9W&L 310 werden. Stand ihnen doch in Prof. Schwarz-Roten ­ burg ein kundiger und geschickter Führer zur Der- fügung, und sein lebhaftes Interesse, das er an der Burg nimmt, mußte bei seinen Zuhörern Interesse ^ erwecken. Das galt nicht bloß für die Besichtigung‘ der Ausgrabungen an Ort und Stelle, sondern auch für den geschichtlichen Abriß, der nachher im „Engel" geboten wurde, besonders aber für die Erklärung der gemachten Funde, die am Schluß vorgezeigt wurden. Den Dankesworten, die Tierarzt Friederich dem Vortragenden zollte, hat sich jeder gern an ­ geschlossen. Marburger Hochschulnachrichten. Zum Rektor der Universität wurde für 1912/13 der Direktor des staatswisienschastlichen Seminars Prof, vr. Troeltsch gewählt. — Dem Direktor der medizinischen Klinik Prof. vr. M a t t h e s wurde der Charakter als Geheimer Medizinalrat verliehen. — Der Vorsteher der Kgl. Universitätsbibliothek Ge ­ heimrat vr. Johannes Roediger war am 1. Ok ­ tober 25 Jahre in seinem Marburger Amt. — Der außerordentliche Pros. vr. E. Göppert in Heidelberg wurde zum Abteilungövorsteher am anato ­ mischen Institut und zugleich zum außerordentlichen Professor in der medizinischen Fakultät ernannt. — Mit Beginn des Wintersemesters tritt vr. phil. Erich Obst als Privatdozent für Erdkunde in den Lehr ­ körper der philosophischen Fakultät ein. — Kürzlich machte folgende Notiz die Runde durch die Blätter: „Marburg, 20. Sept. Der zum Nachfolger von Professor v. Sybel ausersehene Archäologe Professor vr. Pernice aus Greifswald hat den Ruf nach hier unter der Begründung abgelehnt, daß die Marburger archäologischen Sammlungen und die dafür vor ­ handenen Räume nicht die Gewähr für eine erfolg ­ reiche Lehrtätigkeit bieten." In der Tat, schreibt hierzu die „Oberh.Ztg.", sind die Hilfsmittel unserer Universität gerade für dieses Fach außerordentlich schwach. Wir haben kürzlich erst daraus hingewiesen, wie die hessische Landesuniversität von unserer Re ­ gierung überhaupt sehr stiefmütterlich bedacht wird. Unseres Erachtens ist es nötig, daß aus Marburg selbst und nicht nur von. der Universität mit Nach ­ druck darauf gedrungen wird, daß für unsere Uni ­ versität .endlich mehr getan wird, so daß derartige Notizen, die natürlich nicht geeignet sind, den Ruf Marburgs zu heben und die iyit Vorliebe vor Semesteransang von irgend einer Seite (jedenfalls aber nicht ans Marburg) in die Presse lanciert zu werden scheinen, endgiltig verschwinden müsten. Personalchronik. Am 16. September beging zu Fronhausen der Archivdirektor a. D. Geheimrat vr.Mr. Gustav Freiherr Schenck zu SchweinS ­ berg seinen 70. Geburtstag. — Das gleiche Alter erreichte am 22. September zu Straßburg Profesior vr. Stilling, ein geborener Kaffetaner und Sohn des berühmten Geheimrats Stilling. Er war vor seiner Berufung nach Straßburg Augenarzt in Kassel und veröffentlichte hier seine grundlegenden Forschungen über Farbenblindheit. — Bei der Präsentalionswahl des Vertreters der Residenzstadt Kassel im Herrenhause wurde vom Magistrat Ober ­ bürgermeister vr. Scholz gewählt. — Der lang ­ jährige Direktor des Kgl. Staatsarchivs zu Mar ­ burg Geheimer Archivrat vr. Gustav Koennecke trat am 1, Oktober in den Ruhestand. An seine Stelle trat der Archivdirektor Geheimer Archivrat vr. Reimer von Koblenz. — Der Niederhessische Touristenverein enthüllte am Hohengrasturm ein bronzenes Proträtrelief seines Ehrenmitgliedes und früheren langjährigen Vorsitzenden, des Landesrats a. D. Hermann Klösfler. Hochzeitshaus in Marburg. Herr vr. Holt- meyer hat in der letzten Nummer dieser Zeitschrift in einem lesenswerten Aussatze über „Ältere Gemeinde ­ bauten in Hessen"' auch Bild und Beschreibung des Hochzeitshauses in Marburg gebracht. Dies Haus ist aber tatsächlich nie ein Hochzeitshaus gewesen, ja es hat wohl überhaupt nie ein solches in Mar ­ burg gegeben. Die Bezeichnung Hochzeitshaus für das stattliche Gebäude in der Nikolaistraße (die heutige Loge) hat erst der alte Bücking, Marburgs vor wenig Jahren im hohen Greisenalter verstorbener hochverdienter Lokalhistoriker, ausgebracht aus einem Mißverständnisse, indem er dies steinerne Haus mit dem noch dem 13. Jahrhundert entstammenden Steinhause (domus lapídea) am oberen Markte ver ­ wechselte, in dem wohl im 15. Jahrhundert hin und wieder größere Feierlichkeiten, auch in Gegen ­ wart des Hofes, stattgefunden haben. Das zu Unrecht so genannte „Hochzeitshaus" in der Nikolaistraße, über das auch in diesen Blättern (1906, S. 252/53) zuletzt noch vr. Bückings Nichte, Frau Emma Braun, geschrieben hat, stammt nicht, wie dort zu lesen ist. aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts (zwischen 1350 und 1380), sondern ist erst wesent ­ lich später entstanden. Ein sehr vermögender Mar ­ burger Bürger, Hermann Schwan, an den auch noch der Schwanhof in der Schwanallee erinnert, hat es, anscheinend mit landgräflicher und städtischer Unter ­ stützung, in den Jahren 1528—1530 errichten lassen, als ein reines Privathaus, das als das Stein ­ haus, der neue Steinbau, der Steinenbau zum Schwan und ähnlich vielfach genannt wird. Er hatte ur ­ sprünglich eine noch weit imponierendere Lage als heute, denn es erhob sich weithin sichtbar über dem Kornmarkte, der damals den ganzen Flächenraum