Hessenland Hessisches Heimaisblatt Zeitschrift für hessische Geschichte, Volks- und Heimatkunde, Literatur und Kunst Nr. 2. 26. Jahrgang. Zweites Januar-Heft 1912. Mittelalterliche Gräber, insbesondere die aus hessischem Boden. Von Ernst Wenzel, Wilhelmshöhe. (Fortsetzung.) Im Folgenden wollen wir die einzelnen Funde besprechen. 1. Steinsarg östlich des Chors der katholischen Kirche zu Hünfeld. Der Steinsarg zu Hünfeld unterscheidet sich von den meisten bekannten Steinsärgen durch seine gebogenen Wandungen und erinnert noch sehr an den Baumstamm. Die Kopshöhlung ist halb vierpaßförmig. Ganze Länge 2,13 m, Breite .am Kopsende 0,64 m, am Fußende 0,38 m, in der Mitte 0,55 m, Wandstärke 0,08 m, Höhe 0,42 m. Abflußloch nicht vorhanden, Alter unbekannt.» Deckel fehlt- 2. Steinsarg eines Antoniters in Roß ­ dorf bei Hanau. Der jetzt als Brunnentrog dienende Steinsarg vom Kirchhof der Antoniter zeigt als Besonder ­ heit in den Ecken am Fußende vierkantige Leistchen, eine Erinnerung an die Verstärkungsleisten des Brettersarges. Die Flächen der Seitenwände sind bogenförmig scharriert. Kopfteil fehlt. Ganze Länge 2,25 m, Breite 0,78 m, Wandstärke 0,095 m, Höhe 0,46 m. 13. Jahrhundert. Abflußloch nicht vorhanden, Deckel fehlt. Eine an gleicher Stelle gefundene Grabplatte von 0,95x1,82 m Größe des Antoniterkeller- meisters Jordanus -s 1300 deckte wohl ein ge ­ mauertes Grab. 3. Steins arg in der Vierung der Stifts ­ kirche zu Hersseld. Wer in diesem Sarg beigesetzt war, läßt sich nicht ermitteln. In Betracht kommt, was am meisten wahrscheinlich ist, Abt Meginher, der 1059 gestorbene Erbauer der Stiftskirche oder, wie der Führer durch die Stiftskirche von Höhle angibt, Luitpold von Merseburg, der Freund Kaiser Heinrichs IV., der auf der Fahrt nach Mainz verunglückte und im Querschiff vor dem Hauptaltar beigesetzt wurde. Falls der Sarg noch an seiner ursprünglichen Stelle liegt, lag der Sarg ­ deckel, der nicht mehr vorhanden ist, unmittelbar unter dem Geplätte. Die Kopfhöhlung ist ähnlich dem Hünfelder Sarg kleeblattbogensörmig. Ganze Länge 2,06 m, Breiten im lichten 0,47 und 0,51 m, Wandstärke 0,09 m, innere Tiefe 0,355. Am Fußende führt ein Abflußloch in das Erdreich.