König Wilhelms an den hessischen Kurfürsten vom 11 Mai 1862 und der berühmten Feldjägernote Bismarcks an den Vorstand des hessischen Ministers des Auswärtigen von Dehn-Rotselser vom 24. No ­ vember 1862. — Geh. Rat Hartwig betonte, wie sehr die Entscheidung des Kurfürsten gegen Preußen im Juni 1866 auf den Einfluß des österreichischen Gesandten Grasen Paar und der Fürstin von Hanau, die gegen Dehn-Rotfelsers Vorstellungen wirkten, zurückzuführen sei. General v. Pentz erzählte unter Andeutung seiner Quelle, daß Anfang Juni 1866 die preußische Regierung aus den Anschluß Kur ­ hessens gerechnet habe, der Kurfürst selbst sei damals preußensreundlich gewesen, Moltke habe daran ge ­ dacht, die kurhessische Division gegen Darmstadt zu verwenden. Auch über die Stellung des hessischen Thronfolgers und seiner Gattin, über Ötkers Be ­ ziehungen zu Bismarck, über das — gewiß irrige — Gerücht eines Angebots des darmstädtischen Ober ­ hessen an den Kurfürsten wurde verhandelt. Ganz mit Unrecht, so stellte der Vortragende fest, wurde allgemein von Bismarck vor seinem Eintritt ins Ministerium eine Politik des Länderschachers nach dem Vorbild Napoleons III. erwartet. Solche Be ­ sorgnisse hatten auch König Wilhelm zeitweilig von der Bestellung Bismarcks zum Ministerpräsidenten zurückgehalten. — Zu Anfang der Sitzung hatte der Vorsitzende mitgeteilt, daß aus Anregung desMar- burger Vorstandes der Gesamtvorstand des hessischen Geschichtsvereins dem Konservator der Kunstdenkmäler in Preußen Geh. Oberregierungs-Rat Lutsch die Bitte vorgetragen habe, in Sachen der Restaurierung der Fritzlarer Stiftskirche auswärtige Sachverständige zu hören, und daß daraufhin dem Verein für sein Interesse gedankt worden sei. Der Fuldaer Geschichtsverein hielt seine dies ­ jährige Generalversammlung am 29. November unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Dr. Antoni ab. Nach dem erstatteten Jahresbericht zählt der Verein zur Zeit 137 Mitglieder. Voraussichtlich werden im Vereinsjahre 1912 als Veröffentlichungen eine Arbeit Professor Dr. Richters über Georg Witzel, eine interessante Fuldaer Persönlichkeit aus dem Re- sormationszeitalter, und eine Abhandlung Dr. Simons über die Verfassung des geistlichen Fürstentums Fulda erscheinen. Die von Professor Dr. Haas geleitete Flurnamensorschung im Gebiete der ehemaligen Fürst ­ abtei Fulda ist soweit fortgeschritten, daß der Abschluß der Sammlung in etwa zwei Jahren zu erwarten ist. Aus der vorgetragenen Rechnung für 1910/11 sind folgende Posten besonders zu erwähnen 300 M. für Ausgrabungen unter Leitung des Professors Vonderau, 350 M. für die Flurnamensorschung. Der Voranschlag für das neue Vereinsjahr sieht wieder einen ansehnlichen Betrag zur Vornahme weiterer wissenschaftlicher Forschungen vor. Durch Zuruf wurde der seitherige Vorstand wiedergewählt. An ­ schließend hieran hielt Professor Dr. Richter einen interessanten Vortrag an der Hand vieler photo ­ graphischer Aufnahmen über die Geschichte der St. Michaelskirche zu Fulda. Die Kirche wurde vom vierten Fuldaer Abte Eigil erbaut und am 15. Januar 822 eingeweiht. In der vom Mönch Candidus verfaßten Biographie des Erbauers wird die zur Friedhofskapelle bestimmte St. Michaelskirche als ein Rundbau gekennzeichnet und ihre Form im einzelnen beschrieben. Es würde zu weit führen, hier aus den inhaltsreichen Vortrag näher einzu ­ gehen. Lebhaften Beifall zollten die in großer Anzahl erschienenen Geschichtssreunde dem in allgemein ver ­ ständlicher Form gehaltenen Vortrag. Todesfall. Am 8. Dezember v. I. verschied als jüngster Sohn des aus den hessischen Versassungs- kämpsen bekannten Generals Gerland zu Kassel-Wil ­ helmshöhe Gustav Gerland der Inhaber der von ihm selbst errichteten landwirtschaftlichen Buch- sührungsstelle, nur elf Tage bevor er das 70. Le ­ bensjahr vollendet hatte. Welch' große Liebe und Achtung er sich in den zehn Jahren seines dortigen Wohnens errungen hatte, zeigte nicht nur, daß er zum Kirchenältesten und Armenpfleger gewählt war, sondern auch die große Beteiligung aller Stände bei seinem Leichenbegängnis. Wenige Tage noch und er hätte die Freude gehabt, daß bei seinem Sohn, dem Generalsekretär der Landwirtschastskammer für die Provinz Westfalen in Münster, der so lang er ­ sehnte Enkel ankam und der Sohn zum ökonomie ­ rat ernannt wurde. W. G. Nochmals Holländer Kunst-Tonwaren und Großalmeroder Ton. Man schreibt uns aus Großalmerode Der Aussatz aus Seite 364 des letzten Hessenlandhestes sollte zur Herstellung von Vasen, Figuren u. dergl. in Hessen, besonders in Großalmerode, anregen. Das war hübsch gedacht, aber leider ohne Sachkenntnis geschrieben. Denn der Großalmeroder Ton enthält fast stets sehr viel Eisen oder Schweseleisen, ist deshalb zu schwer, um Vasen, Töpfe usw. daraus herzustellen und eignet sich meistens nur zu feuerfesten Schamottesteinen, Schmelztiegeln usw., auch zu Glashäsen. Bei der Herstellung von Massenartikeln wird das Eisen hier erst künstlich (durch Magnete) aus dem Tone gezogen. Allein dadurch verteuert sich die Arbeit so, daß nur Massenfabrikation lohnt. Zu diesem von Natur ge ­ gebenen Übelstande kommt nun die moderne Gesell- schastsentwicklung. Kunstgegenstände könnte nur ein Kunst-Tiegeldreher oder ein als selbständiger Meister