HessenlanO Hessisches Heimatsdlatt Zeitschrift für hessische Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst Rr. 21. 27. Jahrgang. Erstes November-Heft 1913. Der urdeutsche Name des Taunus. Von Professor Dr. K Der vielfache Widerhall, den meine im Laufe des Jahres 1912 über verschiedene hessische Namen ­ rätsel *) veröffentlichten Aufsätze hervorgerufen haben, veranlaßt mich, wenigstens zu einer dieser von mir behandelten Fragen, der Herkunft des uns durch die Römer überlieferten Bergnamens Taunus, in diesen Blättern nochmals das Wort zu nehmen und meine Ansicht, daß dieser Name sich von der volkstümlichen und noch heute ge ­ brauchten Benennung Höhe herleite, tiefer zu be- gründen. Ist es doch für die Urgeschichte des HefsenlandeS nicht gleichgültig, aus welcher Quelle die älteste, auf dessen erste Besiedelung zurück ­ reichende Namengebung geflossen ist. Der Name Taunus für das zwischen Main, Rhein und Lahn streichende Gebirge ist erst im Laufe des vorigen Jahrhundertes durch den Ein- *) Vgl. .Hessrnland" 1912 Nr. 1: Hessische Bergnamen. 1 Taunus und HunSrück; .Gießen» Anzeiger" Nr. 108: Die blinden Hessen, abgedruckt in verschiedenen Tages ­ zeitungen und zuletzt im .Hefsenland" Nr. 12. A. a. O. Nr. 125: Die Hunsrückberge der blinden Hunde-Hessen; Wochenbeilaae der .DarmstLdter Zeitung" Nr. 26: Der Name der Hessen; .Gießen» FamilienblStter" (Blg. z. ,®. Anzeiger") Nr. 110: Die Herkunft des Wortes Hanfe und feine Beziehungen zu dem Namen der Hessen. . Stuhl (Würzburg). fluß der Gelehrten und der Schule mehr und mehr gebräuchlich geworden. Noch bis zu Ende des 18. Jahrhunderts war der fast ausschließlich ge ­ brauchte Name des Gebirges „Die Höhe". Daher führen drei vor dem südöstlichen Anstieg gelegene Orte Homburg, Holzhausen und Rodheim den Beinamen „vor der Höhe" und die Gegend jen ­ seits des Gebirgskammes heißt daselbst „über der Höhe" und deren Bewohner „die Überhöchster". Der letzte Fürst aus dem Hause Hessen-Homburg, Landgraf Ferdinand (gest. 1866) hielt an der Benennung „Höhe" fest, so daß er, als die Stadt ­ behörde von Homburg vor der Höhe eine neue Straße „Taunusstraße" nennen wollte, dies ver ­ hinderte und die Beilegung des Namens „Höhe- straße" veranlaßte. Vgl. F. Wiesenbach, Die blinden Hessen, S. 14. Die herrschende Ansicht geht nun dahin, daß Taunus und Höhe sprachlich voneinander zu scheiden seien, wenn sie auch in Hinsicht auf die Bedeutung übereinstimmten, da nämlich Taunus das „keltische" Wort Dm, oder Daun „die Höhe" sei, dem man auch in so vielen auf ...äunum ausgehenden keltischen Städtenamen begegne. Vgl. Pauly, Realencyclopädie der klassischen Altertumsw. unter Taunus mons, 6. Bd. S. 1635.