Hessenlanö Hessisches Heimatsblatt Zeitschrift für hessische Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst Nr. 22. 26. Jahrgang. Zwettes November-Heft 1912. Der Name Hundsrück. Von vr. Wilhelm Schoos. Hamm im Trierischen Archiv, Ergänzungsheft 7 (Trier 1906) und Jllgner im „Hessenland" 1911, Nr. 15 und 17 suchen den Namen Hundsrück mit den altdeutschen „Hundertschaften" in Verbindung zu bringen, Vereinigungen benachbarter Ortschaften, besonders zu militärischen Zwecken. Trotzdem diese Annahme bereits von anderer Seite') verworfen worden ist, hat Stuhl neuerdings in einem Artikel „Die Hundsrücksberge der blinden Hunde-Hessen" 2 ) Jllgners Hypothese, die auf verdienstvollen örtlichen Feststellungen beruht, aufgegriffen und sie aus laut ­ lichen Gründen zu stützen gesucht, während er noch kurz vorher* *) den Namen Hundsrück als „Höhen ­ rücken" sprachlich gedeutet hat. Es dürfte aber trotz Hamm, Jllgner und Stuhl der Nachweis lohnen, daß die Hundsrücks weniger mili ­ tärischen als wirtschaftlichen Zwecken gedient haben, wie ich^as an anderer Stelle*) bereits angedeutet habe. Die von Jllgner für den Zusammenhang der Hundsrücks mit den altdeutschen Hundert ­ ') M ü l le r, Die Ortsnamen im Regierungsbezirk Trier. Jahresber. der Gesellschaft füt nützt. Forschungen (1909) 50. *) „Gießener Anzeiger" 1912, Nr. 125, zweites Blatt ') „Hessenland" 1912, Nr. 1. *) .Hess. Bl. f. Volkskunde" 1912, IX, Heft 2 u. 3. S. 225 ff. schäften angeführten Kriterien: ihre Lage an der Gemarkungsgrenze mehrerer Dörfer, gemeinschaft- liche Hutung von Nachbardörfern, das häufige Vorhandensein von Quellen, die sie zu Sammel ­ punkten mehrerer Ortschaften als wohl geeignet erscheinen lasten, die Ringwallburgen, die mehrere Hundsrücks aufweisen usw., bestätigen nur zu deutlich unsere Annahme, daß die Hundsrücks nichts anderes als Gemeinweideplätze für mehrere benachbarte Ortschaften gewesen sein können, wie z. B. auch nachgewiesen ist, daß der Hundsrück in der Rheinprovinz bis ins 15. Jahrhundert der Weidegemeinfchaft der umliegenden Orte gedient hat?) Wenn Jllgner sich über die Häufigkeit des Namens wundert, wenn er hervorhebt, daß der Name vielfach in Katasterkarten nicht mehr zu finden, sondern nur in der Bevölkerung und in alten Urkunden noch bekannt ist, so wird damit die enorme Ausbreitung der alten germanischen Weidewirtschaft mit ausgedehnten Weidegründen und einem reichen Viehbestand (numero gaudent sagt Tacitus) bezeugt. Als dann mit veränderter Kultur die Weidegrundstücke immer mehr ver- *) von Maurer, Einleit, zur Geschichte der Mark-, Hof- und Stadtverfassung (1896), S. 60.