StzSLL, 228 SMttL, Gut erhalten auf unsere Zeit gekommen ist eigent- lich nur die Schloßkirche, einer der ersten selb ­ ständigen Versuche protestantischen Kirchenbaues, oft zusammen genannt mit der fast gleichzeitigen Schloßkirche zu Torgau. Eine praktische Denkmalspflege wird weniger durch die einschlägigen Bestimmungen und das Vorhandensein zuständiger Behörden gewährleistet, als dadurch, daß geeignete Personen zur Betätigung kommen. So ist denn auch das Schloß zu Schmal ­ kalden schon vor fast 20 Jahren in einem offiziellen Werk „abgemalt und aufgeschrieben", aber wenig geschah für die Erhaltung. Erst in den letzten Jahren hat die Kgl. Domänenverwaltung zu Kassel und das lokale Hochbauamt energische Schritte getan, um den überlieferten Schatz wenigstens in diesen Resten zu erhalten. Einen Teil der Schloßräume hat die Staatsregierung dem Verein für Hennebergische Geschichte und Landeskunde zu Museumszwecken zu überlassen. Die Sammlung, deren Grundstock noch von den eifrigen Vereins ­ gründern Senator Gerland und Apotheker Matthias stammt, kommt unter den Lokalmuseen Hessens wohl an dritter Stelle und muß nach Hanau und Marburg genannt werden. Doch wir ersparen uns alles Nähere, jeder komme und sehe, was Schloß Wilhelmsburg dem Geschichts- und Kunst ­ freund noch bietet. Schmalkalden, von wo einmal 15 Jahre lang die Geschicke Europas bestimmt wurden, und das einem politisch folgenschweren Kriege seinen Namen gab, hat dann in großer Zeit noch einmal von sich reden machen können. Der Krefelder Musikdirektor Karl Wilhelm, der Komponist der „Wacht am Rhein", ist hier in der Auergasse geboren und als Pensionär im Pistorschen Hause am Lutherplatz gestorben. Auf dem Altmarkt, inmitten grüner Bäume und vor der Reformationskirche, steht sein Denkmal, einfach und altmodisch, vielleicht sogar spießisch, aber das echte Dokument einer tatenfrohen und doch idea ­ listischen Zeit, der für das rein Dekorative das heutige Verständnis fehlte. Wer die Werrabahn hinauffährt, sieht, kurz ehe er an die Schmalkalder Umsteigestation Werns ­ hausen kommt, jenseits des Tals eine malerische Baugruppe, das alte Schloß Herrenbreitungen, wohin der Verein am zweiten Tage der Ver ­ sammlung seinen Ausflug unternimmt. Einst stand hier ein Kloster, dessen Kirche, eine romanische Pfeilerbasilika, im Längsschiff noch erhalten ist; die übrigen Gebäude sind nach dem Bauernkrieg und der Säkularisierung durch Graf Boppo von Henne ­ berg zu einem Residenzschloß umgebaut worden und zeigen einfache spätgotische Form. Durch Aus ­ grabungen, die der Jenenser Kunsthistoriker Prof. Dr. Weber, unterstützt durch den Kgl. Reg.-Bau- meister Kaufmann aus Schmalkalden, vornahm, ist der Grundriß der ehemaligen Kirchenanlagen festgestellt. Eine Fortsetzung der Grabung wird hoffentlich weitere Aufschlüsse bringen. Hier in Herrenbreitungen starb um 1630 die letzte Trägerin des Namens Henneberg, die Witwe des gefürsteten Grafen Boppo, im Alter von S1 Jahren, um ca. 50 Jahre hat sie den Mannesstamm ihres Geschlechts überlebt; noch eine Zeitgenossin Luthers, ragte die Greisin über die Epigonen der Refor ­ mationen hinaus bis, in die Jahre des großen Krieges, Mittelalter und Neuzeit seltsam verbindend. Noch vieles könnten die alten Mauern erzählen, aber es mag genug sein. Wen es reizt, die alte Stadt des Schmalkalder Bundes einmal von An ­ gesicht zu Angesicht zu schauen und auf den Spuren der Reformatoren zu wandeln, der komme zur Tagung des Geschichtsvereins. Nicht nur die Mit ­ glieder, sondern alle Freunde vaterländischer Ge ­ schichte und Kunst sind freundlichst eingeladen, sich im August zur kurzen Reise zu rüsten. S., Schmalkalden. Wilde Triebe am Stammbaume der hessischen Landgrase«. Von Dr. Carl Knetsch. lSchluß.) Philipp Wilhelms erste Frau starb im Jahre 1600, nachdem sie ihm IO Kinder geboren hatte. Seine zweite Frau wurde 1602 Christine von Boyneburg, Melchior Rudolf v. Boyneburgs und der Anna von Herda Tochter. Auch aus dieser Ehe stammten 10 Kinder. Philipp Wilhelm von Cornberg starb im Alter von 63 Jahren am 30. August 1616 und wurde zu Richelsdorf bei ­ gesetzt. Sein steinernes Grabmal in der Kirche, das mit den Wappen der Familie von Cornberg, der von Falcken und von Boyneburg (Eltern der 1. Frau), der von Boyneburg und von Herda (Eltern der 2. Frau), von Harstall und von Buschhausen") (Großmütter der 1. Frau) und von Reckrod und von Creutzburg (Großmütter der 2. Frau) geschmückt ist, trägt ia ) folgende Inschrift: '*) — Bischofshausen. ") Nach Kalckhoffs Collect, in der LandeSbibliothek zu Kassel Mer. Hass. fol. 151.