393 S«8L Öffentlichkeit trat. Da ist es kein Wunder, daß man sich mühte, dieser bereits in ungezählten Ausgaben und Aus ­ lagen verbreiteten, noch immer unübertroffenen Sammlung zu ihrem Jubiläum ein besonders schmuckes Gewand zu geben. Daß der Turmverlag sich entschloffen hat, seiner dreibändigen, von Ubbelohde meisterhaft illustrierten Aus ­ gabe eine illustrierte Auswahl in einem Bande folgen zu lassen, wurde schon an dieser Stelle erwähnt. Eine schlichte, für wenige Groschen erhältliche Auswahlsammlung bietet der bekannte Hendelsche Verlag, während Cotta die gesamten 200 Märchen (mit Einschluß der Kinderlegenden), von Reinhold Steig besorgt, im Jubiläumsjahr in 33. Auf ­ lage herausbringt. Und dieser Auslage werden jetzt, wo das gesamte deutsche Volk aus freiem Willen da« liebe alte Bnch in Pflege und Obhut genommen hat, weitere folgen. Die Steigfche Ausgabe bringt außer dem Vorwort des Herausgebers die Widmung der Brüder an Bettina von Arnim, die wertvollen. für uns Kaffelaner und Hessen besonders wertvollen Erinnerungen Herman Grimms an die Brüder und die selten zu sehenden Zeichnungen ihres jüngsten Bruders Ludwig Emil Grimm. Sie wird auch weiterhin besonders eine beliebte Geschenkgabe für Erwachsene bleiben. Ein großangelegtes Unternehmen bereitet sich im Eugen Diederichfchen Verlage zu Jena vor. Jetzt, wo die Gesamtheit immer mehr anfängt, sich auf die Grundlagen ihrer Kultur zu besinnen. haben eS die beiden obengenannten Herausgeber unternommen, das zerstreute und in der Fach ­ literatur aufgespeicherte Märchengut zu sichten und-zu sammeln, um eS wieder für alle fruchtbar zu machen. Die Märchenschätze der Welt sollen, aus alten Sammlungen oder neuen Quellen geschöpft, bunt und reich aneinander ­ gefügt werden. VolkSmärchenbände wie Kunstmärchenbände. Eingeleitet wurde diese ^Sammlung bereits in zwei Bänden durch die von vr. Paul Zaunert-Marburg mit den Holz- fchnittm Ludwig Richters und einem kritischen Apparat herausgegebenen »Volksmärchen der Deutschen" von MusäuS. Etwas ganz Neues brachte derselbe Herausgeber sodann durch eine Fortsetzung der Grimmschen Arbeit, indem er in einem Bande vereinigte, waS an deutschen Volksmärchen nach der Sammlung der Brüder Grimm zutage trat, deren Grundstock ja zumeist Heffen und Westfalen geliefert hatte, während hier in emsigem Sammeleifer alle deutschen Land ­ schaften herangezogen wurden. Neu in ihrer Art ist auch die von Friedrich von der Leyen-München besorgte, mit Initialen nach Art der Holzschnitte in den alten Volks ­ büchern geschmückte zweibändige unverkürzte Ausgabe der Grimmschen Märchen. Neu in ihr ist die organische An ­ ordnung. Sie führt, wie der Herausgeber in einer ge ­ diegenen Einleitung zufammenfaffend sagt, die Märchen von ihren dunklen und triebhaften Anfängen herauf über die germanische Heldenzeit und über die Fülle und die Wunder und die Gläubigkeit des Rittertums und mitten in das derbe, geschäftige und frohe Leben deS deutschen Bürgers und Bauern und wieder zurück zu Wundern und Feen und zu den Herzen der Kinder. So will sie anschau ­ lich machen, wie die Entwicklung der deutschen Literatur sich im Märchen spiegelt und zeigt in allem Wechsel auch die Kräfte, die immer in ihr wirksam waren. Damit bringt diese Sammlung also zum Ausdruck, was die Grimmsche Sammlung bisher der Wiffenfchaft bot. Einer späteren Forschung wird «8 vorbehalten bleiben, auch die Anfänge, die Verbreitung und die Schicksale jedes Märchens immer genauer zu bestimmen, das deutsche Gut fester gegen das fremde abzugrenzen und so die Art der Volks ­ tümlichkeit der deutschen Märchens immer reiner aufzufassen? Diese neue, gleichfalls für Erwachsene bestimmte Ausgabe wird in ihrer vornehmen Aufmachung auch dem Buch ­ liebhaber Freude machen. Hbach. i Die deutschen Sagen derBrÜderGrimm. Eine Auswahl mit vielen Bildern von O t t o U b b e l o h d e. 171 S. Verlag Abel & Müller, Leipzig. Geb. 3. M. BrüderGrimm. Deutsche Sagen. In Auswahl heraus ­ gegeben von Oskar Lang. Mit einer Einleitung und den Bildniffen der Brüder Grimm. Verlag Otto Hendel. Halle a. S. Brosch. 1 M.. in Leinen 1,35 M in Geschenkband 2 M. Während uns im Vorjahre eine vollständige sorgfältig redigierte Ausgabe der „Deutschen Sagen" von Adolf Stoll beschieden wurde, bringt jetzt der Abel & Müllersche Verlag. Leipzig, eine für die Jugend bestimmte Auswahl von 122 Sagen, zu denen unser Landsmann Otto Ubbe ­ lohde. der bereits mit seiner Illustrierung der Märchen eine schwerlich zu überbietende Leistung schuf, die Bilder zeichnete. Da er auch in diesen prächtigen Zeichnungen wiederholt Gelegenheit hatte. Hessisches zu bieten, wird diese auch sonst künstlerisch ausgestattete Ausgabe nament ­ lich unserer hessischen Jugend willkommen sein. — Wer nach dieser Seite hin keine Ansprüche stellt, sei auf die 206 Sagen umfassende wohlfeile Hendelsche Ausgabe ver ­ wiesen. Hbach. Alt Hessen. Zweites Heft. Alt Cassel. Mit Stadt' plan, 96'Tafeln und 75 Textbildern von A.Holt- meyer. 104 Seiten Text. Marburg (N. G. Elwert) 1918. Preis in Geschenkkartonage 2,80 M., geb. 4 M. Die glückliche Verbindung von Architektur und Landschaft hat in Kaffel harmonische Werte geschaffen, die dieser Residenz seit je ihren bevorzugten Rang unter den Städten Deutsch ­ lands sicherte. Zugleich bilden ihre Häuser, Straßen und Plätze wie in wenigen andren Städten ein lehrreiches Bei ­ spiel sowohl für die natürliche Bildung des städtebaulichen Organismus als Produkt eines Einzelwillens wie auch für besten Entstehung durch natürliches Wachstum. Gerade die noch viel zu wenig beachtete Schönheit der Kastrier Altstadt hat den Verfasser veranlaßt, ihr eine besondere Würdigung zuteil werden zu lasten. Aber er erstrebt dabei noch ein weiteres. Er will ein gutes Wort einlegen für die Erhaltung des schon so oft und namentlich in letzter Zeit bedrohten Alten, er will zeigen, daß diese alten Bauten nicht nur Sehenswürdigkeiten, sondern auch Kulturdenkmäler find. Diesen Vorsatz hat Holtmeher nun. wie das vor ­ liegende zweite Heft seiner Alt-Heffen-Serie zeigt, überaus glücklich angefaßt und ausgeführt, ganz abgesehen von der überraschenden Fülle prächtiger Bilder, die dem staunendem Auge verraten, wieviel Schönheit noch innerhalb KaffelS gleichsam verborgen ist. Darauf weist neben den Abbildungen auch der Text hin, der daneben in wirksamster Weise — eS fei nur an die Gegenüberstellung des alten harmonischen und deS „verschönerten" OpernplatzeS hingewiesen — immer und immer wieder zu erweisen sucht, daß zwischen den be ­ rechtigten Forderungen der Denkmalpflege und denen der praktischen Baukunst bei einigem guten Willen keineswegs Widersprüche zu bestehen brauchen. Man wird zugeben, daß ein solches Buch gerade in Kaffel vonnöten war. Da eS zudem jedem Kaffelaner eine wesentliche Bereicherung seiner heimatlichen Kenntnisse vermittelt, ist der Wunsch, eS nun auch in jedem Kaffeler Bürgerhause zu wissen, ein durchaus berechtigter. Hbach. Hopf. Wilhelm. August Vilmar. Ein Lebens-und Zeitbild. Bd. I. Mit einem Bilde. V, 462 Seiten. Marburg. M. G. Elwert). Preis geb. 7 M. Von der lange erwarteten großen Biographie Vilmars aus der Feder Wilhelm Hopfs liegt nunmehr der 1. Band vor. Daß das Werk eine oft empfundene Lücke in der hessischen Literatur ausfüllt, das wird auch derjenige an-