wwt, 341 tmb allerliebster Wichtigkeit die Brauen hoch und meinte: „Und noch eins, verehrter Kollege — Sie sehen doch etwas angegriffen aus, der Klimawechsel heischt eine vorsichtige Lebensweise. Gönnen Sie sich Ruhe und gute Pflege!" Beinahe hätte er laut gelacht vor Vergnügen. So machte er nur eine höfliche Verbeugung, lobte ihren Scharfblick und machte einige Bemerkungen über die Strapazen einer Forschungsreise. „Und das nächste Mal erzählen Sie mir von jenen Tempelruinen der Naturvölker, wollen Sie?" „Ich tue es nicht gern — denn die Summe dessen, was ich dort drüben enträtseln half, ist, daß jenem toten Volke, das so wunderliche Ruinenreste hinterließ, der Tod das Geschehen aller Geschehnisse war — die einzige Wirklichkeit, ein Schrecken und Grauen ohne Ende — glauben Sie mir, dort lernt man, wie riesengroß Sehnsucht werden kann." Und dann ging er, mit dem beschämenden Gefühl, zu viel gesagt und verraten zu haben. Kornette stand unter dem rosenumwachsenen Tor- bogen und sah hinter Hartmut drein, wie er eiligen Schrittes nach Wendelstein zuschritt. Er war länger geblieben, als es sonst bei einem ersten Besuch statt ­ haft ist. Dann wendete sie sich nach ihrem Garten zurück. Kinderlachen klang ihr entgegen, und rings ­ um grüßte sie Leben und Frieden, und dennoch flüchtete sie auf ihr Zimmer, wehrte den Kinder ­ händen, die sie am Kleid saffen und zurückhalten wollten, und warf sich in ihren Lesestuhl am Fenster, bedeckte die Augen mit der Hand und hätte fast geweint. * * * Als Hartmut nach Stunden — er hatte das Schloß auf einem Umweg erreicht — seinem Freund gegen ­ über saß. sagte er zu diesem „Frage mich bitte nichts! Doktor Wasmer hat meinen nervösen Zu ­ stand vollkommen erkannt und mir Ruhe — ab ­ solute Ruhe verordnet." Der Baron sagte leichthin: „Dazu braucht einer nicht Medizin studiert zu haben! Nur — wenn sie etwa meint, die Tropenfonne und dann der Klimawechsel seien es allein, so kann sie keine guten Diagnosen stellen, meine liebe Freundin Kornette — wenigstens nicht an einem Kollegen. Heimweh und Neid haben Dich zumeist ruiniert! Bitte wider ­ sprich nicht — ich lasse mir nichts ausreden." Wie dem auch sein mochte. Doktor Hartmut verlängerte seinen Aufenthalt in Wendelstein, denn die Lust bekam ihm vorzüglich. „Es ist nicht nur die Lust und die Pflege, sagte Bruno Wendelstein eines Tages mit leisem Spott — es sind auch seelische Momente, die den Welt- reisenden so vorteilhaft beeinflussen." „Spotten Sie doch nicht immer!" bat Fräulein Babette. „Renkt sich nicht alles vortrefflich ein?" —7 Ja, das tat es wirklich. Kein Mensch in Dorf Wendelstein wunderte sich, als Doktor Hartmut an einem schönen Herbslabend, der dem Tag voraus ging, den er für seine Abreise bestimmt hatte, mit Kornette Wasmer Hand in Hand durchs Dorf ging. Sie übergab ihm ihre Praxis, weil sie seine Frau werden wollte. Sie tat es mit leichtem Herzen und lachenden Mienen. Sie wußte ja ganz genau, daß sie für alle Zeit seine Gehülfin sein würde. Straub triumphierte. Er sagte zu seiner Schwester Babette und zu Bruno, den er immer noch gern einen Windhund nannte: „Hatte ich nicht recht? Sie gesellt sich ihrem Meister als Gehülfin zu." „Da kann gar nicht von Meister die Rede sein", ereiferte sich Babette — „vielleicht fand Doktor Hartmut seine Meisterin!" „Diese Angelegenheit ist doch entsetzlich einfach! Jeder von ihnen fand das andere Leben, in dem sich das feine ergänzte —" rief Bruno. Die Zukunft gab dem Baron Wendelstein recht. Kornette und Hartmut stimmten zu einander wie die Töne in einem Akkord, wenn sie in harmonischer Folge zu einander stehen. Aus Heimat und fremde. Hessischer Geschichtsverein. In der Monatsversammlung des Kasseler Vereins sprach am 21. Oktober vr. pdll. Butte von der Kaffeler Landesbibliothek über „Hersfeld und die Landgraf ­ schaft Heffen im 14. und 15. Jahrhundert". Wir werden den feffelnden Vortrag des Redners, der sich feit Jahren dem Spezialstudium der Geschichte HerSfeldS widmet, im Wortlaut veröffentlichen und können deshalb hier von einem näheren Eingehen auf dessen Inhalt absehen. In dieser Versammlung teilte übrigens der Vorsitzende General Ei sen t r a u 1 mit, daß die nächstjährige Jahresversammlung nicht in Allendorf, sondern in Homberg stattfinden wird. In der ersten Winterfitzung des Marburger Ver ­ eins am 22. Oktober hatte der Vorsitzende Archivrat vr. Rosenfeld zunächst geschäftliche Mitteilungen zu machen. Er begrüßte Archivdirektor Geh. Archivrat vr. Reimer, der früher lange Jahre dem Marburger Zweigverein angehört habe, als neueingetreteneS Mitglied. Weiter berichtete vr. Rosenfeld über die Ereignisse im Vereinsleben seit der Generalversammlung vom 9. Juli: über die