1848 bis 1850 nahm Bismarck eine verteidigende Stellung gegen jede Schmälerung des preußischen Staates ein, höchstens, daß er gegen die Verfassung der preußisch-deutschen Union im April 1850 den Gegenvorstoß der Forderung einer ausgesprochenen preußischen Hegemonie in dem neuen Bunde machte. Das Scheitern der Unionsplane sah er mit Be ­ friedigung, und er hat diese ganze, schließlich nach Olmütz führende Politik in einer großen Rede vor der preußischen zweiten Kammer verteidigt. Auch in der 1850 vortretenden hessischen Berfassungsfrage stand er ganz auf der reaktionären Seite, die hessische Frage war ihm nicht das Opfer preußischer Soldaten wert, das waren ihm Lappalien. Aber die Auffassung, als hätte er in der Rede einer erobernden Politik das Wort geredet, die damals ein Ziel nur in Jahren hätte haben können, ist abzuweisen. Er war preußischer Parteimann, von diesem Standpunkt sah er auch die deutschen Fragen an Hessen war ihm ebenso gleichgültig, wie das übrige außerpreußische Deutsch ­ land. Während der Zeit der Bundestagsgesandt ­ schaft Bismarcks in den 50 er Jahren berührten feine Berichte auch die kurhessischen Dinge, aber nur im Rahmen der von ihm mit vertretenen reaktionären Bundespolitik überhaupt, in der Zollvereinssrage zeigte sich scharfe Gereiztheit gegen das Kurfürstentum, und was seine Stellung zu den in Hessen kämpfenden Parteien anging, so kam er 1860 zu dem Schluß, daß die Partei des Kurfürsten um kein Haar besser sei als die der Gegner. Die Wendung in der Haltung Preußens und schließlich des Bundes gegenüber Hessen, das Eintreten für die Verfassung von 1831 gegen den Kurfürsten wurde durch Bismarcks Nachfolger in Frankfurt, Usedom, veranlaßt. Die damit ein ­ geleitete preußische Jnterventionspolitik übernahm Bismarck bei seinem Regierungsantritt (Sept. 1862) als Erbschaft von seinem Vorgänger und führte sie durch die bekannte Feldjägersendung energisch zum Ende, wobei allerdings das eigene Vorgehen des Ministers von Dehn-Rotselser beim Kurfürsten nicht zu unterschätzen ist. Wenn auch Kurfürst Friedrich Wilhelm diesen Schlag Preußen dauernd nachge ­ tragen hat, so wurde sonst das Verhältnis besonders durch Bismarcks Bemühungen im diplomatischen Verkehr ein durchaus gutes, bis das Entscheidungs ­ jahr 1866 kam. Der Vortragende schilderte ein ­ gehend die Entwicklung des Einheitsgedankens bei Bismarck, wie er schließlich in dem Rundschreiben vom 10. Juni 1866 feststand gesamtdeutsches Parlament mit begrenzten Befugnissen, preußische Herrschaft im Norden, bayrische im Süden. Alle Versuche Bayern und die anderen deutschen Staaten vom Kriege auf Österreichs Seite zurückzuhalten, mißglückten, obgleich von Hannover und Kurhessen nur Neutralität ge ­ fordert wurde: Hessen sollte der Entwicklung der Ereignisse ruhig zusehen, jede Schonung wurde ihm verheißen. Trotz allen Abmachungen im eigenen Lande entschloß sich der Kurfürst, hinter dem vor allem seine Gemahlin stand, zum Krieg gegen Preußen. Bismarck hatte zunächst keinen Eroberungsgedanken, als höchstens den der Einverleibung Sachsens und einer territorialen Verbindung der preußischen Ge ­ bietsteile auf Kosten Hannovers und Hessens. Erst aus der Abdränguug vom großen Einheitsplan aus einen nur norddeutschen Bund (Intervention Napoleons, feindliche Haltung des deutschen Südens) erwuchs zugleich der Gedanke eines Ersatzes in umfassenden Annexionen, der aber erst nach Königgrätz, zwischen dem 6. und 9., vielleicht dem 8. und 9. Juli, seine endgültige Gestalt gewann, zugleich wurde die weitere Schwierigkeit beseitigt, die in den feind ­ seligen Dynastien lag, und diesen Gesichtspunkt hat Bismarck nach außen stets besonders nachdrücklich betont. Gewiß hätten sich die damals annektierten Staaten dem späteren Reich einfügen lassen und wären durch den Zwang der Entwicklung mit ihm verwachsen, wie die andern auch. Damals, 1866, war diese Zukunft nicht zu übersehen, und nur aus jener Lage hatte Bismarck zu handeln. Er hatte zunächst nach preußischer Hegemonie gestrebt, die preußische Eroberungspolitik war ihm ein Notausweg, den er aber dann mit vollster Entschiedenheit und mit genialer Eigenart betrat: entweder vollständige Einverleibung oder vollständige Schonung im Hin ­ blick aus die künftige Bundesgenossenschaft. Die Einhaltung der von den norddeutschen Staaten ge ­ forderten Neutralität hätte den Gedanken an Ein ­ verleibung garnicht auskommen lassen das Schicksal dieser Staaten und somit auch Hessens hat einzig und allein aus ihren Thronen gesessen. — Lebhafter Beifall bekundete den starken Eindruck, den die Aus ­ führungen des Redners gemacht hatten, und in fast einstündiger Erörterung einzelner Punkte sprach sich besonders seitens der älteren Mitglieder die innere Anteilnahme aus. Das Wort ergriffen die Herren Rvsenfeld, Hartwig, v. Pentz, Heldmann, Paulus, Strippe!, Glaser. Willkommene Ergänzungen bot zunächst Archivar Rosenfeld, er machte über mehrere von Professor Busch bereits gestreifte Punkte nähere Mitteilungen unter Heranziehung und teilweiser Ver ­ lesung von neuem archivalischen Material: über die Sendung des preußischen Generals v. Willisen an den Kurfürsten im Mai 1842, über Beziehungen hessischer Politiker zu Bismarck, besonders über die Unterredung Friedrich Ötkers mit Bismarck im Jahre 1864. Namentlich aus den Berichten der kur ­ hessischen Gesandten in Berlin teilt er Verschiedenes mit und konnte der Versammlung auch die Originale zweier denkwürdiger Aktenstücke vorlegen des durch General v. Willisen überbrachten Handschreibens