leicht stilgerechtere aber nüchterne Art Herzogs. — Neben den für das Studium komponierten Werken schrieb Volckmar zahlreiche Vor- und Nachspiele, Festphantasien, Fugen und Sonaten. In seinem Nachlasse fanden ficheine Symphonie, ein Ora ­ torium (Johannes der Täufer), eine Oper in drei Akten (der verlorene Sohn) und eine Ouver- ture. Hermann Gehrig*) urteilt über die Volck- marschen Orgelwerke; „Sie zeichnen sich durch voll- kommene Beherrschung der musikalischen Formen, geistreiche thematische Bearbeitung der Motive, poetische Auffassung und einen großen Melodien ­ reichtum aus. Sie sind alle in ernstem Stile gehalten, stets dem hehren Instrumente und dem hei ­ ligen Zwecke angemessen, wo ­ für sie geschrieben wurden. Aus der Bachschen Schule hervorgegangen, hat sich Volckmar als Komponist eigene Wege gebahnt, ja er ist in einen gewissen Gegen ­ satz zu Bach getreten. Dieser ist durch und durch Epiker, Volckmar dagegen Lyriker und als solcher der großeErbe des ganz lyrisch angelegten Orgel ­ musikers CH. G. Rink." Die heutige Kritik lehnt vielfach die Kompositionen Volckmars ab. Er ist aus der Mode gekommen. Gewiß, er hat vieles geschrieben, was vergessen werden darf. Auch manche seiner Sonaten haben durch die zahlreichen Wieder ­ holungen derThemen oftmals eine ertötende Fänge. Aber viele seiner Werke lassen doch eine eigene Linie erkennen. Er hat es verstanden, dem strengen Stile eines Bach das Liedartige eines Rink hinzuzufügen. Über die harten, herben Linien des Kreuzes hat er Rosenranken gewunden. Bach und seine großen Genosien in Ehren. Aber die Ohren des gemeinen Mannes sind nicht ge ­ halten, sich durch deren Schöpfungen erbauen zu lassen. Und wo wären die Orgeln, darauf man den Großen Gehör verschaffen könnte? Wer unsere hessischen Dorskirchen mit ihren einfachen Werken kennt, weiß, daß sich hier der Organist bescheiden muß. In richtiger Erkenntnis dieser Sachlage schrieb Volckmar seine berühmten Vor- und Nach ­ spiele. (Tonger, Köln.) Diese schlichten, liedartigen *) Dr. W. Volckmar. Homberg (Fr. Settnickl 1888. Weisen, unter denen sich wahre Perlen befinden, sind so recht geeignet, den Mann aus dem Volke zu erbauen. Und hier hat auch der weniger ge ­ übte Organist Gelegenheit, den Gottesdienst seiner Gemeinde würdig gestalten zu helfen. Angesichts des 100 jährigen Geburtstags des Homberger Musikers wäre es wohl Ehrenpflicht, wenn man sich in Hessen seiner ein wenig erinnern wollte. Vor allem sollten doch am kommenden Weihnachtsseste in unsern hessischen Kirchen die Volckmarschen Weisen vorklingen. Hier muß rüh ­ mend hervorgehoben werden, in welch pietätvoller Art das Andenken Volckmars in der Wählershäuser Kirche gelegentlich der von unserer Kaiserin veranlaßten Orgelkonzerte gepflegt wird. Er ist es wert, denn er war unser. In Hersfeld erblickte er am 26. Dezember 1812 das Licht der Welt, wo sein Vater, ein geborener Schmalkalder und Schüler Vierlings, als ausgezeichneter Organist und Musiklehrer wirkte. 1817 siedelte er an das Gymna ­ sium zu Rinteln über, dem infolgedessen unser Hom ­ berger Meister seine Bildung verdankt. Unter gründlichem Unterricht von seiten seines Vaters, in anregendem Ver ­ kehr mit den adeligen Fa ­ milien von Dörnberg, Münch ­ hausen , Solms - Braunfels, wie auch in enger Freund ­ schaft mit Ötker und Dingel ­ stedt wuchs der musikbegabte Jüngling heran, um nach Absolvierung des Gymna ­ siums sich ganz der Musik zu widmen. Nach einer kurzen Wanderzeit übernahm er Ostern 1834 die Musiklehrerstelle am Landschullehrerseminar zu Kaffel, um sich dann bald daraus mit seiner Jugendfreundin Amalie Kröner, von Dingelstedt einst als Rintelns schönste Jungfrau besungen, zu vermählen. 1835 siedelte er mit dem Seminar nach Homberg über, um dieser Anstalt in hessischer Treue seine ganze Lebensarbeit zu widmen. Die Stadt, die ihn anläßlich seines 50 jährigen Dienstjubiläums zum Ehrenbürger ernannte, hat seinem Namen dadurch ein dauerndes Denkmal gesetzt, daß sie ein schönes Plätzchen an ihrem Schloßberg „Volckmarsruhe" taufte. Seine Grabstätte auf dem Friedhofe dortselbst ist zu einem Wallfahrtsorte hessischer Lehrer ge- vr. Wilhelm Volckmar.