In München lernte er die Prinzessin M arie v. Hessen-Philippsthal kennen, eine gebo ­ rene Baronesse Verghe von Trips, die von ihrem Gemahl, dem späteren berühmten Verteidiger von Gaeta Prinzen Ludwig von Hessen-Philippsthal einst in sehr romantischer Weise aus einem Kloster entführt worden war. Die liebenswürdige, fein- gebildete Prinzessin bezauberte den jungen Künstler dermaßen, daß er seine ganze freie Zeit bei ihr verlebte. Seine Schwärmerei brachte ihn sogar mit der Münchener Polizei in Kollision, als er eines Nachts der Prinzessin eine Serenade bringen wollte, und die Nachtwächter kein Verständnis für den ruhestörenden Lärm dieses Ständchens bezeigten. Die Prinzessin starb bald darauf nur 33 Jahr alt in München. Ihre einzige Tochter Ka'roline traf Blangini wenige Jahre später in Kassel als Dame àu ?alai8 der Königin Katharina wieder. Sie heiratete dort 1810 den Palastmarschall Grafen de la Ville sur Jllon, von dem sie sich aber 1814 wieder scheiden ließ. Eine Zeit lang trieb sie sich in Italien mit dem-Leutnant Eggena aus Kassel herum. In Rom ging sie später eine zweite Ehe mit einem — Pianofortehändler ein und starb als Signora Angelini erst 1872 in einem dortigen Kloster. Blanginis Tätigkeit in München war nur von kurzer Dauer. Bald darauf ernannte ihn Napo ­ leons Lieblingsschwester, die Prinzessin Pauline, Gemahlin des Fürsten Camillo Borghese, zu ihrem Konzertmeister. Fast drei Jahre lebte er mit ihr zusammen als unzertrennlicher Begleiter und erklärter Günstling meist in Nizza, dann in Turin und Paris. Hier lernte ihn Jérôme, der im November 1809 nach Paris kam, kennen und machte ihm das Anerbieten, ihm als Kapell ­ meister und Generalmusikdirektor mit 12 000 Fr Gehalt und freier Wohnung nach Kassel zu folgen. Der 27 jährige Künstler zögerte nicht, den ehren ­ vollen Ruf anzunehmen, umso mehr, als feine Stellung bei der Prinzessin Pauline namentlich durch die Eifersucht des Fürsten Borghese immer schwieriger geworden war. Die romanhafte Er ­ zählung Oettingers, Blangini habe den König Jérôme bei einem -zärtlichen lête à Tête mit seiner Schwester Felicita überrascht und sei nur infolge dieser Überrumpelung mit seinem neuen Amte gewissermaßen abgefunden worden, ist wohl völlig aus der Luft gegriffen. Allerdings folgte auch Felicita Blangini ihrem Bruder nach Kassel, wo sie als Kammersängerin nicht nur durch ihre Stimme, sondern auch durch ihre reizende Erscheinung Aufsehen erregte. In Oettingers Ro ­ man spielt sie eine große Rolle als Geliebte des Königs und seiner Günstlinge. Das mag aber ebenso aus der Phantasie des Verfassers geschöpft sein, wie die Behauptung, daß sie sich vergiftet habe. In Wirklichkeit wurde sie im Jahre 1813 die Gemahlin des Hofbaudirektors Leo von K lenze, der seine große künstlerische Laufbahn in Kassel begannt und später als Architekt Lud ­ wigs I. von Bayern zu Weltruf gelangte. Sie starb 20 Jahre vor ihrem Gatten am 9. November 1844 zu München. Blangini machte die Reise nach Kassel in Be ­ gleitung des seinerzeit berühmten Miniaturmalers A u b r y, der den König und seine Gemahlin in Kassel malen sollte. Nach der Ankunft meldete er sich sofort bei dem Baron de B o u ch e p o r n , den er bereits von Paris her gut kannte. Damals war dieser Herr Boucheporn nur ein kleiner Be ­ amter bei der Lotterieverwaltung mit 1200 Fr Gehalt gewesen, jetzt hatte er sich als spezieller Landsmann Jerömes (er war ein geborener Korse) zum westfälischen Baron und Hofmarschall aufge ­ schwungen. Seine Frau, eine geb. Tesportes, war Hofdame der Königin. Sehr freundlich wurde Blan ­ gini auch von dem „Generalintendanten des Kgl. Hauses Laflöche" empfangen. Dessen Schwäge rin, die Gattin des Barons von Kendelstein, war sehr musikalisch und eine bemerkenswerte Schönheit. Lafleche selbst war ein solcher Liebhaber der Musik, daß er den Spitznamen il pazzo per la musica trug. * 5 ) Blangini erhielt von ihm eine reich aus ­ gestattete Wohnung in einem der Krone gehörigen Hause angewiesen, das noch das Wappen des Kur ­ fürsten von Hessen trug. -*) Vgl. Ph. Losch, Schönfeld S. 5 ) Es gab damals am Kasseler Hofe drei Lafleches, deren vermandschaftliche Beziehungen zueinander nicht klar sind. Alle drei stammten aus Marseille, l. Jean George Konstantin L., der Generalintendant, wurde 1808 zum Barou v. Keudelstein erhoben. Seine (Gemahlin Bianca Carrega aus Genua war die Geliebte Jérômes. 2. Lazare L., Maréchal des logis du palais. Komponist der Oper Les Rivaux, die 1812 in Kassel gegeben wurde. 8. Dessen Bruder Marseille L-, Maître des cérémonies. Gleichfalls Komponist von Opern, Kantaten und Liedern. Verheiratet mit Jennp Earrega, der Schwester der Baronin Keudelstein. Nach Fétis Musiklexikon hiest er J. A. Fléché, non de la Flèche. Gerber, Lex. d. Tonk. nennt ihn 3. A. Marseille de la Flèche. Tie beiden Schwestern Earrega verließen Kassel schon 18l2 in königlicher Ungnade. (Fortsetzung folgt.)