vmuL> 191 *w<b Und das Haus neben der Linde stand. Leben Sie wohl, Frau Prätorius, es kann mir nicht in den Sinn kommen, die Lehren ihres Galten um- zustoßen." Erft als er wieder draußen auf der Brücke stand, verging das Flimmern, das vor seinen Augen lag. Der frische Wind, der vom Wasser herauf kam, tat ihm wohl. Und dennoch konnte er die Röte des Unmuts über seine Ungeschicklichkeit im Benehmen gegen Frau Cöleste Prätorius nicht fort- fächeln. (Schluß folgt.) Aus Heimat und Fremde. Das Regierungsjubiläum des deutschen Kaisers wurde, wie in ganz Hessen, so auch in Kassel festlich begangen. Eine städtische Abordnung überreichte eine vom Maler Wittig an der Kunstgewerbeschule her. gestellte Glückwunschadresse. Diese zeigt in einem Umschlag aus grauem Leder mit Goldpressung auf Per> gament im oberen Teil des goldornamentierten Rahmens ein achteckiges Feld mit einer figürlichen Darstellung in der der Kaiser al» St. Michael allegorifiert ist. Der untere Teil enthält das Kasseler Wappen, zu dem das Steinrelief des alten Rathauses als Vorbild gedient hat. Dir Adresse hebt den Beschluß der städtischen Behörden hervor, mit einem Kapital von 25000 Mark eine Jubiläumsstiftung zu errichten, aus deren Zinsen Volksschulkindern der Besuch bestimmter auszuwählender Vorstellungen im Hoftheater er- möglicht werden soll. — Am Tage des Jubiläums hatten die Kasseler und auch eine Reihe hessischer Zeitungen Fest, nummern erscheinen lasten; u. a. brachte das „Kasseler Tageblatt" in seiner Festnummer eine Anzahl von Ab. bildungen. die sich auf den Kasseler Schulaufenthalt des da. maligen Prinzen Wilhelm beziehen. Hessischer Geschichtsverein. Am Ausflug des Kaffeler Vereins nach dem Karthause beteiligte sich eine große Zahl von Mitgliedern. Von Gensungen aus begab man sich zum Gasthos „Zum Heiligen ­ berg", wo der Vorsitzende General Eisentraut an die reichen geschichtlichen Erinnerungen des Heiligenbergs erinnerte und dann besonders aus die Geschichte des 1223 in Gensungen als Filiale des Ahnaberger Klosters begründeten Augustiner Nonnenklosters ein ­ ging. das etwa 200 Jahre blühte, um dann den Karthäuser Mönchen übergeben zu werden. Diesen schenkte Landgraf Ludwig II. auch die zerfallene Burg auf dem Heiligenberge. Dort bauten sie eine Kapelle und lasen allwöchentlich eine Seelenmesse, wie der Landgraf angeordnet. Das Kloster hatte drei stattliche Höfe in der Nähe in Besitz, den Nieder-, Mittel- undOberhof. Nachdem LandgrasPhilippd. Gr. das Kloster aufgehoben hatte, sank die Karthause allmählich zu einem Vorwerk der spätern Domäne Mittelhos herab. Landgraf Moritz ließ den Nieder- und Oberhos eingehen und später abbrechen, den Mittelhos aber zu einem landgräslichen Schloß her- richten. Ein 11 Fuß hoher eigentümlich gestalteter Ofen aus dem Jahre 1663, der bis vor einigen Jahren in einem Zimmer des Mittelhofes stand, schmückt jetzt das neue Landesmuseum. Im letzten Jahre des 7jährigen Krieges — 1762 — war diese Gegend links und rechts von Ende Juni bis Mitte August von zahlreichen Truppen der Alliierten und der Franzosen besetzt. Nach der Schlacht bei Wilhelmsthal am 24. Juni 1762 hatten sich die Franzosen nach Kassel und hinter die Fulda zurück ­ gezogen. Als Herzog Ferdinand, der ihnen zuerst zwischen Weimar und Hohenkirchen gegenüberstand, seinen rechten Flügel nach Süden — bis Gudens» berg und Fritzlar — ausdehnte, um den Franzosen die Zufuhr von Süden abzuschneiden, sahen sich auch die Franzosen genötigt, ihren linken Flügel zu verlängern und schließlich die Gegend am Heiligen ­ berg zu besetzen. Das Schloß Felsberg war von ihnen mit 1 Offizier und 4v Mann besetzt. Es wurde am 29. Juni von den Alliierten gestürmt und nun dauernd mit hessischen Jägern besetzt. Die Stellung der Franzosen am Heiligenberg lief Mitte Juli vom Mittelhos und der Karthause, wo sie starke Schanzen errichtet hatten, hinter dem Heiligenberg her über Beuern und Hilgershausen nach Elsers ­ hausen. In der Nacht vom 25. zum 26. Juli unter- nahmen die Alliierten einen Angriffauf diese Stellung, wobei es dem hessischen Oberst v. Gräffendorff ge ­ lang. die Edder zu überschreiten und den Feind aus Gensungen zu vertreiben. Die Franzosen räumten am 26. Juli die Stellung am Heiligenberg und zogen sich auf das rechte User der Fulda zurück. Am 17. August zogen sie aus dem nördlichen Hessen nach Süden ab. Die erwähnten, von den Franzosen bei der Karthause und dem Mittelhos errichteten Schanzen find noch gut erhalten. Die erstere liegt zwischen dem Kohlen ­ bergwerk und der Karthause, nordwestlich der Straße Gensungen-Melgershausen, auf einem Bergvorsprung. Sie ist vierseitig, nach der Straße zu offen. Die Schanze aus der Höhe über dem Mittelhos ist wohl die größte und best erhaltene Feldbefestigung in Heffen aus jener Zeit. Ihre 3 bis 4 m hohen Wälle umschließen ein geräumiges Viereck mit einer mächtigen kreisrunden und rings geschloffenen Bastion an jeder Ecke. Nach dem Kaffee trat man den Weg an in die reiche schöne Landschaft, besichtigte erst die Schanze bei der Karthause, dann diese selbst. Dom Kloster steht nur noch ein Teil der Kirche, die mit einem