$34 9 mtb Aus den Schreckenstagen von 1812. Von Jrmengar Mit besonderem Interesse blättern wir nach hun^ dert Jahren in solchen Familienpapieren, die uns persönliche Kunde geben von dem gewaltigen Völker- ringen, dessen Triebfeder der große Korse war. Neben den Umständen, die zu der Katastrophe führten, finden wir in der hier folgenden Dar ­ stellung Mitteilungen eines Kämpfers aus der Schlacht an der Beresina (vom 27 bis 28. No ­ vember 1812), die kennzeichnend sind für die traurige Lage der Überlebenden. Karl Ludwig Reichsfreiherr vonBoyne- burg wurde mit einundzwanzig Jahren 1806 durch den Landgrafen zu Hessen zuni Leutnant im Hessischen Chevaulegers-Regiment ernannt und trug während der Feldzüge 1807—15 in Preußen, Österreich, Rußland, Sachsen und Frankreich die gleiche Uniform. Er führte das Regiment nach der Verwundung des Majors von Münchingen in der Schlacht bei Aspern 1809 ; während der Schlacht an der Beresina 1812 und nach dem Tode des Kommandeurs, vom 5. September bis 3. November 1813 im Felde. Wie das badische Husarenregiment gehörten die hessischen Chevaulegers zum 9. französischen Armee ­ korps, das 1812 Marschall Victor befehligte, und zur Kavalleriedivision Fournier. Der Sieg bei Smolensk am 17 August 1812 und die blutige Schlacht an der Moskwa am 7. September, nach der 3000 Leichen das Schlacht ­ feld bedeckten, öffneten endlich am 15. September dem erschöpften und gelichteten Napoleonischen Heere Moskau, wo Napoleon einen Ruhepunkt bis zum nächsten Frühjahr zu finden hoffte. Doch der Brand dieser ungeheueren und an Hülfsquellen reichen Stadt vereitelte mit einem Schlage alle Hoffnungen und Berechnungen. Nachdem Napoleon einen ganzen Monat in den rauchenden Trümmern der Stadt verweilt und bettt täglich wachsenden Feinde vergebens den Frieden angeboten hatte, entschloß er sich mit seinen ent ­ mutigten Truppen zum Rückzüge an die Dwina und den Dnjepr. Bei günstigem Wetter begann er am 15. Oktober mit der Ausführung dieses Planes. Allein schon Anfang November trat eine ungewöhn ­ liche Kälte ein, die bald auf 15—20 °R stieg. Von den Russen lebhaft verfolgt und überall umgeben mußte Napoleon alle Mittel aufbieten seinen Rückzug zu beschleunigen, der außer der Kälte noch durch die bei der Armee eingerisfene Unordnung und den Mangel an Pferden erschwert wurde. von Quistorp. Am 1. Oktober hatte das Korps die Gegend um Smolensk verlaffen. Durch fortwährende, fast täglich mit Gefechten verbundene Hin- und Her ­ züge, suchte Marschall Victor die rechte Flanke der Straße von Orscha nach Borissow, auf der sich Napoleon von Moskau zurückzog, gegen das Vor ­ rücken der Russen zu decken. Fournier hatte sich zunächst nach Witebsk und Lucolm begeben. Bald nach ihrer Ankunft dort wurde die Division bei Tagesanbruch durch einen groben Schnitzer der Feldwache von starker russischer Kavallerie überfallen. Die der Wache zunächst einquartierte Eskadron des Prinzen Emil von Hessen, geführt von Rittmeister Baron Boyneburg, rettete in der Hauptsache die Situation. Nachdem die Division wochenlang die Gegend um PoloSk' und Witebsk durchstreift hatte, was für einzelne Schwadronen mit anstrengendem, oft Tag und Nacht ununterbrochenem Avant- und Arrieregardedienst verbunden war, erreichte sie end ­ lich am 27. November Boriffow. Die hessischen Chevaulegers und die badischen Husaren erhielten den Befehl sich nach Studzianka zu begeben, um längs der Beresina in der Nähe der Brücken, deren Grundlegung Napoleon selbst überwacht hatte, Stellung zu nehmen und vor ­ läufig dort zu biwakieren. Der Übergang des Heeres ging schnell genug vonstatten, solange die Truppen geordnet mar ­ schierten. Am 27. November abends aber begann ein Drängen, das infolge des Schadhaftwerdens der Brücken andauernd zunahm. Soldaten, Wagen, Pferde kamen in verwirrten Haufen bei den Brücken an und bildeten eine undurchdringliche Maffe vor diesen, durch die man sich nur mit.Mühe und Gefahr einen Weg bahnen konnte. Lange vor Tage trafen am 28. November Flücht ­ linge von Deletres Brigade in Studzianka ein und meldeten die gänzliche Vernichtung und Ge ­ fangennahme der Division Partonneaüx und Bri ­ gade Delstre. Diese Truppen waren in Boriffow zurückgeblieben, um dem Korps Victor und den Massen von Nachzüglern den Rücken zu decken. Auf diese Unglücksbotfchaft der Flüchtlinge hin wurde eine starke Husarenpatrouille unter dem badischen Oberleutnant von Amerongen auf Kund-, schast nach Boriffow entsendet, und als diese bis gegen 8 Ühr früh nicht zurückkehrte, die Eskadron Boyneburg hinterher geschickt. Marschall Victor erteilte dem Rittmeister persönlich den Befehl, längs der Beresina zu reiten, um gleichzeitig zu prüfen,