vmtL, 255 «ML, Schon Jahr um Jahr hat der steinerne Roland am Gasthaus zum Schwan einen neuen König an sich vorüberziehen sehen. Es ist, als wenn jedes ­ mal an solchem Tage ein sonniges Lächeln über sein Steingesicht husche. Freut er sich über die Enkel, die Sitte und Brauch der Ahnen nicht in der hastenden, modernen Zeit untergehen lassen? — Erloschen ist der Festtrubel auf dem Griesgraben. Hinweggeweht sind Leben und Lust, Lachen und Scherzetz. Nur über die Wipfel der Linden läuft noch ein letztes Zucken und Lohen. Aber rings ­ um im reifenden Ährenfelde hebt ein Raunen und Flüstern an. Die vom Segen gebogenen Ähren ­ halme sind es, die wehmütig Zwiesprache hallen vom nahenden todbringenden Ernteschnitt. Sie erzählen von blitzenden Sensen und Sicheln und nervigen Fäusten. Und daran mangelt es den Wanfriedern auch nicht . . . Aus Heimat und fremde. Hessischer Geschichtsverein. In der gut besuchten Generalversammlung des Mar- burger Zweigvereins am 16. Juli erstattete der Vorsitzende, Archivrat vr. Rosen selb, den Be» richt über das abgelaufene Geschäftsjahr. Eine er» sreuliche Vermehrung der Mitgliederzahl war fest zustellen. Der Vorsitzende gab sodann einen lurzen Rückblick auf die Ereignisse im Vereinsleben seit der vorjährigen Mitgliederversammlung in Schmalkalden, aus die Vortragsabende und Ausflüge und forderte zum Besuch der diesjährigen Mitgliederversammlung auf, die vom 7. bis 9. August in Homberg a. d. Efze tagen wird. In Vertretung des abwesenden Kon- servatorS berichtete der Vorsitzende ferner über die Neuerwerbungen für die Altertümersammlung, über den Besuch der Sammlung, sowie über ihre Be ­ nutzung für kunstgewerbliche und wissenschaftliche Zwecke. Besonderes Interesse erregten die Mit- teilungen über die in dem abgelaufenen Geschäfts ­ jahre endgültig erledigte Teilung der Sammlung, bzw. den Austausch mit Kassel. Unter dem 19. Februar d. I. ist der gegenseitige Leihvertrag zwischen dem Kasseler Landesmuseum und dem Verein vom Kultusmini ­ sterium genehmigt worden. Demgemäß ist die Ab ­ gabe der aus der Vereinssammlung als Leihgabe dem Museum zu überweisenden Stücke Anfang April erfolgt, die Leistung der Gegengabe wurde mit Rück ­ sicht auf die großen, für die Einrichtung des neuen Museums in Kassel erforderlichen Arbeiten in beider ­ seitigem Einverständnis noch verschoben. Bisher ist nur ein großer Barockschrank aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts hier eingetroffen; doch konnte auch eine vorläufige Auswahl aus den vom Museum zur Verfügung gestellten Sachen in Kassel durch die Vertreter des Marburger Vereins vorgenommen werden. Noch nicht berücksichtigt wurden dabei die Prähistorie und die Münzabteilung; ausgesucht wurden Proben von Porzellan. Fayence und Steingut der ver ­ schiedenen hessischen Fabrikorte, Gläser, Schnitzereien in Bernstein, Elfenbein. Achat. Buchsbaum usw., auch Waffen und Möbel. Gewiß ist dieses noch kein gleichwertiger Ersatz für die von dem Verein ge ­ brachten Opfer, weder an materiellem noch an künst. lerischem Wert, andererseits ist nicht zu leugnen, daß die nach Kassel abgegebenen Stücke dort vielfach zu befferer Geltung kommen werden, und für die Vereinssammlung wird ein größerer Gegenwert in dem dauernden Austauschverhältnis zum Kasieler Museum liegen. Durch die bevorstehenden Zugänge aus Kassel wird auch für Gebiete, die hier bisher gar nicht oder für Studienzwecke ganz unzulänglich vertreten waren, doch so erhebliches Material der Marburger Sammlung zugeführt, daß ste wirklich nun den Grundstock für ein zweites hessisches Museum bilden kann. Die beträchtliche Ver ­ mehrung, die ihr infolge des Abkommens mit Kassel nun bevorsteht, läßt auch das Bedürfnis nach zweck ­ mäßigeren Räumen wieder stärker hervortreten, daher ist es erfreulich, daß durch den Beschluß der Stadtverordneten vom 19. Mai d. I. 30 000 Jt> als Grundstock für einen Museucksbau bewilligt worden find. Da außerdem die Gelder des Alter ­ tums» nnd Kunstvereins für diesen Zweck zur Ver ­ fügung stehen, so ist das Ziel einer Museumsbaues der Verwirklichung nahe gerückt. — Sodann er ­ stattete der Schatzmeister, Landgerichtsrat Heer, den Kassenbericht und legte den Voranschlag für das nächste Jahr vor; nach Bericht der Revisoren über die Prüfung der Rechnung wurde Entlastung er ­ teilt und der Voranschlag genehmigt. — Die Mit ­ glieder deS Vorstandes und des Redaktionsaus- schuffeS wurden auf Antrag aus der Versammlung durch Zuruf von neuem gewählt; der Vorstand besteht aus den Herren- Rofenfeld, Wenck, Heer und Giebel, die von Marburg zu wählenden Mit ­ glieder des RedaktionsausschuffeS find: Schröder- Göttingen und Wenck. — Es folgte der angekündigte Vortrag von Archivrat vr. Rofenfeld: Land ­ graf Friedrichll. von Hessen-Kassel und d i e H e r r e n h u t e r. In die kolonisatorischen Be ­ strebungen dieses Landgrafen gehört auch ein Versuch, eine Herrenhuter Niederlassung nach Kassel zu ziehen; der Gedanke dazu scheint durch einen Besuch Fried ­ richs in Neuwied 1781 angeregt zu sein, wo sich seit 1750 eine, damals in schönster Blüte stehende Brüderkolonie befand. Besonderes Interesse erregt