336 ssssL Gudensberg. Nach Meitzners Schatzkitstlein. Die Zennersche Ebene. Von vr. Hans Braun, Berlin. Von Kassel aus mag Dich die Eisenbahn bringen bis Wabern, wo heule noch das alle Landgrafen- schloß steht, von dem aus die Hessensürsten mit ihren Gästen zur Reiherbeize auszogen. In einer weiten Ebene liegt der Ort, und nach Nordosten sührt uns die Straße. Allmählich steigt sie an, und bald erhebt sich vor unseren Augen der eigen ­ artige, niedrige Kirchturm von Nieder-Möllrich. Dort oben hängt eine gußeiserne Glocke — ihrer drei gibt es nur im Hessenlande, Erzeugnisse der Hainer Eisenhütte. Um 1670 wurde sie dort oben aufgehängt und ruft seit dieser Zeit die Gläubigen zum Gebet und zur Andacht. Dann wendet sich die Straße nach Nordosten, immer höher geht sie hinauf, und kurz vor dem Banner und Obersten Holze liegt das kleine, nied ­ liche Cappel. Und dann geht es gen Abend weiter. Bald umfängt uns der Schatten der uralten Dorf ­ linde vor Ober-Möllrich. Höher als der Kirch ­ turm reckt sie ihre Äste gen Himmel — der Kirch ­ turm ist auch niedrig genug. Einer alten Deutsch- ordens-Kapelle gehört er an, die vor einigen Jahren erweitert wurde. Uuscheinbar wie das Kirchlein ist der ganze Ort. und niemand sieht ihm sein hohes Alter an. Ober- und Nieder-Möllrich sind keltische Ansiedelungen, und keltische Waffen, Schmucksachen und Hausgerät hat man ehedem auf dem Mord ­ berg bei Ober-Möllrich gefunden. Schon länger als 2000 Jahre wohnen Menschen an dieser Stelle des Hochplateaus. Und die wenigen Chattenfamilien, die die alten Keltenfitze damals einnahmen, haben dann droben bei Geismar die Axt des Winfried durch die Luft blitzen sehen, als es galt, der Welt zu zeigen, wer stärker sei der alte deutsche Donnergott oder der Mann aus Nazareth, der vor 700 Jahren noch unter den Menschen gewandelt. Solcher keltischen Siedelungen kann man noch viele von hier aus erreichen. Fritzlar — lar die Stätte^ der Ort — die Stadt des Friedens, Frideslaria heißt es in den alten Urkunden. Heßlar, Brunslar, auch Wabern und Zennern. Von einer Höhe hinter Ober-Möllrich genießt man einen herrlichen Rundblick in das berg- umkrünzte Land. Im Südwesten die Höhen des Keller- und sritzlarischen Waldes. Brausend kommt dort die Edder herunter und zieht sich wie ein silbernes Band im Sonnenschein vor uns her. um sich drüben mit der Schwalm zu vereinen. Welle auf Welle drängt sich über das Gestein im flachen Flußbett, und schäumend brechen ihre Kämme in sich zusammen. Bald wird sie ruhiger fließen, die unstete Edder, wenn droben die Talsperre fertig geworden bei Hemfurt. Die Kalbsburg kann man sehen. Dort führt die Straße über die Bergeshöhe nach Kleinenglis, wo Ludwig gegen Mainz gefochten und wo der Braunschweiger Herzog erschlagen ward, als er Deutscher Kaiser werden wollte. Links ragen aus der Ebene die Trümmer der Altenburg empor und die traurigen Reste der Felsburg. Homberg, an