vmtL> 36 s mt> antrat und durch sein geschildertes Verhalten sich das Wohlwollen des Adels völlig verscherzte. Da war es denn erklärlich, daß es dem Adel nur willkommen sein konnte, als ein neuer Thron ­ bewerber in der Gestalt Ottos des Ouaden auftrat, der behauptete, als Enkel ein besseres Recht auf die Nachfolge Heinrichs zu haben, als dessen Neffe Hermann. Als erster und mächtigster Bundes ­ genosse schloß sich Graf Gottfried VII. von Ziegen ­ hain dem Braunschweiger an. Ihm gelang es 1371, den hessischen Adel zu einem mächtigen Ritterbund gegen die Landgrafen zu vereinigen, der das Wappenbild des Ziegenhainers, den Stern, als Abzeichen annahm und danach der Sterner- bund genannt wird. Otto, der sich im allgemeinen mehr im Hintergrund hielt, und die Sterner trieben die Landgrafen gewaltig in die Enge. Als Hermann in der Fastenzeit des Jahres 1372 eine Versammlung der hessischen Städte auf dem Markte zu Marburg abhielt, da konnte er versichern, daß er seine sämt ­ lichen Anhänger mit einem Groschenbrot speisen könne. Die Städte verpflichteten sich dem Land ­ grafen damals zu treuer Hilfeleistung, aber das allein würde ihn nicht gerettet haben. Er mußte Hilfe von außen suchen. Am 9. Juni 1373 schloß er zu Eschwege mit den Markgrafen zu Meißen und Thüringen eine Erbverbrüderung, die den Braunschweiger Otto gänzlich von der Erbschaft des Hessenlandes ausschloß. Die Hilfe, die dem Landgrafen durch diese Einigung und den nach ­ folgenden Bundesvertrag vom 3. Oktober 1374 wurde, und die Gewißheit für den Braunfchweiger, daß das Hessenland für ihn verloren sei, blieben nicht ohne Wirkung. Wenn sich der Sternerkrieg auch noch längere Zeit hinzog, so gewannen die Landgrafen doch allmählich die Oberhand, und im Jahre 1374 kam es endlich zur Auflösung des Sternerbundes. Am 2. Juli 1375 verglich sich dann Otto der Ouade mit dem Landgrafen und verzichtete auf alle Erbansprüche an Hessen. (Fortsetzung folgt.» Das westfälische (8.) Armeekorps in Rußland 1812. Unter besonderer Berücksichtigung des ersten Teiles des Feldzugs (bis Moskau). Nach dem Vortrag von Exzellenz Generalleutnant Beß im Marburger Gefchichtsverein. Der Vortragende ging von der Absicht aus, der westfälischen Männer zu gedenken die vor 100 Jahren, um für einen Napoleon zu kämpfen, fremden Fahnen in fremdes Land folgten, in echter Soldaten ­ treue ihre Pflicht taten, aushielten, aus den Schlacht- seldern Rußlands dem deutschen Namen besondere Ehre machten und, fern von der Heimat, bis auf wenige zu Grunde gingen. Die Teilnehmer an dem Heereszuge, namentlich die Oberstleutnants von Loß- berg, von Conrady, der Kapitän v. Linsingen kamen hierbei zu Worte, auch wurden die Aufzeichnungen des Generals von Ochs des öfteren angeführt. Zunächst legte der Vortragende dar, wie Napoleon, der ein Riesenheer nicht nur bereit gestellt, son ­ dern auch in umfassendster Weise Vorsorge für dessen Verpflegung und den Nachschub getroffen hatte, es zu der erhofften Entscheidungsschlacht dicht hinter der Grenze nicht brachte, wie er den ausweichenden Russen ins Innere des Landes nachfolgen mußte und hierbei die Größe des Heeres zu seinem Ver ­ derben wurde. Ohne die heute uns zur Verfügung stehenden Hilfsmittel war damals ein so großes Heer nicht zu verpflegen und zu bewegen. Große, die Schlagsertigkeit in Frage stellende Verluste er ­ gaben die Märsche der zusammengehaltenen Massen schon von vornherein, Halte wurden nötig, während deren der Gegner sich dem Schlage entzog. Aus Magazinen und mittels Nachschubes in dem kultur ­ armen Lande zu leben, namentlich später, als die Hauptarmee in einer großen Kolonne marschierte, war ausgeschlossen, zumal die wenigen und schlechten Wege, sowie mangelnde Organisation des Fuhr ­ wesens die Nachfuhr erschwerten. Die Truppen waren aus Requisition angewiesen, und diese ver ­ sagte auf diesem Kriegstheater, bei feindlicher Be ­ völkerung und bei der ganz unzulänglichen Armee- Verwaltung völlig. Der Soldat mußte hungern, hals sich selbst, die Disziplin ließ nach, hörte schließlich aus. Daran ging das Heer zu Grunde — nicht etwa, wie Napoleon es verbreitet haben wollte, durch den Frost. Die Kälte und der Feind haben nur den Untergang des Heeres beschleunigt. Alle diese Umstände waren auch von bestimmendem Ein ­ fluß auf die Schicksale der westfälischen Truppen. Diese waren Mitte Februar 1812 kriegbereit, wurden als 8. Korps der französischen Armee unter dem General Vandanime formiert, erreichten An ­ fang Mai die Gegend von Warschau, und kanto ­ nierten dort bis Mitte Juni. Die 2. Brigade der 2. Infanterie-Division war nicht beim Korps an ­ wesend, das 1 Regiment beim Korps Macdonald, das 8. in Danzig erreichten erst im Oktober das Korps; das 4. wurde der Donau-Armee zugeteilt, blieb in Wilna und trat dann zum bayerischen