s««, 394 ernennen, der in der Wertschätzung der ungewöhnlichen Persönlichkeit Vilmars nicht so weit geht, wie sein neuster Biograph und auch der Schreiber dieser Zeilen. Bon den srstheren Versuchen, ein Lebensbild Vilmars in Buchform zw entwerfen, konnte weder Leimbachs anspruchloses Schriftchen, (1875) noch weniger aber die Arbeit eines ungenannten Zeitgenossen (1900) genügen, die in einer kritiklosen Ver- himmelung ihres Helden gipfelte. Auch Hopf erhebt nicht den Anspruch darauf, eine völlig objektive kritische Wertung Vilmars zu liefern, er sagt vielmehr selbst: „Ich konnte ihn nur so zeigen, wie ich ihn mit meinen Augen gesehn habe und noch sehe. Das aber sind die Augen nicht bloß eines nahen Anverwandten, der während feiner Schüler-. Studenten, und Kanditatenjahre (1856—68) int Hause des. verehrten Oheims ans- und eingehen durfte, sondern auch und vor allem eines dankbaren und treuen Schülers." Mag so auch verwandtschaftliche Liebe lind Dankbarkeit die Feder des Autors geführt haben, so ist. das jedoch in diesem Falle gewiß nicht zum Nachteile des Buches gewesen, dem auch ein Andersdenkender an keiner Stelle den Vor- wurf panegyrischer Kritiklosigkeit machen kann... Um der. Gefahr allzustarker Subjektivität zu entgehn, hat Hopf sich', bemüht, wo es nur ging. Vilmar selbst aus seinen ge ­ druckten und ungrdruckten Niederschriften, insbesondere aus seinen Briefen sprechen zu lasten, und damit ein Quellen- material zur Zeitgeschichte Kurhessens erschlossen, das in diesem Reichtum nur ihm infolge seiner nahen Stellung zu Vilmar zu Gebote stand. Das gilt namentlich von den mitgeteilten meist ungedruckten Briefen von und an Wilhelm Vilmar und Haflenpflug. während die der Brüder Grimm, Schwellers, Hoffmanns von Fallersleben.«, a. für den Germanisten von Interesse sein werden. Der vor ­ liegende Band reicht bis zum Jahre 1847. Im ersten Teile, der Vilmartz Lehrjahre (1800—1833) behandelt, fesselt die geradezu klassische Schilderung der Franzosenzeit nach Vilmars eigenen Aufzeichnungen, die mit zu dem Besten gehört, was aus seiner Feder gefloffen ist. Reizend ist auch die Erzählung seines ersten Liebestraumes. dessen Erinnerung ihn zeitlebens nicht vtrgesien hat. Daß der junge Student und Burschenschafter zeitweise so radikal dachte, daß er kurz nach der Ermordung Kotzebues ein Hoch aus Sand öffentlich ausbringen .konnte, wird manchem Leser eine verwunderliche Neuigkeit sein. Die Sturm- und Drang ­ periode seiner Lehrerzeit in Kirchhain, Rotenburg und Hers ­ feld bereitete die geistige Umwandlung vor, die in. politischer Hinsicht schon durch Vilmars Tätigkeit in der Ständekammer (1831—32) ihren Abschluß fand. Ganz neu und sehr intereflant find die hier zum ersten Male mitgeteilten Vor ­ gänge. die sich während der Abwesenheit des Kurfürsten von Kastei hinter den Kulisten der StändevttsamMlung. abspielten. Der zweite Abschnitt des Buches führt uns nach Marburg, wo Vilmars religiös-kirchliche Stellung den Standpunkt gewann, den er von da. an unverrückt- einnahm. Wer freilich im ihm einen der „Teufelsseher" und „Großmufti aller hessischen Mucker"-zu sehn gewohnt: ist. dem wird die Schilderung dieser Marbutger. Zeit' manche Überraschung bereiten. Im Mittelpunkt des geistigen und geselligen LebenS der Universitätsstadt stehend, genoß der bedeutende Schulmann und gefeierte Literarhistoriker damals in weitesten Kreisen uneingeschränktes Ansetzn und größte Beliebtheit. Das änderte sich erst, als die Stürme, der nachmärzlichen Zeit die Geister schieden undBilmar mit dem ganzen Ungestüm, seiner heißen Natur in den Kampf gegen die Revolution eintrat. Dieser Zeit deS Kampfes wird der zweite Band des. Hopfschen Werkes ge ­ widmet sein, der dies hochinteressante Lebens- und Zeitbild abschließen wird. Bock, Franz. Die Neuordnung der Kasseler Galerie. Eine museumstechnifche und kunstpäda ­ gogische Studie. 45 Seiten und 2 Abbildungen. Mar ­ burg (Adolf Ebel) ISIS. Preis M. 1.20. Dr; Georg Gronau, der neue Direktor der Kasseler Galerie, hat diese bekanntlich im Zeitraum eines Jahres einer völligen Neuordnung unterzogen. Ihn leitete dabei die Notwendigkeit, einmal die Buder der holländischen Schule von denen der vlämischen zu trennen, sodann die Säle nach Möglichkeit für die großen Bilder zu reservieren und die kleineren in-die Kabinette zu verweisen. Dadurch. , daß dabei eine Anzahl' Kopien im Depot verschwanden, wurde Raum für treffliche Originale geschaffen. Natürlich war der diese Neugestaltung leitende Grundgedanke noch komplizierterer Natur. Eine Konzession gegenüber de» Wünschen der Allgemeinheit bildete die Schaffung eines eigenen Rembrandtsaale». Im allgemeinen ist die Tren ­ nung der einzelnen Schulen mit geringen Ausnahmen durchgeführt. .Großer Wert wurde dann weiter auf den Wandanstrich, gelegt. Als unveränderliche Faktoren waren gegehen die Zahl der für etwa 800 Bilder bestimmten Räume und deren Beleuchtung. Diese Neuordnung hat nun den durch seine Kunstvorträge auch in Kassel weithin bekannten Professor an der Marburger Hochschule-vr. Franz Bock, der schon 1906 die Reformbedürftigkeit der Kasseler Galerie betont hätte, zu einer kritischen Studie veranlaßt. Er bemängelt darin zunächst die' auch zahlreichen anderen MuseumLbanten der gleichen EntstehungSzeit anhaftende , verfehlte Architektur, behandelt weiter die neue Farbentönuitg der einzelnen Wände und nimmt dann zu der Neuordnung- in den Sälen Stellung, auf die iin einzelnen einzugehen' hier zu weit'führen würde. Einen breiten Raum nimm! dann feine berechtigte Kritik der zwischen Bild undHahmen noch vielfach herrschenden Disharmonie ein. und es bleibt nur zü hoffen, daß auch für diese so notwendige Reform bald die nötigen Mittel winken. Gleichen Anklang wird die. eindringliche Klage darüber finden, daß in der Kasseler, Landesgalerie die Moderne bodenständige Heimatküntz immer noch nicht geziemend vertreten ist. dass das „Abendmahl" eines Bantzer nach Berlin., desselben Künstlers „Schwälmer Tanz" nach Hamburg gehen mußten. Daß dabei auch die wohlhabende Kasseler Bürgerschaft und ihre grrmge Neigung. daS eine oder andere Werk der heimischen, stunst drr.Galerre als Geschenk zu überweisen, ihren Treff wegbekommt, ist . nur zu berechtigt. Wann der vollberechtigte Anspruch der . lebenden hessischen .Künstler auf eine würdige Vertretung in der Kasseler Galerie durch Bewilligung der dazu not- . wendigen Ankaufsmittel Erfüllung findet, ist eine Frage. ; deren Beantwortung wohl leider noch in weitem Felde liegt.' Hbach. ; Ersen Mann, O. und Philipp!, A. Album der K'asfeler Galerie. Vierzig Farbendrucke. Mit histor. Einleitung und' begleitenden Texten. Leipzig ' . (E. A. Seemann). Preis geb. 20 M. ’ Diese Sammlung der wertvollsten Stücke der Kasseler Galerie iy der m ustergültigen weithin bekannten Reproduktion des Sermannschen Verlages bleibt immer eins der gediegensten . Geschenke, mit denen man Kunstfreunde erfreuen kann. Der . frühere Direktor der Kasseler Galerie gibt einleitend einen willkommenen Überblick über Geschichte und Entstehung dieser Jühchunderte alten bertzhmtyl fürstlichen Sammlung und schickt) abwechselnd mit Gcheiinrat Professor vr. Phi ­ lipp!, jedem einzelnen Bild dessen Geschichte sowie eine kritische und ästhetische, Würdigung voraus. So haben Fremde wie Einheimische Gelegenheit, sich die im Original geschauten köstlichen Kleinode der Kasseler Gemäldegalerie in meisterhafter Wiedergabe immer wieder vor Augen zu führen. Hbach. Ph'. L.