Heffenlan- Hessisches Heimaisblatt Zeitschrift für hessische Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst Nr. .12. 26. Jahrgang. Zweites Juni-Heft 1912. Zur Schlacht bei Mlhelmslhal. Von G. Eisenlraut. Bald werden anderthalb Jahrhunderte vergangen sein seit jenem denkwürdigen 24. Juni 1762, an dem. fast vor den Toren Kassels Herzog Ferdi ­ nand von Braunschweig einen glänzenden Sieg über die Franzosen erfocht und damit den letzten Feldzug des siebenjährigen Krieges einleitete. Über den Verlauf der Schlacht bei Wilhelmsthal, die in Renouards Werk eingehend beschrieben ist, hat der bei seinen Landsleuten unvergessene Sani- tätsrat Dr. Schwarzkopf vor 17 Jahren einen eindrucksvollen Vortrag gehalten, der sich im „Hessen- land" Jahrgang 1895 abgedruckt findet. Es soll deshalb hier die Schlacht vom 24. Juni 1762 nicht noch einmal ausführlich beschrieben, sondern nur einiges aus hessischen Berichten mitgeteilt werden, das sich auf die Schlacht bezieht und bisher wohl noch nicht veröffentlicht worden ist. Die erwähnten Berichte sind dem „Journal und Relationes von der Alliirten Armee im 7 jähr. Kriege" (Marburger Staatsarchiv) entnommen und stammen in der Hauptsache aus dem Nachlaß des Generalleutnant v. Wutgin au. Er war von 1757 bis zum Beginn des Jahres 1762 Oberbefehls ­ haber der hessischen Truppen unter Herzog Fer ­ dinand, hatte dann seinen Abschied genommen und sich nach Rinteln zurückgezogen. Sein Nach ­ folger wurde der Generalleutnant Prinz von An ­ halt-Bernburg, der mit dem Oberbefehl auch den gesamten Stab Wutginaus übernahm. Hier» durch erklärt es sich, daß Wutginau nach seinem Abgänge von der Armee über alles, was sich im hessischen Hauptquartier und in der Armee er ­ eignete, durch seine früheren Adjutanten auf dem Laufenden erhalten wurde Wir verdanken be ­ sonders der fleißigen Berichterstattung des General ­ adjutanten Kapitän v. Creutzburg die Kenntnis mancher intereffanten Tatsache aus dem Kriegs ­ jahr 1762, die in dienstliche» Asten nicht erwähnt ist. Prinz Anhalt hat nach der Schlacht bei Wilhelmsthal zwar seinen Ordonnanzoffizier, Grasen v.Oeynhausen, zum Landtzrafen Friedrich nach Braunschweig gesandt, um seinem Landesherrn mündlich über den Verlauf der Schlacht zu be ­ richten. Abgesehen von einer kurzen Meldung über die Schlacht befindet sich aber ein schriftlicher Bericht des Prinzen nicht in den Kriegsaften, und um so mehr ist es zu begrüßen, daß uns ein solcher aus der Feder Creutzburgs — für Wutginau bestimmt — aufbewahrt worden ist. Herzog Ferdinand war am 21. Juni mit feiner 50000 Mann starken Armee über Borgholz an dem nördlichen Ufer der Diemel zwischen Marburg und