srntL 342 vwl> Jahresversammlung zu Schmalkalden, die Jahr ­ hundertfeier der Schlacht an der Brücker Mühle am 22. September, endlich über die Tagung des GesamtvereinS der deutschen Geschichtsvereine zu Würzburg, bei der diesmal der Hessische Geschichts ­ verein durch den Marburger Zweigverein und zwar eben durch vr. Rosenseld vertreten war. Hierauf erstattete nachträglich Landgerichtsrat Heer den Bericht über seine Kaffenführung im letzten Jahre. Es folgte der angekündigte Vortrag von Archivrat vr. Rosenfeld: Mitteilungen über Bruno Hildebrand aus der Zeit seiner Mar ­ burger Professur (1841—51). Bruno Hilde- brand, geb. 6. März 1812 in Naumburg a. S„ hatte sich 1836 in Breslau habilitiert und war 1839 außerordentlicher Professor geworden. Bald daraus wurde die Aufmerksamkeit der Marburgtr philosophischen Fakultät aus ihn gelenkt, bei der der Lehrstuhl für Staatswiffenschasten seit längerer Zeit unbesetzt war. 1841 wurde er hierher be ­ rufen und hat 10 Jahre lang hier gewirkt, in einer Zeit wissenschaftlicher Blüte der Universität als einer ihrer glänzenden Vertreter. Aber guS Mißhelligkeiten mit der Polizeibehörde erwuchsen ihm Schwierigkeiten, die dazu beitrugen, daß sich aus einer Bagatelle, aus der Übertretung eines ihm nicht bekannten Verbots, eine fast 1 V-jährigeKriminal- untersuchung, Amtssuspension, Verhaftung für ihn ergaben. Das Vergehen bestand darin, daß er unter einer Menge Probenummern englischer Zei ­ tungen, die er 1846 von einer Reise nach London für das hiesige akademische Museum zur Ansicht mitbrachte, auch einige Blätter einer verbotenen Zeitschrift im Museum auflegen ließ, deren Verbot hier nie veröffentlicht worden war. Eine aus diesem Anlaß bei ihm veranstaltete polizeiliche Haussuchung gab ihm Anlaß zu Beschwerden und Klagen, die seine Sache nur verschlimmerte. Im Februar 1847 wurde er vom Amt suspendiert und auch trotz seiner Freisprechung in dem anhängig gemachten Kriminalversahren nicht rehabilitiert, erst im März 1848 unter dem liberalen Ministerium Eberhard erfolgte die Aushebung seiner Suspension. Im folgenden Monat wurde er zum Abgeordneten für die deutsche Nationalversammlung in Frankfurt erwählt, in deren volkswirtschaftlichem Ausschuß er tätig war, und in der er verblieb, auch als der Rest des deutschen Parlaments seinen Sitz nach Stuttgart verlegt hatte. Erst nach der Aufhebung des „Rumpfparlaments" im Juni 1849 kehrte er nach Marburg zurück und nahm im Juli einen Abgeordnetensitz in der Kasseler Ständeversammlung an. Vielfach ist er hier in politischen wie in volkswirtschaftlichen Fragen hervorgetreten. Als Ende-Februar 1850 die Reaktion auch in Kur- Hessen wieder zur Herrschaft gelangte, gehörte er seiner freisinnigen Richtung nach zu den schärfsten politischen Gegnern Haffenpflugs, aber die persön ­ liche gehässige Bekämpfung des Ministers durch die Liberalen mißbilligte er entschieden. Nach der Auf ­ lösung des Landtags im Juli 1850 nahm er in Marburg seine Lehrtätigkeit wieder auf, bis im Herbst 1861 ein Hochverratsprozeß vom Ministerium wegen seiner Beteiligung am Stuttgarter Rumpf- Parlament gegen ihn inszeniert wurde. Es gelang ihm, der Verhaftung sich noch rechtzeitig zu ent ­ ziehen und einem Ruf nach Zürich als Profeffor der Staatswiffenschasten zu folgen. — Die Zu ­ hörer dankten dem Vortragenden durch lebhaften Beifall, und Professor Wenck sprach aus, wie mit diesem aus umfassenden archivalischen Studien be ­ ruhenden Vortrag, der das menschliche Mtgesühl an den Kämpfen und Leiden des charaktervollen Mannes zu packen gewußt habe, in dankenswertester Weise die pietätvolle Anregung des verstorbenen Professor Varrentrapp zu einer Ehrung Bruno Hildebrands bei der hundertsten Wiederkehr feines Geburtstags ihre Erfüllung finde. Er gedachte ergänzend einiger kleinen Arbeiten Hildebrands zur hessischen Wirtschaftsgeschichte und seiner Verdienste um die Geschichte der Universität Marburg: im Februar 1848 veröffentlichte Hildebrand eine Urkundensammlung zur Geschichte ihrer Frühzeit unter Landgraf Philipp. Danach skizzierte Pro ­ fessor Troeltsch, der gegenwärtige Inhaber von Hildebrands Lehrstuhl, seine wissenschaftliche Be ­ deutung. Sie sei von Sombart angegriffen worden, aber in neuerer Zeit zu entschiedener Anerkennung gelangt. Hildebrands Arbeiten seien, wenn er auch nicht immer aus die geschichtlichen Quellen zurück ­ gehe, die Grundlage für diejenigen späterer Forscher geworden, auf seinen Schultern stehe Schmoller. Hervorzuheben sei, daß er praktische Ziele verfolgt habe, Conrad nenne ihn ein Organisationsgenie. So habe er u. a. eine Witwenkaffe begründet, habe für die Pflege der Statistik in Hessen grundlegend gewirkt und. ein trefflicher beliebter Lehrer, später in Jena ein erstes volkswirtschaftliches Seminar begründet. So reichen die Wirkungen feines Schaffens über seine Zeit hinaus. — Am Ende der Sitzung erläuterte noch Amtsgerichtssekretär Wessel die Tracht einer von ihm aufgestellten Puppe : die Tracht einer Frau von Haffenhausen bei Ebsdorf, die dort etwa 1885—1890 getragen worden ist und seitdem sorgsam verwahrt, sich sehr gut erhalten hat. Bemerkenswert waren seine Aus ­ führungen über die bunte oberhesfische Tracht überhaupt, die erst gegen Ende des 18. Jahr ­ hunderts die bis dahin übliche schwarze Tracht mit den Schnebbenhäubchen, wie fie noch heute