Hessenlan- Hessisches Heimaisblatt Zeitschrift für hessische Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst Rr. .16. 26. Jahrgang. Zweites August-Heft 1912. 78. Jahresversammlung des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde. DerVerein für hessische Geschichte und Landeskunde tagte vom 8. bis 10. August in Schmalkalden. Hatte man wegen der weiten Ent. sernung von Kassel und Marburg einen mangelhaften Besuch befürchtet, so war man angenehm enttäuscht, denn die Zahl der auswärttgen Teilnehmer über ­ stieg die 80, und die Einheimischen, auch solche, die als Mitglieder des Hennebergischen GefchichtSvereinS nur im „Kartellverhältnis" standen, halten fich zahl- reich zu den Veranstaltungen gemeldet. Für^ den Thüringischen Geschichtsverein hatte sich Bibliotheks ­ direktor vr. BrandiS-Jena, für den Hennebergischen Verein in Meiningen Oberbaurat Fritze, für den Verein der Hessen in Berlin vr. Braun angemeldet. Zum ersten Male war auch die Studentenschaft offiziell vertreten durch 8 junge Herren aus Mar- bürg, davon 6 Mitglieder des historischen Vereins resp. des Seminars; dazu kamen am 9. August nahezu vollzählig die ort-anwesenden Ferienstudenten. Hoffentlich bleibt diese Beteiligung des jungen Nach ­ wuchses eine ständige Einrichtung. Am Empfangstage mußten wir unsere Gäste mit dem Regenschirm abholen, aber am 9. August konnte man den programmäßigen Frühschoppen im Schloß ­ hof unter blauem Himmel trinken, und ebenso herr ­ lich lag die Sonne am Ausflugstage über dem weiten Werratal. Nach alter Übung tagte am ersten Nachmittage nur der Gesamtvorstand, und zwar im Audienzsaal des alten Rathauses, wo vor fast 400 Jahren schon die Schmalkaldischen Bundeshäuptlinge beratschlagt hatten, und wo das schöne Tischbeinsche Repräsen ­ tationsbild Landgraf Friedrichs II. von der Wand herabschaut. Um 9 Uhr abends ging es eine Etage tiefer in den Ratskeller, die gotische Halle, deren dunkle Balkendecke auf 2 Paar schweren Holzstützen ruht. An den Wänden hingen alte Ölbildniffe, darunter die der letzten Henneberger Grafen Georg Ernst und Boppo, und von der Decke herab-alte Fahnen. Der Geschäftsführer der Ortsgruppe des Vereins, Regierungsrat Spannagel, begrüßte die Gäste und erzählte launig von den Vorbereitungen zum Fest, dann traten 2 Gesangvereine auf, die sich freundlich in den Dienst der Sache gestellt hatten, und vielen wird es unvergeßlich bleiben, wie die „Liedertafel", über die einst Carl Wilhelm, der Komponist der „Wacht am Rhein", den Taktstock geschwungen hatte, das alte Kampflied hier an seiner Wiege sang und die Zuhörer jubelnd in den Refrain einfielen.