106 Hauptansicht. Das Erholungsheim für Eifenbahnbeamie in Karlshafen an der Weser. Der Gedanke, für den Verband der Eisenbahnvereine im Direktionsbezirk Kassel ein Erholungsheim zu gründen, der vom Verbandsvorsitzenden, Präsidenten und Wirklichen Geheimen Oberregierungsrat Ulrich, ausgegangen war, war spruchreif geworden, als im Jahre 1908 der Minister der öffentlichen Arbeiten das Unternehmen durch Gewährung eines namhaften DarlehnS sicherte. Nicht weniger als 56 Städte unb Städtchen Hessens und der Nachbarprovinzen hatten sich bereit erklärt, für die Anstalt den Grund und Boden zu günstigen Bedingungen, zum Teil sogar kosten ­ los herzugeben. Wenn Karlshafen schließlich siegreich aus dem Wettbewerb hervorging, so lag das einmal daran, daß das angebotene 1 Hektar große Grundstück durch seine Höhenlage, durch die Nachbarschaft parkähnlicher Gärten und ausgedehnter Waldungen alle Bedingungen erfüllte, die in gesundheitlicher Beziehung an den Bauplatz eines Heims für Erholungsbedürftige gestellt werden mußten, dann aber auch daran, daß die Stadt und ihre weitere Umgebung ganz die Eigenschaft besaßen, die der Freund eines ruhigen Urlaubs von einer ersprießlichen Sommer ­ frische verlangt. Der am Zusammenfluß der Weser und Diemel gelegene, vom Solling und Reinhardswald ein ­ geschlossene Ort, eine Gründung des Landgrafen Karl von Hessen für Hugenotten, hat in den zweihundert Jahren seines Bestehens Aussehen und Einwohnerzahl kaum ge ­ ändert. Wie ein verträumter See liegt der stille Hafen, dem das Barockstädtchen Ursprung und Namen verdankt, inmitten der regelmäßigen niedrigen Häuserblöcke, die, von Du Ry erbaut, zum Anziehendsten gehören, was die Ge ­ schichte des Städtebaues aufzuweisen hat. Malerische Dörfer, uralte Siedlungen von Sachsen und Franken, beleben die engen, gewundenen Täler, Klöster und Burgen, Grün ­ dungen karolingischer Zeit, krönen die Höhen. Seiner Bestimmung und Lage entsprechend hat das Erholungsheim, deffen Entwurf von der Hochbauabtei ­ lung der Eisenbahndirektion Kassel (Regierungsbaumeister vr. Holtmeyer) aufgestellt wurde, im Äußeren ein landhausmäßiges Gepräge erhalten. Die gestreckte Front des dreigeschossigen, mit Knickdach abgedeckten Einslügel- baueS, die durch die einseitige Lage der nach dem Tale zu angeordneten Zimmer bedingt war. wird durch drei Giebel belebt, die in ihrer Gleichheit an die im Städtchen herrschende Symmetrie anklingen. Abgesehen von diesen drei Dach- ausbauten, die wie die ganze Mansarde für Wohnzwecke ausgenutzt find, besitzt die auf Fernwirkung berechnete Hauptseite als Gliederung nur eine Galerie kurzer Säulen, die die durchgehenden Balköne des ersten Stockwerk- ab ­ schließen und die schützenden Giebel tragen. Auf der Hinterfront wiederholt sich der Dreiklang der mit ihren Firsten durchgeführten Giebel, so zwar, daß die Nebengiebel schmäler ausgefallen sind. Werkstein, meist nur bruchrecht bearbeitet, ist lediglich für den Sockel und die Türumrahmungen verwandt. Die Frontflächen find, soweit sie aus Mauerwerk bestehen, rauh geputzt und gelblich getönt, soweit ste als Fachwerk aus ­ gebildet find, mit Schindeln oder Pfannen bekleidet. Mit letzterem, bei den Sachsen-Häusern des Diemeltales üblichem Baumittel ist auch das Dach eingedeckt. Dachüberstände und Fenster haben weißen, die Außentüren stahlblauen, die Fensterläden und Weinspaliere grünen Anstrich er ­ halten. Dllrch Malerei und Bildhauerarbeit find in be ­ scheidenen Grenzen die Außeneingänge betont. Da8 Heim enthält 33 Fremdenzimmer mit 49 Betten. Die Gesellschaftsräume, die einen Speisesaal von 60,50 qm Grundfläche mit zugehörigem Schenkraum, ein kleineres Eßzimmer und einen Unterhaltungsraum umfaffen, liegen