150 9 mL, bald mit Bayern, Württemberg, Baden und Nassau, bald mit Hannover, Braunschweig und Oldenburg, sogar mit dem gehaßten Preußen, aber stets gab man die Verhandlungen wieder auf. Selbst den endlich erfolgten Abschluß des mitteldeutschen Handels ­ vereins, der aus Hannover, Kurhessen, Oldenburg und Braunschweig bestand, hielt man nicht ein. Es würde zu weit führen, wollte ich auf diese weit ­ läufigen Verhandlungen näher eingehen. Es möge genügen, darauf hinzuweisen, daß endlich am 25. August 1831 der Vertrag mit Preußen und Hessen-Darmstadt abgeschlossen wurde, durch den sich Kurhessen dem Zollverein anschloß, der damit eigentlich erst ins Leben trat. Kurhessen mußte nun seine Zolleinrichtungen mit den preußischen in Übereinstimmung bringen. Als Direktivbehörde wurde in Kassel eine Oberzoll ­ direktion errichtet. Unter dieser standen 5 Haupt ­ zollämter in Kassel, Karlshafen, Witzenhausen, Hanau und Marburg, die nun die Zölle und bald auch einige weitere, dem Zollverein gemeinschaft ­ liche Einnahmen, nicht mehr allein für Kurhessen, sondern für sämtliche am Zollverein beteiligte Staaten erhoben, unter die sie nach der Kopfzahl der Einwohner jedes Staates verteilt wurden. Die Einrichtung dieser Hauptzollämter entsprach ganz der preußischen, die sich seit 1818 bewährt hatte. An der Spitze standen ein Oberzollinspektor, ein Hauptzollamtsrendant und ein Hauptzollamtskon- trolleur. Diese drei bildeten den Vorstand des Amtes, daneben hatte der Oberinspektor besonders den äußeren Dienst und die Abfertigungen zu über ­ wachen, während die beiden anderen Hauptamts ­ mitglieder die Kassengeschäfte des Amtes besorgten. Die Zollabfertigung war Sache des Packhofsin ­ spektors und der Hauptzollamtsassistenten, von denen das Hauptzollamt in Kassel 5 erhielt, als zweite Abfertigungsbeamte wirkte ein Anzahl dem Amte bei ­ gegebener Steuerausseher. Das Hauptzollamt Kassel hatte nur eine geringe Grenzstrecke gegen Hannover, für die ihm die Nebenzollämter zu Sandershausen und Nieste unterstellt waren. Während in Preußen die Hauptzollümter nicht nur die Zollvereinsab- gaben, sondern auch die in ihrem Bezirke fälligen privativen preußischen Abgaben erhoben, konnte man sich hierzu in Kurhessen nicht entschließen. Man war aber wenigstens so vernünftig, den mit der Erhebung der kurhessischen privativen indirekten Steuern betrauten Ämtern die gleiche Einrichtung zu geben, wie den Hauptzollämteru. Diese Ämter hießen Provinzialsteuerämter und bestanden in Kassel, Marburg, Fulda und Hanau. Sie waren den Hauptzollämtern derart angegliedert, daß beide Ämter nur einen gemeinsamen Oberinspektor besaßen. Die Zollbeamten mußten übrigens auch ihre bis ­ herige blaue Uniform ablegen und die preußische grüne Zollsarbe annehmen. Wie erwähnt, besaß das Hauptzollamt Kastei eine Grenzstrecke gegen Hannover. Dieses König- reich, das damals noch in Personalunion mit England vereinigt war und völlig englischen Zwecken diente, war dem Zollverein nicht beigetreten, da es ein Haupteinfuhrland für die englischen Kolonial- und Fabrikwaren war und aus dem Zwischen ­ handel mit diesen große Einnahmen zog. Das Kasseler Hauptzollamt erhielt dadurch eine erhebliche Bedeutung, da nun auf der hannoverschen Straße von Münden her eine sehr lebhafte Einfuhr eng ­ lischer Waren nach Kassel stattfand. Äm Zoll ­ haus auf dem Sandershäuser Berg, das bis vor kurzem als Försterwohnung diente und vor dem noch die Stemsitze zu sehen sind, auf denen die Fuhrleute ihre Äbfertiguug erwarteten, wurden die Warenzüge unter Begleitung bewaffneter Grenz ­ aufseher nach Kassel auf den Packhof gebracht. Dieser Packhof, in dem das Zollamt seit 1832 untergebracht war, hatte eine interessante Ver ­ gangenheit. Das Gebäude war errichtet von Friedrich v. Rollshausen, der l 552 an dem Feld ­ zug Moritz' von Sachsen und Wilhelms IV von Hessen gegen Kaiser Karl V teilnahm und sich beim Sturm auf die Ehrenberger Klause auszeichnete, dann 1562 mit 2000 Mann den Hugenotten in Frankreich und 1567 mit einer Schar hessischer Reiter Wilhelm von Oranien in den Niederlanden zu Hilfe zog. Er hatte auf seinen Kriegsfahrten ein bedeutendes Vermögen erworben, von dem er auf seinem Gute zu Friedelhausen ein Schloß, das er Kleinfrankreich nannte, und in Kastei an der Fulda das Haus baute, das nach ihm der Oberstenhof genannt wurde. Er starb als Hof- marschall und Oberst der Kasseler Garnison. 1573 kaufte ihm Landgraf Wilhelm IV den Obersten ­ hof ab. Landgraf Moritz der Gelehrte 'schenkte den Hof seiner zweiten Gemahlin Juliane von Nassau als Wohnung, nach der er den Namen Nassauer Hof erhielt, der sich aber gegen den alten Namen des Oberstenhofes nicht behaupten konnte. 1736 wurde das Gebäude vollständig erneuert, war dann lange Zeit vermietet und diente teil ­ weise als Wildbretschirne. 1757 wurde es zur Abhaltung des katholischen Gottesdienstes für die französische Garnison der Stadt benutzt. Dieses Gebäude nahm nun, nachdem es abermals ganz umgebaut, namentlich in seinem mittleren Teil zu einer Zollniederlage eingerichtet worden war, das Hauptzollamt auf. Das an dieses anstoßende, bereits früher erwähnte Gebäude, das Amtshaus, wurde abgebrochen, und es entstand so ein geräu ­ miger, zur Aufnahme der Frachtwagen bis zu