S-SSL, 383 S«8«L- tun haben. Bei einigen ist sogar die Umdeutung über Hünenberg, Hünenkopf, Hünenküppel, Hünenburg, Hünenpfalz, Hünenfeld, Hünen ­ grund u. ä., Weiler fortgeschritten zu Hüknei- berg^) (z. B. südlich von Mecklar, im Habichts ­ wald, bei Sontra, bei Hergershausen, zwischen Landefeld und Metzebach), Hübnerkopf 1S ), z. B. südwestlich von Langenbieber, zwischen Ersrode und Hausen, Kr. Notenburg, zwischen Rönshausen und Machtlos, Kr. Rotenburg) und Hühnerköpfeben (bei Schackau), zu Hübnerburg (westlich von Beuern, Kr. Melsungen). Hübnerküppel (östlich von Fulda), Hühnerbalz 19 ) (sehr oft, z. B. Wald- und Feld ­ name nördlich von Holzheim, Kreis Hünfeld), Hübnerfeld (bei Lutterberg), Hübnergrund (zwischen Allmershausen und Hos Hählgans bei Hersfeld), wobei die Anlehnung an die Hühner ebenso wie bei Huhnrain (Forst Niederbeisheim), Hubnstadt u. ä. zweifellos sekundären Ursprungs ist, genau so wie es sich mit der volkstümlichen Anlehnung an den Begriff „Hund" verhält. Wie weit die volkstümliche Umdeutung hier manchmal geht, dafür nur zwei Beispiele. Da man in Schwaben für Huhn schlechtweg Henne sagt 20 ), findet sich bereits 1356 sogar Hennenpuel und Hennenbül sehr zahlreich zur Bezeichnung von alten Grabhügeln, sogenannten Hünengräbern, an der obern Donau entlang, z. B. in Habstal, Grüningen, Reutlingendorf, Dietelhofen usw. Wir haben-hier doppelte Umdeutung, da außer dem Bestimmungs ­ wort bim auch das Grundwort bübel (— Hügel, An ­ höhe) infolge von Mißverständnis zu puel (Pfuhl) umgedeutet worden ist, so daß sich statt der ursprüng ­ lichen Bedeutung „Höhenhügel" (vgl. Hunbippel, im Schützer Volksmund Bezeichnung für Hünen ­ gräber) „Hühnerteich" ergibt. Ganz ähnlich ent ­ stand der hessische Flurname uffm Unckenpful 21 ) („auf dem Unkenteich") aus einer ursprünglichen Form uf dem ungern 22 ) bübel, d. h. auf dem Hügel, wo das Weidevieh Mittagsrast hält. Daß alle die Hundsrücks, Hundsköpfe, Hunds- küppel usw. in rauhem Gebirge und einsamer Gegend selten eine andere Bestimmung gehabt haben als weidenden Herden ein notdürftiges Futter * S. ") Vgl. auch Helm in den Hess. Bl. f. Volkskunde II, S. 84. ”) Sogar Hühnerkropf findet sich einmal als Flur ­ name bei Thalau. ’*) Vgl. hierzu Flurnamen wie Hahnenbalz, Hirsch ­ balz, die mit den betr. Tieren und der Balz ursprünglich nichts zu tun haben, vielmehr erst später dementsprechend eingedeutet find. '*) Buck, Oberd. Flurnamenb.. S. 107. *') Saalbuch des Amts Blankenstein Nr. 1586. ") Dial. für ahd. untern — Mittagsrast halten. Vgl. oben S. 1 Anm. 4. zu geben, wird durch Nachweisungen, daß viele dieser Höhen (z. B. der Hünstein bei Gladenbach, der Hünenring im Teutoburger Wald, die hünische Burg zwischen Hofgeismar und Kelse sowie am linken Ufer der Diemel zwischen Lamerden und Liebenau, die Hundsburg bei Kerstenhausen an der Schwalm) Überreste von Ringwallburgen besitzen und ehemals befestigt gewesen sind, daß ferner in der Nähe vielfach sogenannte „Hünengräber" und Hundsgräben, d. h. Schanzgräben sich befunden haben, nicht widerlegt. Im Gegenteil ist der Beweis geführt worden 22 ), daß diese Ringwallburgen viel ­ fach höchst unzulänglich waren, wenn sie einer größeren Menschenmenge mit Viehherden während mehrtägiger Belagerung Unterkunft gewähren sollten, da es den meisten an Wasser fehlte, und daher hat man m. E. nicht mit Unrecht den Ring ­ wallburgen die Bedeutung als Zufluchtsstätten im Kriegsfall abgesprochen. 2 *) Näher liegt hingegen die Vermutung, daß diese Steinwälle nichts anderes als eingehegte sommerliche Nachtquartiere für das tagsüber am Bergvorsprung (der stets mit einer Quelle versehen war) bzw. am Waldesrande sich aufhaltende Weidevieh zum Schutz gegen wilde Tiere gewesen sein können, während im Spätherbst die Winterquartiere im Tal bezogen wurden. Die Umwallungen bestanden nicht immer aus einem Steinwall, zuweilen genügte schon eine Land ­ wehr, wie dies auf der Hundsburg an der Schwalm nachgewiesen ist. 22 ) Sie waren von einem Damm 22 ) oder Graben umgeben, den man Hundegraben oder auch Hünengraben nannte. Es ist sehr wahrscheinlich, daß solche zum Schutze vor den wilden Tieren errichtete Gräben den Anlaß dazu gegeben haben, in späterer Zeit einen Befestignngs- oder Schanzgraben allgemein einen „Hundsgraben" zu nennen. 21 ) Mit dem Verfall solcher Nacht ­ quartiere geriet auch der Name und die Bedeutung eines Hünengrabens oder Hundsgrabens allmählich in Vergessenheit und es entstanden ganz ähnliche Umdeutungen wie mit „Hundsrück". So befindet sich nach Vesper 22 ) auf dem Ecksberg bei Völkers ­ hain im Distrikt Königreich in jetzt hohem Buchenbestande ein etwa 100 Schritte langer Stein ­ wall, der ehemals Hünengraben genannt wurde, ") Vgl. Jllgner a. a. O. S. 207. ,4 ) Mühlhause: Die Ringwallburgen in Oberhessen. Zeitsch. f. hefi. Gesch., N. F. 2. 811. ") Landau, Beitr. z. Hess. Ortsgesch., Zeitsch. f. hefi. Gesch. 8, 96. "j So liegt nach Jllgner a. a. O. S. 248 ein Hunds- .rück „neben dem alten Graben am Damm" ") Vgl. hierzu die Hypothese von Haa8, Fuld. Gesch -Bl. 1910, 121, 159, der das Wort vom altd. und „Wasser" herleitet. ") Der Kreis Homberg (Marburg 1908) S. 113.