o i r und der Bassist Bernard hohe Gagen. In der letzten Zeit war Mr. Theodore als Tenorist beliebt. Noch besser wie um die Oper stand es um das Ballett, für das keine Kosten gescheut wurden. An der Spitze stand der Ballettmeister Pierre A u - mer 11 * * ), der sich in der guten alten Schule der Tanzkunst zu Paris gebildet hatte und im Arran ­ gement von Balletts, die mehr kleinen Komödien glichen, eine große Fertigkeit besaß. Erster Tänzer war Filippo Taglioni 1S ), der Vater der berühmten Maria Taglioni, mit einer Gage von n ) Später wieder an der Pariser Oper, wo er mit seinen Balletten große Erfolge hatte. U. a. arrangierte er die vielbewunderten Ballettdivertissements in der „Stummen von Portici" Scribe war mehrmals sein Mitarbeiter. Vgl. Orsncks Encycl. 4, 679. * 2 ) * 1777 zu Malland, f 1871 am Comersee. Seine Frau war eine Schwedin Marie Karsten. Ihre sämt ­ lichen fünf Kinder widmeten sich der Tanzkunst.