9«i& 337 vm> die Bergeswand geklebt, darüber das alte Schloß und die ehrwürdige Kirche, wo der großmütige Philipp einstmals jdie Edelsten seines Landes zu- sammenberufen. um zu beraten über die Lehren des Wittenbergischen Mönches. Und seit jener Zeit durfte in Hessen jedermann glauben, wie's ihm nms Herze war. Vor uns — fast möchte man es mit Händen greifen — liegt Zennern, ehedem zwei Orte, Ober ­ und Nieder-„Czenuern". Heute weiß kein Bauer mehr in jener Gegend etwas von dem Zwillings- dörflein. Vergessen ist das eine. Und noch nicht einmal in Flurncunen hat sich der Name erhalten. Wo einstmals elende Hütten gestanden, wiegen sich heute wogende Weizenfelder im lauen Winde. Ver ­ mutlich zu der Zeit der großen Seuchen, zur Zeit, da die Pest und der Schwarze Tod ins Land kamen, ist jenes Dörfchen Wüstung geworden. Nordwestlich liegt Gudensberg. Dicht dabei Maden, die ehrwürdige Gerichtsstätte; das alte Mattium, von dem Tacitus schon berichtet, daß sich dort die Chattenvölker versammelt, um ihren Spruch zu geben über Recht und Unrecht und zu beschließen ^über Krieg und Frieden. Dort war es auch, wo 1247 der Landtag zusammentrat, der die Geschicke Hessens entscheiden sollte für viele Jahrhunderte. „Und die Edlen des Landes kamen dort zusammen, die Ritter, die Grafen und Herren und Obersten aus den Städten, und sie wurden alle eins bei ihrem heiligen Eide, in Ehren und Treuen, tot oder lebendig, zu halten zu Heinrich dem jungen Herzog von Brabant, der heiligen Elisabeth Tochter ­ sohn." Und von Stund an war Heinrich, das Kind von Heffen, Herr geworden im alten Lande der Chatten. Und von der entgegengesetzten Seite grüßen uns die roten Dächer Fritzlars und die schlanken Türme des alten Peter-Thumbs*), der sich an der Stelle er ­ hebt, wo Bonifatius einst das erste deutsche Gottes ­ haus gebaut . Die alten, grauen Mauern der *) Thumb — Dom. Stadt und die zerfallenen Türme genahmen an längst vergangene Zeiten, da die Kriegsfurie durchs Land fegte dreißig lange schwere Jahre lang. Piccolomini, Gustav Adolf, die Kroaten, der kaiser ­ liche General Melander — von Geburt ein Hesse, der Vater hatte sich noch Holzapfel geschrieben — Tilly; alle, alle hatten ihre Spuren hinterlassen, die heute noch zu sehen und zu erkennen sind. Die zerfallenen Warttürine um Fritzlar, drüben gegen Zennern die Aue-Warte, bei Möllrich die Kasseler Warte, dort der Eckerich und die Helle- Warte bei Hadamar. Das Mainzer Rad, das alte Hoheitszeichen, ist an vielen noch zu erkennen.*) Vor hundert Jahren zog der Franzmann endlich fort, damals, als auch der König Lustik das Weite suchte. Und seit dieser Zeit hat keines Feindes Fuß die Stätte betreten, wo das Kreuz zuerst aufgerichtet war in deutschen Landen und von wo sein Glanz hinausstrahlte zum Wohle der deutschen Stämme. Aber dennoch ziehen sich von Zeit zu Zeit Heeres ­ massen dort zusammen, wenn der oberste deutsche Herzog seine Mannen mustern will und sein Kriegs ­ werkzeug prüfen zu des Reiches Wehr. Dann weht der Geist Heinrich des Voglers durch die Mannschaft zu Pferd und zu Fuß. In Fritzlar war Heinrich zum deutschen König ausgerufen worden. Ein freier deutscher Herzog wollte er sein, unabhängig von Rom und auch kein Zinsmeier der Hunnen. Seht Euch den „Neuen König" an von Wildenbruch, dann erlebt Ihr jene Zeit mit. „In dreien Monden werden die Schwaben vor Meißen stehn", so etwa ruft begeistert der Schwaben ­ herzog und bietet dem neuen König die Rechte. Und der Thüringer Herzog legt die seine dazu. — In dreien Monden werden die Thüringer vor Meißen stehen. — Und die Hessen, die Sachsen, die Franken, die Alemannen und der ganze deutsche Heerbann stand gegen die Hunnen an des Reiches Ostgrenze. Die Zennersche Ebene hat damals schon die deutsche Einh eit gesehen. *1 Vgl. S. 341 in diesem Heft. Oelsberg ittv 17. Jahrhundert. Nach Merian.